Volltext: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1972, Jg. 4, H. 15-16)

tionsstruktur, Verhältnis zu den politischen Gremien 
ete. (13). 
Auch wenn dies heute bisweilen noch so erscheinen und 
eine vielfach zu beobachtende verwaltungsmäßige Sepa- 
rierung von "Stadtentwicklungsplanung' es nahe legen 
mag; staatliche Planung auf kommunaler Ebene - kommu- 
nale Planung - ist nicht zu begreifen als eine neue se- 
parate Funktion gegenüber oder im Rahmen der tradi- 
tionellen Verwaltung. Die Funktionbedingungen staat- 
licher und damit auch kommunaler Administration ins- 
gesamt haben sich veründert. "Kommunale Planung" 
bezeichnet einen Prozeß, in dem fortschreitend die 
gesamte kommunale Verwaltung mit einbezogen wird 
und dessen immanente Rationalisierung die ''Spezifizie- 
rung der Konsensbildungsstrukturen'' und eine Steige- 
rung und Diffusion von Problemlösungskompetenz (14) 
erfordert. 
Das noch geringe Planungsinteresse der etablierten 
Human-, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften und 
die entsprechend zögernde Ausbildung spezialisierter 
Fachplanung mag der Struktur und dem Entwicklungs- 
stand des kapitalistischen Systems in der BRD ent- 
sprechen. Dennoch erweist die Planungspraxis bereits 
heute jene Differenzierung und damit professionelle 
Spezialisierung in Fachplanungen (15) als einer Not- 
wendigkeit, hinter die weder Wissenschafts- (Ausbil- 
dung) noch Planungspraxis zurückgehen können. 
Mit den veränderten Funktionsbedingungen der planen- 
den Verwaltung im staatmonopolistischen System haben 
sich die Problemstellung und Effizienzmaßstäbe ver- 
schoben. Das Syntheseproblem bleibt. Nicht jedoch als 
das Problem eines die Spitze einer vorgestellten Werte- 
hierarchie okkupierenden Superplaners (16), Generali- 
sten oder auch Teams (17), sondern als ein Problem 
13) Im Sinne dieser technischen Effizienzprobleme, 
vgl. E. Laux, Führungsorganisation und Führungs- 
stil der Kommunalverwaltung, Archiv für Kommu- 
nalwissenschaften, 1968, 2. Halbj., S. 233-255. 
Ders., Überlegungen zur Verwaltungsführung, Der 
Stidtetag, 1969, H. 2. S. 60-64. 
14) Inwiefern derart immanente Rationalisierung zu- 
gleich historisch eine Rationalisierung gesellschaft- 
licher Planung bedeuten kann, ist eine entscheidende 
strategische Frage, muß hier aber zunächst ein 
offenes Problem bleiben. 
Vgl. M. Fester, Vorstudien zu einer Theorie kom- 
munikativer Planung, Berlin 1970, S. 82, 
Fachplanungen nicht im Sinne der verschiedenen 
technischen Abteilungen der traditionellen Stadt- 
planung (Verkehr, Stadtbauwesen, Tiefbau etc.), 
sondern im Sinne auf inhaltliche Probleme orientierter. 
nach politischen Relevanzkriterien abgegrenzter Sek- 
tionen (Subsysteme) der planenden Verwaltung (Wohn- 
planung, Bildungsplanung, Gesundheitsplanung etc. , 
vgl. den unten aufgeführten Katalog der "Wahl-Haupt- 
fächer''). 
15) 
16) Eine inihrer historischen Ausprägung durchaus dem 
klassischen Unternehmer des Konkurrenzkapitalismus 
vergleichbare (komplimentäre) Figur. 
L7) Dies ist der scheinbare Ausweg, den man sich in Dort- 
mund über die Einrichtung individueller Spezialisie- 
rungsmóglichkeiten in Form sog. Vertieferrichtungen 
zu eróffnen hoffte. 
der Konsensbildung, d.h. der Organisation von Ent- 
Scheidungsprozessen. Daf die Rationalität der neuen 
Entscheidungsstrukturen nicht immanent (ahistorisch) 
bestimmt werden kann, daß etwa die Grenzen der be- 
teiligten Subsysteme (Fachplanungen) nicht nur abhän- 
gen von den Kommunikationsprozessen und Zielfunktio- 
nen der Subsysteme, d.h. die "Systemaufgliederung" 
weniger ein kommunikationstheoretisches (18) als viel- 
mehr ein Machtproblem darstellt, ist ebenso deutlich, 
wie über die logischen und praktischen Implikationen 
verschiedener Organisationsmodelle und Entscheidungs- 
verfahren derzeit noch Unklarheit besteht. 
1. 
Raumplanung - spezielle Ókonomie 
Mit dem allgemeinen Satz, daß schlechterdings jede 
gesellschaftliche Planung sich auf räumliche Struktu- 
ren beziehe, sowie der behaupteten Komplexität des 
Gegenstandes sogenannter "raumorientierter Ent- 
wicklungsplanung' und der - wenn auch historisch 
widersprüchlichen - Forderung der Steigerung prak- 
tischer Kontingenz als der Bedingung der Möglichkeit 
rationaler Planung, scheint Raumplanung als einer 
eigenen Disziplin (und Ausbildung) der Boden entzogen 
zu sein. Der Versuch, Raumplanung dennoch als eine 
gesonderte Funktion im Kontext z.B. kommunaler Pla- 
nung zu konstituieren, setzt darum nicht an bei einer 
Spezifizierung des dieser Funktion zugewiesenen Ge- 
genstandsbereiches "Raum", sondern bei der funktio- 
nalen Bestimmung der Fachplanungen, von deren Be- 
gründungszusammenhang her jener Gegenstandsbereich 
seine nähere Bestimmung erfahren muß. 
Ausgegangen wird - und insofern wird auch hier jenem 
allgemeinen Satz nicht widersprochen - von der These, 
daB im Kontext gesellschaftlicher Planung rüumliche 
Organisation als eine von der jeweiligen sozialen Situa- 
tion nicht abstrahierbare GróBe begriffen werden muB. 
Unabháüngig von einem gegebenen gesellschaftlichen 
Handlungszusammenhang und damit einer gegebenen 
Interessenstruktur kónnen rüumliche Strukturen weder 
wahrgenommen und interpretiert noch geplant und 
realisiert werden, Insofern also hier von "Raum" als 
einem Gegenstandsbereich gesellschaftlicher Planung 
gesprochen wird, wird Raum nicht für sich, sondern 
allein als eine Funktionsbedingung gesellschaft- 
licher Subsysteme begriffen (19). Nicht im Sinne einer 
transzendentalen Bestimmung, sondern im Sinne em- 
pirisch nachweisbarer materialer Systeme, deren in 
diesem Zusammenhang relevante Eigenschaften unter 
den Kategorien (20): Menge, Erreichbarkeit, Erschlie- 
Bung, physische Umwelt und Verfügbarkeit beschrieben 
werden kónnen. 
18) Vgl. M. Fester, a.a.O., S. 68. 
19) Was impliziert, daß bestimmte räumliche Struk- 
turen Träger von Funktionen jener Subsysteme 
sein können. 
20) Die Systematik, innere Logik und Brauchbarkeit 
dieser Kategorien wirdsichals ein Problem erwei- 
sen eben an den Stellen im Prozef gesellschaftli- 
eher Planung, an denen Raumplanung hier als eine 
neue Funktion konstituiert werden soll. 
ARCH+ 15 (1971-3)
	        

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