Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1970, Jg. 3, H. 9-11)

neuen Zielen und Methoden zu suchen, und dazu gehört 
notwendigerweise auch die Umsetzung dessen, was man 
für richtig hält, um das Konzept durch die in der Kon- 
kretion gewonnenen Erfahrungen korrigieren zu können, 
stößt man auf Widerstand. Teile der Professorenschaft, 
z.B. Herr Gunkel und Herr Pfarr, fühlen sich von der 
Entwicklung bedroht und greifen, da sie ihre Stellung 
an der Hochschule nicht mehr inhaltlich begründen kön- 
nen, zu bürokratischen und formalistischen Mitteln, die 
ihnen bedrohlich erscheinende Entwicklung aufzuhalten, 
und verteidigen damit Interessen und Positionen, die oft 
genug von ihren eigenen Vertretern als reformbedürftig 
deklariert worden sind. 
Die so um den Erfolg ihrer Arbeit betrogenen Diploman- 
den werden versuchen zu zeigen, daß sie zwar noch 
nicht die Macht so doch die besseren Argumente haben, 
Bodo Labinsch, Institut für Umweltplanung (1), Ulm 
BEGINN DES PRAXIS- UND PROJEKT©RIENTIERTEN 
AUFBAUSTUDIUMS IN DEN RÄUMEN DER EHEMALIGEN 
HOCHSCHULE FÜR GESTALTUNG 
In der Informationsbroschüre, die an alle Interessenten 
verschickt wurde, fehlt ein sonst übliches abgerundetes 
Konzept. Dafür werden lediglich einige Grundsatzdis- 
kussionen angedeutet, die permanenter Bestandteil der 
Institutsarbeit werden sollen, und aus denen sich dann 
die Kriterien für die Auswahl von Projekten, für die Ver- 
teilung der materiellen Ressourcen und für die Berufung 
von Fest- und Gastdozenten ableiten lassen. 
Hinter dieser Vorgehensweise steht die aus der Misere der 
HFG gewonnene Erkenntnis, daß die Aufforderung an 
alle neu Hinzukommenden, jeweils den Inhalt der Insti- 
tutsarbeit selber mitzubestimmen, kein schlechteres Kon- 
zept ist als eine verbal anspruchsvolle, akademisch-auto- 
ritär geschlossene Wortfassade anzubieten, an die sich 
sowieso kein Mensch halten kann und will, und hinter der 
sich karriere-neurotische Erfolgsmenschen um so leichter 
ein warmes Nest aus industrieorientierten Projekten bauen 
können! 
Auszüge aus der Informationsbroschüre: 
1 VORGESCHICHTE 
2 ERFAHRUNGSBERICHT "KOLLOQUIEN" 
3 ALLGEMEINE INFORMATION 
1 VORGESCHICHTE 
Das Institut für Umweltplanung geht auf die ehemalige 
Hochschule für Gestaltung Ulm zurück, die als private 
Schule der Geschwister-Scholl-Stiftung 1953 ihre Arbeit 
begann. 
Die Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1950 benennt folgen- 
den Stiftungszweck: 
"Zweck der Geschwister-Scholl-Stiftung ist, das For- 
schungsinstitut für Produktform und als Ergänzung hierfür 
eine Schule aufzubauen und zu unterhalten. . . 
Das Institut erarbeitet Grundlagen zur Beurteilung aller 
Faktoren, die für die Erzeugung qualitativ hochwertiger, 
formschöner Erzeugnisse von Industrie und Gewerbe not- 
wendig sind und die es ermöglichen, den Lebensstandard 
der Bevölkerung und bessere Exportfähigkeit der Produkte 
zu erhöhen. Zur Durchführung seiner Aufgabe unterhält 
das Institut Laboratorien und Versuchswerkstätten sowie 
eine Abteilung zur Erforschung der Publikumsmeinung und 
der Publikumsbedürfnisse. Als Ergänzung hierfür soll eine 
Schule gegründet werden, die... eine zeitnahe und uni- 
verselle Ausbildung vermittelt, welche fachliches Können, 
kulturelle Gestaltung und politische Verantwortung in 
einer Einheit verbindet. Dabei sind vor allem Gestal- 
tungsgebiete mit starken sozialen Auswirkungen vorge- 
seh&n, wie Formgebung von Industrieprodukten, Archi- 
tektur und Stadtbau, Journalismus, Rundfunk, Film, 
Werbung." 
(1) vom Institut vorgeschlagener Name 
ARCH+3 (1970) H. $%
	        

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