Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

nisation der baulichen Umwelt erfolgen kann, daß vielmehr 
beide Organisationen in wechselseitiger Abhängigkeit von- 
einander entwickelt werden müssen, also eine enge Koope- 
ration zwischen dem Bereich der Praxisplanung und dem 
Bereich der Nutzungsplanung erforderlich ist — während 
eine Zusammenfassung der beiden Bereiche nicht sinnvoll 
ist. Die Tätigkeitsorganisation muß einerseits im Zusam- 
menhang mit der Strategie der Veränderung der Welt ent- 
wickelt werden, damit nämlich dafür gesorgt werden kann, 
daß sie den bezüglich der Tätigkeiten gestellten Funktiona- 
litätsforderungen genügt; sie kann andererseits nicht ohne 
Erwägung der verschiedenen Möglichkeiten der Organisa- 
tion der baulichen Umwelt festgelegt werden, da anders der 
Funktionalitätsforderung bezüglich der baulichen Umwelt 
nicht optimal genüge geleistet werden kann: Es sind die in 
der Vorstellung mehr oder weniger unorganisiert vorhande- 
nen oder unreflektiert organisierten Komplexe der Tätig- 
keiten und der baulichen Umwelt so zu organisieren, daß 
die beiden Organisationen einander zugeordnet werden 
können auf der Grundlage ihrer gegenseitigen Eignung 27), 
d. h. der gegenseitigen Eignung der korrespondierenden 
Elemente der beiden Organisationen, also der durch die Zu- 
ordnung entstehenden Kopplungen von Tätigkeitseinheiten 
bzw. Tätigkeitsgängen und Einheiten der baulichen Um- 
welt, sowie der gegenseitigen Eignung einzelner struktu- 
reller Momente der einen oder anderen Organisation und 
der Gesamtorganisation. (Mit dem Terminus ‚Tätigkeits- 
gang’ bezeichne ich eine Folge von Tätigkeitseinheiten 
(z. B. die Tätigkeitseinheiten, die zu einem Kurs gehören) 
welche die gleiche(n) Tätigkeitsform(en) haben und der- 
selben Einheit der baulichen Umwelt oder verschiedenen 
Einheiten desselben Typs zugeordnet werden können.) 28) 
Eine Zusammenfassung der beiden Planungsbereiche ist 
ra 
Zum Begriff der Eignung siehe auch Alexander, C.: Notes on 
the Synthesis of Form, Harvard University Press, 1964, 
S. 15 ff..Barker und Wright verwenden zur Charakterisierung 
der Beziehung zwischen „Verhaltensmustern”” und dem 
„nichtpsychologischen Milieu’”” neben dem Terminus „Eig- 
nung” („fittingness””) auch den Terminus „Synomorphie” 
(„sy nomorphism’”). Wenn auch gegen diesen Terminus, ver- 
wendet etwa im Sinn von: in der Gestalt zusammenpassend 
oder zusammenwirkend, nichts einzuwenden ist, so doch 
gegen Barker’s und Wright’s Definition, zumal, wenn man 
bedenkt, daß ihr Begriff des Milieus nicht nur die nicht- 
menschliche, sondern auch die gesellschaftliche Umwelt 
einschließt: „Das Adjektiv synomorph bedeutet: von ähn- 
licher Struktur (Gestalt, Form) . . . Das Kriterium der Syno 
morphie liegt im Bereich des Wahrnehmbaren; sie wird un- 
mittelbar gesehen.” Barker, R. G., Wright, H. F.: Midwest 
and its Children, Row Peterson, Evanston, Illinois, 1954, 
S. 46. Zum relativen Charakter des Begriffs der Eignung 
bzw. Nichteignung siehe Teil II. 
