Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

lung der gesamten Nutzungssituation erfolgen muß. Ich 
nenne die einzelnen Merkmalsausprägungen, die in ihrer 
Kombination dem 2. ‚Gossen’schen Gesetz’ genügen, 
relativ optimale Merkmalsausprägungen — sie sind optimal 
jeweils in Bezug auf die übrigen Merkmalsausprägungen. 
Ist also Nicht-Eignung hypostasiert, d.h. eine Hypothese 
aufgestellt, die beinhaltet, daß eine bestimmte Merk- 
malsausprägung weit entfernt von der relativ optimalen 
ist, so ist eine Situation zu suchen bzw. durch Verände- 
rung der ersten herzustellen, die sich bezüglich dieses 
einen Merkmals und möglichst nur bezüglich dieses ei- 
nen Merkmals von der ersten Situation positiv unterschei- 
det, und es ist die Nutzung in dieser Situation wiederum 
zu studieren. In dieser Weise fortfahrend ist zu versuchen. 
Verbesserungen zu erzielen, bis eine zufriedenstellende, 
eine relativ optimale Nutzungssituation gefunden ist.57) 
Da die Untersuchungssituationen nur in sehr beschränk- 
tem Maße manipulierbar sind,58) ist es notwendig, ver- 
schiedene, nebeneinander bestehende, ähnlich Situatio- 
nen aufzusuchen. Die Einbeziehung von Vergleichsob- 
jekten muß bei der Felduntersuchung die bei der Labor- 
untersuchung vorhandene Manipulierbarkeit des Objekts 
ersetzen. 
Die Anwendung der Methode der vergleichenden Untersu- 
chung läßt sich nicht nur heuristisch, sondern auch ‚bewer: 
tungstechnisch‘ begründen: Der Be- 
griff der Eignung bzw. Nichteignung erweist sich, soll 
er in der Praxis überhaupt eine Funktion haben, als ein 
relativer.59) D.h., daß die Erwartungen bezüglich des 
Untersuchungsobiekts nur in qualitativer. nicht auch 
57) Die Optimierung folgt nicht der Einschrittmethode sondern 
der Mehrschrittmethode (vgl. Feldtkeller, C.: Zur Theorie 
der Praxis, a.a.O.). Die Einschrittmethode bestünde, bezogen 
auf das Konzept der Merkmalsbildung und der Variation 
bestimmter Merkmalsausprägungen, darin, daß zunächst die 
Untersuchungssituation mit Hilfe der Merkmalsbildung ana- 
lysiert und für die einzelnen Merkmale jeweils ein Katalog 
von alternativen Merkmalsausprägungen entwickelt. würde, 
um anschließend aus der Gesamtmenge der nach den Ge- 
setzen der Kombinatorik sich ergebenden Kombinationen 
aus je gerade einer Ausprägung jeden Merkmals eine Kom- 
bination auszuwählen. Die Auswahl unter diesen Kombina- 
tionen erforderte eine Bewertung aller dieser Kombinationen 
Diese könnte aber infolge der Interdependenz der Merkmale 
hinsichtlich der jeweiligen Grenznutzen nicht erfolgen über 
die Aufstellung von Grenznutzenfunktionen, das Vorneh- 
men von Gewichtungen für die einzelnen Merkmale und 
die anschliessende rechnerische Ermittlung der einzelnen 
Werte für die Kombinationen, sondern nur, indem jede 
einzelne Kombination im gegenseitigen Vergleich mit 
allen anderen Kombinationen beurteilt würde. Ein solches 
Vorgehen ist bei der großen Anzahl der Kombinationen, 
die sich schon bei einer relativ geringen Anzahl von Merk- 
malen bzw. Merkmalsausprägungen ergeben, praktisch 
nicht durchführbar (vgl. Ashby, R.: Introdoctory Remarks 
at Panel Discussion, ın: Views on General Systems Theory, 
2nd Systems Symposium Proceedings, Case Institute ed., 
Wiley, 1964). Außerdem ist, da nicht gewährleistet ist, 
daß bei der Analyse die Situation in ihren wesentlichen 
Aspekten erfaßt wurde, auch nicht gewährleistet, daß die 
Menge der gebildeten Kombinationen die optimale Kombi: 
