Volltext : ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

TEEN N EEE

Autorenkollektiv des Fachbereichs 12
(Verkehrswesen) der TU Berlin

DIE HERAUSBILDUNG DES
ARBEITSKRAEFTETRANSPORTS

Der folgende Text ist aus der Arbeit einer Untergruppe
„Personenverkehr“ im Rahmen der Lehrveranstaltung
„Verkehrswesenseminar‘‘ im Fachbereich 12 (Verkehrs
wesen) der Technischen Universität Berlin im Sommersemester
 1971 entstanden. Er wurde von einem Architekten,
 einem Soziologen und einem Stadt- und Regionalplaner
 verfaßt. Die Arbeit der Untergruppe hatte
drei Schwerpunkte: Zunächst werden einige politökonomische
 Kategorien des Personentransports aufgearbeitet
 (Teil A); mit diesem Instrumentarium werden
die verschiedenen historischen Phasen des Personentransports
 auf dem Hintergrund der Entwicklung der
kapitalistischen Stadt dargestellt (Teil B). Auf diesen
Ergebnissen aufbauend wird dann aufgezeigt, wie die
Vorschläge zur Lösung der derzeitigen Krise am Personenverkehr
 in Ballungsräumen zu beurteilen
sind (Teil C).

A.ZUR POLITISCHEN ÖKONOMIE DES
ARBEITSKRÄFTETRANSPORTES

1. Einleitung

GLIEDERUNG:

A. Zur Politischen Ökonomie des Arbeitskräftetransports

1. Einleitung
2. „Transportgut” Arbeitskraft
3. Geringe Kosten für den Transport der Ware
Arbeitskraft
4. Maximaler Gebrauchswert der Arbeitskraft
5. Maximales Angebot der Arbeitskraft
B. Die Herausbildung des Arbeitskräftetransports
1. Einleitung
2. Vorindustrielle Städte und Verkehrserzeugung
3. Kapitalistische Stadt und Verkehrserzeugung
C. Widersprüche der stofflichen und wertmäßigen
Warenzirkulation der Innenstädte

Bevor im Teil 3 die verschiedenen Phasen des Personennahverkehrs
 der kapitalistischen Stadt dargestellt werden, soll
einleitend erläutert werden, wie wir den politökonomischen
Begriff „Ware Arbeitskraft‘‘ im Hinblick auf die Entwicklung
 des städtischen Personennahverkehrs rezipiert haben.
Um dem Vorwurf zu entgehen, diese sei eine spezifisch
eingeengte Betrachtungsweise, werden jeweils Äußerungen
aktueller Autoren angeführt, mit denen nachgewiesen werden
 soll, daß der etablierten bürgerlichen Wissenschaft diese
 Anschauungsweise durchaus nicht fremd ist. Zwar spricht
die bürgerliche Ökonomie nicht von der „Ware Arbeitskraft‘,
 ihre Behandlung des Themas geht jedoch mehr oder
weniger bewußt von diesem Tatbestand aus, was übrigens
auch in der herrschenden ökonomischen Theorie von den
drei „gleichberechtigten‘‘ Produktionsfaktoren Boden, Kapital
 und Arbeit deutlich wird. In dieser Theorie hört jedoch
 der Warencharakter des Menschen oder der menschlichen
 Arbeitskraft (respektive der Faktorcharakter der
menschlichen Arbeit) außerhalb des Betriebes auf. Es beginnt
 das Reich der individuellen Freiheit, das für den einzelnen
 gleichbedeutend mit Konsumfreiheit ist. Aus dem
Warencharakter der menschlichen Arbeitskraft die Formen
 des Personennahverkehrs klären zu wollen, wäre von
dieser Betrachtungsweise her also sinnlos. Sicherlich ist
der Konsum von Personennahverkehrsleistungen für den
einzelnen in der Produktion Tätigen individueller Konsum
— im Gegensatz zum produktiven Konsum, in dem er
selbst in der Produktion verbraucht, konsumiert wird.
            
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