Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

behandelt werden, um dadurch im Gesamtzusammenhang 
der Planung kalkulierbar zu werden. 
Nicht mehr die Empirie von Jahrzehnten kann als Korrek- 
tiv fungieren, wie im Städtebau vergangener Generationen, 
da Planungsfehler in ihren weitreichenden wirtschaftlichen 
Folgen zu kostspielig werden. Die Korrektive müssen viel- 
mehr in den Planungsprozeß selbst eingebaut werden. Der 
Planungsprozeß der heute relevanten komplexen Bauauf- 
gaben schließt daher die Kooperation mit anderen Diszipli- 
nen mit ein. Dies ist neben der rein quantitativen Erweite- 
rung der Planungskapazität der zweite Faktor, der bestim- 
mend ist für Veränderung der traditionellen Architekten- 
tätigkeit. Ebenso wie die Planungsaufgabe nicht in einer 
simplen Addition traditioneller Bauobjekte besteht, sondern 
in der Durchdringung und Wechselbeziehung einer Vielzahl 
verschiedener Funktionen; kann sie nicht mit einer simplen 
Addition von gleichausgebildeten Arbeitskräften angegangen 
werden, sondern erfordert einmal Differenzierung und 
Spezialisierung auf den verschiedenen Ebenen sowie zum 
anderen kooperatives Zusammenwirken der Spezialisten. 
Eine Ausbildung dieser differenzierten Fachkräfte, in die 
der alte all-round-Architekt zerfällt, muß zwei Voraus- 
setzungen haben: 
sich im Arbeitsprozeß differenzierenden Tätigkeiten 
des ehemaligen Architekten entsprechen, wie auch 
den sich abzeichnenden gesellschaftlichen Entwick- 
lungstendenzen, die über die kapitalistische Produk- 
tionsweise hinausweisen. 
Ausbildung münden, die sowohl der sich im Arbeitspro- 
zeß differenzierenden Tätigkeiten des ehemaligen Archi- 
tekten entsprechen, wie auch den sich abzeichnenden 
gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen, die über die 
kapitalistische Produktionsweise hinausweisen. 
| Eine Einschätzung der Arbeitsteiligkeit, in die die alte 
Architektenfunktion zergliedert wird, und der Anforde- 
rungen der transdisziplinären Kooperation, setzt voraus 
eine genaue wissenschaftliche Analyse der Bauproduktion 
im Zusammenhang mit der nationalen Konzentrations- 
bewegung der industriellen und merkantilen Kapitale im 
Zusammenhang der Entfaltung des Weltmarkts, sowie 
der direkten oder indirekten staatlichen Einflußnahme 
auf die Bautätigkeit und ihrer Funktion als struktur- 
politisches und konjunkturpolitisches Steuerungsinstru- 
ment. In einem weiteren Schritt müßte dann aufgrund 
einer solchen Analyse der ökonomischen Bewegung die 
Rückwirkung auf den Arbeitsprozeß in der Bauproduktion 
in ihren verschiedenen Sektoren untersucht werden. 
Eine derartige Analyse wäre aber nicht ausreichend zur 
inhaltlichen Bestimmung von Ausbildungszweigen, in 
die sich der Architekt differenziert. Denn sie wäre direkt 
abgestimmt auf die gegenwärtigen Tendenzen in ihrer 
ganzen Widersprüchlichkeit, und ihre Verlängerung würde 
die Multiplikation der angelegten Widersprüche bedeuten. 
Umweltverseuchung, Verkehrsverstopfung, überfüllte 
Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, sind ihre zur 
Genüge bekannten Erscheinungsformen. Sie zeigen: 
Die mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Produk- 
tivkraft der Arbeit unter kapitalistischen Produktionsver- 
hältnissen verbundene Vergesellschaftung der Produktion 
spitzt den Widerspruch zur privaten Aneignung des ge- 
sellschaftlich produzierten Reichtums unerträglich zu. 
Gerade in den gesellschaftlichen Bereichen, in die die 
Arbeitsfelder der Architekten fallen, wie Städtebau, 
bricht dieser Widerspruch exemplarisch durch. Die 
Generalabrechnung mit dem Architektenberuf muß 
deshalb auf der Grundlage einer Analyse der gesell- 
schaftlichen Entwicklungstendenzen im Allgemeinen 
und der Bauproduktion im Besonderen in eine Be- 
stimmung der Ausbildung münden. die sowohl den 
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