Vgl. den Begriff des Arbeitsgangs (Ökonomisches Lexikon, 
a.a.O.: „selbständiger Teil des technologischen Prozesses, 
der aus allen technologisch unmittelbar aufeinander folgenden 
Arbeiten besteht, die an ein und demselben Arbeitsgegen- 
stand an einem Arbeitsplatz ausgeführt werden.‘‘ 
Diese wechselseitige Abhängigkeit der Entwicklung der 
beiden Organisationen muß Hannes Meyer im Blick ge- 
habt haben, als er schrieb: „bauen heißt die überlegte or- 
ganisation von lebensvorgängen / bauen als technischer 
vorgang ist daher nür ein teilprozeß . . .‘‘ Mever, H.: 
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deshalb nicht sinnvoll, weil für die beiden Bereiche sehr 
unterschiedliche Qualifikationen erforderlich sind, und 
zwar — weshalb eine Zusammenfassung besonders unöko- 
nomisch wäre — in asymmetrischer Weise, nämlich im 
Bereich der Praxisplanung betriebsartspezifisch, im Be- 
reich der Nutzungsplanung betriebsartübergreifend.29) 
Ungeachtet der wechselseitigen Abhängigkeit der Ent- 
wicklung der beiden Organisationen bleibt die Tätig- 
keitsorganisation in ihrem jeweiligen Entwicklungs- 
stand während des ganzen Prozesses der Nutzungspla- 
nung führende Größe — wie die Strategie der Verän- 
derung der Welt während des ganzen Prozesses der Praxis- 
planung. 
Die Forderung, daß die Entwicklung der beiden Orga- 
nisationen in wechselseitiger Abhängigkeit erfolgen 
soll, widerspricht nicht der Funktionalitätsforderung. 
Diese bezieht sich nämlich nicht wie jene auf den Pla- 
nungsprozeß, sondern auf das Ergebnis der Planung 
und Implementbildung, den Betriebsprozeß. Im Be- 
griff der funktionalen Beziehung ist impliziert die Dis- 
parität der beiden Seiten: Sie sind nicht vollständig 
aufeinander zurückführbar. Folglich ist die entsprechende 
Planung 30) nicht möglich als deduktiver Prozeß, sondern 
nur als Prozeß der Erzeugung von Varietät auf einer oder 
beiden der disparaten Seiten und ihrer Reduzierung unter 
dem Gesichtspunkt der Funktionalität der einen Seite im 
Bezug auf die andere. 31) 
Es können mehrere Phasen der Nutzungsplanung un- 
terschieden werden. Die Abgrenzung verschiedener 
Phasen ist in hohem Maß abhängig von der Art und 
bauen, 1928, in: Schnaidt, C.: Hannes Meyer, Verlag 
Gerd Hatje, 1965, S. 94 bis S. 96. 
Die nicht vollständige Zurückführbarkeit der funktional 
untergeordneten auf die übergeordnete Größe ist ein charak- 
teristisches Merkmal jeglicher Planungsaufgabe. Sie gilt z.B. 
auch für die Beziehung zwischen Programm und Plan. 
Von hier aus läßt sich ein Grundproblem der Theorie 
einer funktionalen Architektur angehen, nämlich die Be- 
ziehung zwischen der Funktionalität und dem Symbol- 
charakter der baulichen Umwelt. Zunächst einmal läßt 
sich zeigen, da® die Funktionalität der baulichen Umwelt 
nicht ausschließt, daß diese auch Symbolcharakter hat. 
Die Elemente und strukturellen Momente der Organisa- 
tion der baulichen Umwelt stammen aus einem Reper- 
toir, dessen Elemente sich — in im einzelnen kaum feststell- 
baren Schritten — geschichtlich entwickelt haben und 
deshalb nicht nur als Anzeichen, sondern auch als Symbole 
fungieren, d.h. beim Nutzer Vorstellungen hervorrufen und auf 
diese Weise die jeweils ablaufenden geistigen Prozesse beeinflussen. 
Die Unterscheidung zwischen Anzeichen und Symbol 
findet sich seit Peirce („Index”, „Icon”, „Symbol”’) 
bei verschiedenen Autoren. Der grundsätzliche „„struk- 
turelle’”” Unterschied ist wohl am deutlichsten herausge- 
arbeitet bei Langer, S. K.: Philosophie auf neuem 
Wege, S. Fischer Verlag, 1965, S. 61 ff..In einer strengen 
Theorie wird sich die Forderung der Funktionalität auch 
auf den Symbolcharakter der baulichen Umwelt beziehen. 
Aufgrund des geschichtlichen Vermitteltseins der Ele- 
mente und der strukturellen Momente der Organisation 
30) 
31)
	        

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