Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

und ihrer Ergebnisse. Dieser soll aus dem der Forschung 
zugrundeliegenden Subjekt-Objekt-Verhältnis 70) abge- 
leitet werden. 
Die Konklusionen beziehen sich jeweils nicht unmittelbar 
auf die Realität, sondern auf die in den Prämissen genann- 
ten Momente der Realität. Diese Prämissen werden gewon- 
nen durch die Bildung von Konzeptionen über der Realität 
und Repräsentation dieser Konzeptionen in Modellen. Die 
Konzeptionsbildung erfolgt durch ein Subjekt, und zwar 
im Rahmen (als Moment) der Praxis dieses Subjekts. Sie 
impliziert eine Abstraktion gegenüber der Totalität der 
Realität, wodurch eben jene Momente von ihr erfaßt wer- 
den, die von Bedeutung sind bzw. zu sein scheinen für diese 
Praxis. Diese Praxis ist nun aber nicht nur eine menschliche 
schlechthin, wie der Idealismus die Sache darstellt, 71) son- 
dern immer auch eine klassen- bzw. personenspezifische. Es 
sind die konkreten, für die verschiedenen Klassen und Per- 
sonen jeweils unterschiedlichen gesellschaftlich-geschicht- 
lichen Lebensbedingungen und die daraus resultierenden 
Probleme, wodurch die Konzeptionsbildung von Anfang an 
gelenkt und wodurch die Art der Abstraktion bestimmt 
wird. Insofern, als die Konzeptionsbildung ein Moment der 
Praxis und damit klassen- und personenspezifisch ist, die 
70) Hierzu vgl. auch Feldtkeller, C.: Zur Theorie der Praxis, 
a.a.0. -. 
px 
Ein anderer Versuch des Idealismus, mit diesem Problem, 
also der Abhängigkeit der Konzeptionsbildung von der je- 
weiligen Praxis und der Praxis von der Konzeptionsbildung 
zurechtzukommen, besteht darin, die Konzeptionsbildung 
und die Implementbildung als ‚Vor‘- bzw. ‚Nachwissenschaft‘ 
auszuklammern, wodurch allerdings für die ‚eigentliche 
Wissenschaft‘ nichts anderes übrig bleibt als die logischen, 
und zwar, genau genommen, nur die deduktiven Schluß- 
folgerungen. 
Praxis aber eine gesellschaftliche ist, also Auswirkungen hat 
für die Gesellschaft insgesamt, insofern kann man sagen, 
daß die Konzeptionsbildung von Anfang an normativen 
Charakter hat. 7/2) 
Als Konsequenz für zukünftige Planungen ergibt sich aus 
der wissenschaftstheoretischen Charakterisierung des 
Nutzungsstudiums: Dann und nur dann ist vernünftiger- 
weise von ihren Ergebnissen auszugehen, wenn eine Iden- 
tifikation mit den in die Untersuchung eingegangenen 
normativen Setzungen möglich ist, und wenn keine wi- 
dersprechenden Untersuchungsergebnisse von einer aus- 
führlicheren Untersuchung vorliegen, bzw. wenn aufgrund 
der eigenen Erfahrung gegenüber den Untersuchungsergeb- 
nissen nicht so große Skepsis angemeldet wird, daß die 
Entscheidung aufgeschoben wird, bis das Ergebnis einer 
umfassenderen Untersuchung vorliegt. 
Weiterhin ergibt sich, daß sich das Nutzungsstudium, was 
die Modalität und den normativen Charakter der Unter- 
suchungsergebnisse betrifft, nicht grundsätzlich, sondern 
nur zraduell von anderen Forschungen unterscheidet 
77) 
A 
Zu trennen ist hiervon die Frage nach der jeweiligen 
Adäquatheit der Konzeption. Die Praxis tendiert auf- 
grund ihres gesellschaftlichen Charakters sowie des Um- 
stands, daß sie die Auseinandersetzung mit der Natur 
einschließt, dazu, Inadäquatheiten der Konzeption bezüg- 
lich der Praxis, die sich gerade aufgrund des klassen- bzw. 
personenspezifischen Charakters der Praxis immer wieder 
ergeben, immer wieder zu überwinden, so daß sie über 
die Akkumulation der Erfahrung zu insgesamt immer 
adäquateren Konzeptionen führt. Damit 1äßt sich allerdings 
die Dichotomie zwischen Subjekt und Objekt oder zwischen 
der Konzeption und der Realität nicht aufheben.
	        

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