Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

ökonomischen Entwicklung, das Wirtschaftswachstum 
beeinträchtigt worden war. 
Bei einem hohen Konzentrationsgrad des Kapitals und 
einem hohen technologischen Niveau der industriellen 
Produktion wirken sich die gesellschaftliche Arbeitsteilung 
und die enge und unmittelbare Verflechtung aller gesell- 
schaftlichen Zusammenhänge der Produktion dahingehend 
aus, daß die Konkurrenzfähigkeit im Kampf gegen andere 
regionale und ausländische Kapitale auf dem Weltmarkt 
wesentlich von der optimalen Gestaltung des gesellschaft- 
lichen Produktionsorganismus abhängt. Maßnahmen der 
kostensenkenden innerbetrieblichen Rationalisierung müs 
sen sich verlängern in die Rationalisierung der Struktur 
der räumlichen Verteilung der gesellschaftlichen Produk- 
tion und die gesellschaftliche Bereitstellung einer ergänzen: 
den Infrastrukturausstattung. 7) Für die Planungsinstitu- 
tionen der Kommunen und Länder bestimmt sich aus 
diesen Anforderungen als Inhalt ihrer Planung, durch Ent- 
wicklung und Umstrukturierung der Städte und Stadtregio- 
nen die Produktivität und Konkurrenzfähigkeit der in der 
Region angesiedelten Kapitale zu unterstützen. Angesichts 
dieser Zielsetzung wird das unkoordinierte, kleinteilige 
Überwuchern ganzer Regionen mit den Ergebnissen einer 
naturwüchsigen Bauproduktion nicht nur zum Anachronis- 
mus und ästhetischen Ärgernis, sondern zum Hemmnis für 
die industrielle Entwicklung. Planerische Maßnahmen der 
Institutionen können sich nicht mehr auf die Beseitigung 
der chaotischen Auswüchse eines ungezügelten Prozesses 
beschränken, sie sind vielmehr darauf verwiesen,die Agglo- 
merationsräume entsprechend den Anforderungen der 
in ihnen angesiedelten Kapitale zu entwickeln. 
Aufgrund der engen Interdependenz von Wirtschafts- 
wachstum und Regionalentwicklung ist also eine der 
Aufgaben der Planung der Bauprodukte: die Herstellung 
optimaler Zuordnungen von Funktionen, die die Kosten 
der Zirkulation des Kapitals senken und die Umschlags- 
zeit des Kapitals verkürzen können. Diese Aufgabenstel- 
lung bedingt einen komplementären Zusammenhang 
der Planung von Einzelobjekten und Infrastruktur, um 
die potentiellen Standortvorteile, die durch Infrastruk- 
turinvestitionen geschaffen werden, in den Einzelobjekten 
zu realisieren und damit die öffentlichen Ausgaben ihrer- 
seits zu effektivieren. Dabei kann aber die kleinteilige 
Parzellierung des Bodeneigentums nicht länger Maß des 
Objekts bilden — man denke an City-Planungen mit über- 
greifenden Ebenen von unterirdischer Anlieferung, Par- 
ken, 2. Fußgängerebene, horizontaler Vermischung von 
gesellschaftlichen und privaten Funktionen etc. Erforder- 
lich ist eine großräumige, „integrierte“ Planung, die nicht 
mehr von dem Architekten des traditionellen Zuschnitts 
bewältigt werden kann. 
7) vgl. Dieter Läpple: Staat und allgemeine Produktionsbe- 
dingungen. Grundlagen zur Kritik der Infrastrukturtheorien. 
Berlin (West) 1973 
Konsequenzen für den Arbeitsbereich der 
Architekten 
Die neue Dimension der Planung, ihre Ursachen im hohen 
Konzentrationsgrad der industriellen und merkantilen 
Kapitale und ihre Auswirkungen auf Konzentrationsgrad 
und Industrialisierung der Bauwirtschaft, haben einschnei- 
dende Rückwirkungen auf den Charakter der Architekten- 
arbeit und auf die Weise, wie sie im Gesamtprozeß der Bau- 
produktion angewandt wird. Die wichtigste Besonderheit 
der privaten Bauproduktion, die im unverhältnismäßig 
hohen Produktenwert eines Gebäudes in Relation zur 
durchschnittlichen Größe der Einzelkapitale bestand, hat 
durch den erreichten gewaltigen Akkumulationsgrad ihre 
Bedeutung verloren. Die Freiheit des Architekten wird 
nicht nur durch der gewachsenen Dimension der Bauauf- 
gaben entsprechende Mammut-Büros zunichte gemacht, 
in denen dem Chef, der seine Freiheit retten konnte, ein 
Heer von lohnabhängigen Architekten untergeordnet ist. 
Ebenso subsummieren sich die konzentrierten Einzelkapi- 
tale den Architekten direkt: nicht wenige Konzerne be- 
sitzen eigene Planungsabteilungen für ihre Bauaufgaben, 
in denen lohnabhängige Architekten arbeiten. 
Diese Entwicklung wird ebenfalls Anlaß für eine starke 
Konzentration in der Bauwirtschaft werden. Der kapitali- 
stische Bauunternehmer wird nur noch ausnahmsweise 
auf Bestellung für Privatpersonen bauen — das Schwerge- 
wicht seiner Tätigkeit verlegt sich auf die Bebauung ganzeı 
Areale. Dies wird wiederum eine weitere Konzentration 
und Industrielisierung der Bauproduktion erzwingen, in 
der die Architektentätigkeit in ihrer bisherigen Komplexi- 
tät weiter aufgelöst wird, wobei sicherlich beim Bauunter- 
nehmen angestellte, technisch qualifizierte Lohnarbeiter 
Teile der bisherigen Funktionen des Architekten überneh- 
men werden. 
Die großflächigen planerischen Aufgaben von Stadtsanierung 
und -entwicklung verlangen nicht nur eine gewisse quantita- 
tive Kapazität des Planungsbüros. Ihren grundlegenden Unter- 
schied zur traditionellen Planung macht der qualitative 
Sprung aus, den die neue Größenordnung als Ausdruck der 
Verflechtung von räumlicher Struktur und ökonomischer 
Entwicklung bedingt. Mit dem Schlagwort „Verwissenschaft- 
lichung der Planung“ wird diese neue Qualität abgegrenzt 
gegen das intuitive Entwurfsverfahren, in dem der Architekt, 
sich einfühlend in die Bedürfnisse der Nutzer, sich selbst zum 
wahren Katalysator erklärt und damit seine eigenen klassen- 
spezifischen Maximen unhinterfragt der Gesellschaft als 
Maßstab anlegt und ihr ein entsprechendes Gehäuse anpaßt. 
Dieses Verfahren konnte brauchbare Ergebnisse erbringen 
solange die mittelständischen Normen nicht kollidierten mit 
den Erfordernissen eines maximalen wirtschaftlichen Wachs- 
tums und den damit nötigen Verhaltensstrukturen, Sozial- 
strukturen und Raumstrukturen. In dem Maße aber, in dem 
räumliche Zuordnung — sowohl übergeordneter als auch 
kleinster Strukturen — als eigener Wachstumsfaktor der 
Wirtschaft Bedeutung erlangt, müssen die in die Entschei- 
dung einfliessenden verschiedenen Aspekte (technische, 
ökonomische, soziale, psychologische) im methodischen 
Zusammenhang der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin
	        

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