Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1972, Jg. 4, H. 15-16)

Ingrid Krau 
DIE GESELLSCHAFTLICHE ORGANISATION DER 
PRODUKTION IN DER DDR IM SPIEGELBILD DER 
TERRITORIALEN ENTWICKLUNG 
Gliederung 
A. Die Ausgangsbedingungen im Übergang vom Kapita- 
lismus zum Sozialismus 
1 Die politischen Voraussetzungen 
? Die vom Kapitalismus übernommenen strukturel- 
len Voraussetzungen 
Der Aufbau einer nationalen Wirtschaft 
Das Erfordernis, eine den neuen politischen Ver- 
hältnissen adäquate materielle Struktur zu schaf- 
fen 
Das Postulat der Beseitigung des Stadt/Land- 
Gegensatzes 
Das Fehlen zusammenfassender Raumordnungs- 
vorstellungen 
B. Der Übergang zum NÖSPL 
1 Die dem NÖSPL vorausgehenden Anforderungen 
an Planung und Leitung 
2 Die neuen Anforderungen an Planung und Leitung 
und der Lôsuneswez des NÔSPL 
7. Die räumliche Strukturentwicklung und die neuen 
Anforderungen an territoriale Planung und Leitung 
1 Dem Beginn der Territorialplanung vorausge- 
setzte Strukturentwicklung der Volkswirtschaft 
Was bedeutet der Übergang zur Territorialpla- 
nung? 
Gebietsbezogene Planung und die Machtbefugnisse 
der órtlichen Staatsorgane 
Die Ziele der ráumlichen Strukturentwicklung 
und die Aufgaben der Territorialplanung 
Die industrielle Konzentration und die sozialisti- 
Sche Stadt 
D. Schlußbemerkung 
A. Die Ausgangsbedingungen im Übergang 
vom Kapitalismus zum Sozialismus 
A. 1 Die politischen Voraussetzungen 
Wenn wir vom sozialistischen Aufbau der DDR spre- 
chen, ist die umfassende Umwälzung eines bis dahin 
nicht selbständigen Teils eines monopolkapitalistischen 
Staatswesens gemeint. Diese Umwälzung geschieht 
unter besonderen erschwerenden Bedingungen: 1. die 
tragende Kraft der alten monopolkapitalistischen Wirt- 
schaftseinheit, die Großbourgeoisie, wird in dem einen 
Teil ausgeschaltet, während sie in dem anderen Teil 
die alte Stärke wiedergewinnt; 2. die Arbeiterklasse, 
um deren Machtergreifung es auf dem Gebiet der DDR 
grundsätzlich geht, war unter der vorangegangenen 
faschistischen Herrschaft ihrer organisatorischen 
Kraft, der kommunistischen Partei, und vieler ihrer 
fähigen Kader beraubt worden. Der Kampf um die Be- 
seitigung der Klassen und das Zerschlagen des alten 
Organisationsapparats unter diesen Bedingungen sind 
die Grundfragen des sozialistischen Aufbaus. Diese 
innere Umgestaltung bestimmt den Charakter aller 
äußeren materiellen Veränderungen; ihr Verständnis 
ist dem des materiellen Aufbaus vorausgesetzt. 
Wir müssen uns daher ins Gedächtnis rufen, 
! daB der Übergang zum Sozialismus nicht aus eige- 
ner Kraft erfolgte, sondern durch die UdSSR - als 
Diktatur des Proletariats mit Weltmachtstellung - 
der deutschen Arbeiterklasse ermôglicht wurde, 
daß die organisatorische Schwächung der Arbeiter- 
klasse im Faschismus wie die nicht vollendeten 
demokratischen Revolutionen von 1848 und 1918 eine 
Sammlung aller demokratischen und antifaschisti- 
schen Kräfte verlangte, um zunächst die demokra- 
tische Umwälzung nachzuholen, 
daß die Restauration des Monopolkapitalismus in 
Westdeutschland mit Hilfe der USA die Situation des 
Klassenkampfes auf dem Gebiet der heutigen DDR 
verschärfte - nach außen durch wirtschaftliche Maß- 
nahmen, im Innern als Stütze der bürgerlichen 
Kräfte (1). 
Der Aufbau des kleineren und ökonomisch rückständi- 
geren Teils Deutschlands zu einem der leistungsfähig- 
sten Industriestaaten der Welt hat aus dieser Sicht eine 
Bedeutung, die nicht unterschätzt werden darf. Dies 
gilt einmal für die erstaunlich schnelle Entwicklung der 
Produktivkräfte, dies gilt zum andern für die darauf 
aufbauende institutionelle Entwicklung der Partei der 
Arbeiterklasse zum umfassenden politischen und wirt- 
schaftlichen Organisationsapparat. 
Bis zur Mitte der 50er Jahre war diese Entwicklung 
ARCH+ 15 (1971-3)
	        

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