in quantitativer Hinsicht festgelegt sind, und daß zur 
Ermittlung der tatsächlichen (quantitativen) Werte inner- 
halb der (qualitativ) festgelegten oder festzulegenden Di- 
mension keine Maße zur Verfügung stehen.60) Die Funk: 
tionalität des Untersuchungsobjekts kann also nicht ge- 
messen, muß vielmehr beurteilt werden. Hier bieten ver- 
gleichende Untersuchungen, Vorteile gegenüber Einzelun- 
tersuchungen. Bei der vergleichenden Untersuchung, bei 
welcher zwei oder mehrere Situationen, die sich in min- 
destens einem und möglichst nicht mehr als einem Merk- 
mal unterscheiden, verglichen werden, ist es möglich, un- 
ter den verglichenen Situationen in Bezug auf eine be- 
stimmte Erwartung eine Rangordnung herzustellen. Bei 
der Einzeluntersuchung, bei der im hier diskutierten Fall, 
also bei Fehlen entsprechender Maße, das Untersuchungs- 
objekt vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrung, welche 
sozusagen als ein Komplex von Vergleichssituationen 
fungiert, beurteilt werden muß, erscheint, wenn dieser 
Hintergrund nicht expliziert wird — 
womit die Einzeluntersuchung in die vergleichende Unter- 
suchung überginge — das Urteil willkürlich. Es bekommt, 
sobald es nicht mehr vor diesem Hintergrund gesehen wird, 
absolutistischen Charakter. Es hat darüberhinaus mehr 
oder minder illusionistischen oder reaktionären Charakter, 
wo dieser Hintergrund nicht konkrete Alternativen ent- 
hält bzw. die Alternativen nicht dem Stand der Produktiv- 
kräfte entsprechen. 
Die Vergleichssituationen können in ein und derselben 
Schule, gleichzeitig oder nacheinander, oder in verschiede- 
nen Schulen gesucht werden. Im Hinblick auf die Notwen- 
digkeit der Verallgemeinerung der jeweiligen Untersuchungs- 
ergebnisse ist beides geraten, nicht nur. weil überhaupt 
nation überhaupt enthält. Die Mehrschrittmethode besteht 
in iterativen Phasen der (beschränkten) Analyse und der 
Modifikation (jeweils einer beschränkten Anzahl) von 
Merkmalsausprägungen. Sie unterliegt bei gleichen Erhe- 
bungsmethoden demselben Risiko bezüglich der Erfassung 
der wesentlichen Aspekte, enthält aber neben dem for- 
schungsökonomischen Vorteil die Chance der Korrektur. 
Vergleiche auch die Darstellung der logischen Struktur des 
Forschungsprozesses im Exkurs am Schluß von Teil IL 
58) 
Hier ist insbesondere das Lehrerverhalten zu erwähnen, das 
im Vergleich mit anderen Größen von sehr großem Einfluß 
ist auf die Störanfälligkeit der Tätigkeiten. Es müßte gelin- 
gen, das Lehrerverhalten anhand geeigneter Merkmale zu 
Charakterisieren und ebenfalls bei der Beschreibung der Tätig: 
keitsform aufzunehmen 
59) 
Ich spreche also von der Eignung als einem im Hinblick auf 
die verfügbaren Mittel befriedigenden Zustand, von der Nicht 
eignung als einem unbefriedigenden Zustand. Unbefriedigend 
im Hinblick auf die verfügbaren Mittel erscheint ein Zustand 
dann, wenn in dem (unbefriedigenden) Zustand aufgrund der 
sinnlichen oder der rationalen Erfahrung eine Konzeption 
gebildet wird über einen alternativen Zustand, der für befriedi- 
gender gehalten wird und der mit den verfügbaren Mitteln her- 
stellbar ist 
60) 
Damit ist nicht gemeint, daß eine Quantifizierung der Erwar- 
tungen und eine Vereinbarung entsprechender Maße prinzipiell 
unmöglich wäre, vielmehr, daß dies im Rahmen unmittelbar 
planungsbezogener Untersuchungen nie bezüglich aller Erwar- 
tungen geleistet werden kann. 
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