Volltext: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

Weise der Einbeziehung des die bau- bzw. fertigungs- 
technische Planung übernehmenden Architekten in 
den Planungsprozeß, Die im folgenden dargestellten 
Phasen beziehen sich auf Planungsfälle, bei denen 
diese Einbeziehung über einen Architekturwettbewerb 
erfolgt. 
In der ersten Phase, die der ersten Phase der Praxispla- 
nung folgt, gleichzeitig mit der zweiten Phase der Pra- 
xisplanung stattfindet und der ersten Phase der bau- 
bzw. fertigungstechnischen Planung vorausgeht, werden 
die Programme für die Tätigkeiten und die bauliche 
Umwelt, und, als Bindeglied zwischen diesen beiden 
Programmen, das Programm der Zuordnung von Tä- 
tigkeitseinheiten bzw. Tätigkeitsgängen und Einheiten 
der baulichen Umwelt bis zu einem solchen Detaillie- 
rungsgrad entwickelt, als ausreichend ist für die erste 
Phase der bau- bzw. fertigungstechnischen Planung. 
Falls eine enge Kooperation zwischen dem Bereich 
der Nutzungsplanung und dem Bereich der bau- bzw. 
fertigungstechnischen Planung in dieser Phase nicht zu- 
standekommen kann - womit!inach den Erfahrungen 
des Instituts dann zu rechnen ist, wenn zwischen die- 
ser Phase der Nutzungsplanung und der Auftragsertei- 
lung an den die bau- bzw. fertigungstechnische Planung 
übernehmenden Architekten ein Architekturwettbe- 
werb eingeschaltet wird — so ist unter einem Teil der 
im Programm der baulichen Umwelt enthaltenen An- 
forderungen eine Rangordnung aufzustellen, damit 
die Organisation der baulichen Umwelt nicht überde- 
terminiert ist, die Aufgabe der bau- bzw. fertigungs- 
technischen Planung vielmehr so bestimmt ist, daß 
nicht unbedingt alle, sondern der Rangordnung nach 
möglichst viele der Anforderungen zu erfüllen sind. 
Findet ein Architekturwettbewerb statt, so ergibt sich 
mit der Beurteilung der Wettbewerbsarbeiten eine zweite 
Phase der Nutzungsplanung. Diese Beurteilung gehört in- 
sofern in den Bereich der Nutzungsplanung als sie nicht 
nur unter dem Gesichtspunkt der Erfüllung des Pro- 
gramms, sondern — wegen der nicht vollständigen Zurück- 
führbarkeit des Plans auf das Programm — auch unter dem 
Gesichtspunkt der Funktionalität der baulichen Umwelt 
in Bezug auf die geplanten Tätigkeiten erfolgen muß. Die 
der baulichen Umwelt kann das Planungsergebnis zugleich 
funktional sein, wie auch symbolisch über die aktuelle 
Situation hinausweisen. Dadurch kann allerdings die Wi- 
dersprüchlichkeit der Forderung nach Funktionalität bei 
widersprüchlichen gesellschaftlichen Verhältnissen, die 
darin besteht, daß ‚etwas zugleich funktional und dysfunk- 
tional sein kann, je nachdem, wie die Bezugsgröße gewählt 
wird (vgl. Adorno, T. W.: Funktonalismus heute, Neue 
Rundschau, 77. Jg., 4. Heft, 1966), nicht aufgehoben, 
allenfalls symbolisch zum Ausdruck gebracht werden 
— falls sich so etwas baulich überhaupt symbolisieren 
läßt. Was nun den Umstand betrifft, daß die Versuche 
einer funktionalen Architektur, selbst wenn man von 
dieser Widersprüchlichkeit absieht, in so hohem Maß zu 
unbefriedigenden Ergebnissen geführt haben, so liegt dies 
nicht, wie manche Kritiker unterstellen, daran, daß di e 
bauliche Umwelt eines Symbolgehalts ermangelte, son- 
dern resultiert daraus. daß über das Aufbrechen der tra- 
verschiedenen Pläne implizieren sozusagen unterschied- 
liche Spezifizierungen und Detaillierungen des ursprüng- 
lichen Programms, von denen eine auszuwählen ist eben 
über die Beurteilung unter dem Gesichtspunkt der Funk- 
tionalität. 
Als dritte Phase ergibt sich eine Kontrolle bzw. entspre- 
chende Beratung einerseits der tätigkeitstechnischen, 
andererseits der bau- bzw. fertigungstechnischen Planung 
bei der (weiteren) Entwicklung bzw. Detaillierung der 
Pläne. 
Vor Inbetriebnahme der Betriebsstätte ergibt sich als 
vierte Phase die Detaillierung der Zuordnung von Tätig- 
keitseinheiten bzw. Tätigkeitsgängen und Einheiten der 
baulichen Umwelt, die zunächst in pauschaler Weise, näm- 
lich nach Typen von Einheiten der baulichen Umwelt und 
— bei der Schulplanung — nach der jeweiligen Wochenstun: 
denzahl (Stundentafel), vorgenommen wurde, für jede ein- 
zelne Einheit der baulichen Umwelt und jede einzelne Tä- 
tigkeitseinheit — bei der Schulplanung in Form des Stun- 
denplans und des ‚Raumbelegungsplans’ 
Während der gesamten Nutzungsdauer schließlich sind 
weitere Phasen der Nutzungsplanung erforderlich, in de- 
nen sowohl die Tätigkeiten bzw. die Tätigkeitsorganisa- 
tion als auch die bauliche Umwelt bzw. die Organisation 
der baulichen Umwelt im Rahmen ihrer jeweiligen Verän- 
derbarkeit, sowie schließlich die Zuordnung von Tätig- 
keitseinheiten und Einheiten der baulichen Umwelt et- 
waigen inzwischen aufgetretenen neuen Erfordernissen 
angepaßt werden. 
Nachdem ich die Konzeption der Nutzungsplanung darge- 
stellt habe, möchte ich kurz auf den ursprünglichen Pla- 
nungsansatz des Instituts sowie auf einen englischen Pla- 
nungsansatz, der bei der Entwicklung des ersteren Pate ge- 
standen hat, eingehen, um das Charakteristische der Nut- 
zungsplanung vor diesem Hintergrund deutlicher werden 
zu lassen. 
Von Anfang an wurde das Arbeitsgebiet des Instituts in 
der Erstellung des Programms der baulichen Umwelt. der 
ditionellen Gestaltkanons das tatsächliche Erreichen der 
Funktionalität nicht mehr, wenigstens bis zu einem ge- 
wissen Grad, durch die Tradition gewährleistet ist, son- 
dern vom jeweiligen Architektenverstand abhängig 
wird, Dies hat zur Folge, daß viele Elemente oder struk- 
turelle Momente der Organisation der baulichen Um- 
welt, die im Rahmen traditioneller Gestaltkanons sich 
über große Zeiträume als funktionale herauskristalli- 
siert haben, deren Funktionalität aber nicht rational er- 
faßt werden konnte, aufgegeben und durch in mancher 
Hinsicht weniger funktionale ersetzt bzw. aus dem Zu- 
sammenhang gerissen und dysfunktional angewandt 
werden. Eine funktionale Architektur setzt die ratio- 
nale Durchdringung der Funktion der verschiedenen 
Elemente und strukturellen Momente der Organisation 
der baulichen Umwelt voraus. Diese rationale Durch- 
dringung ist es, was dem Nutzungsstudium (s. u.) als 
Aufgabe gestellt ist 
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