Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

kraten, d, Verf.) nur im Interesse des in einen Kapitalisten 
verwandelten und auf bloße Bereicherung bedachten 
Grundeigentümers statt.’ 32) 
wo er versucht, die „Innere Physiologie”” der bürgerlichen 
Gesellschaft zu analysieren, hält er fest an der Bestim- 
mung des Tauschwertes der Waren durch das in ihnen 
enthaltene Quantum Arbeit. 
So führte die Verdolmetschung des feudalen Grundeigen- 
tums in bürgerliche Begrifflichkeit und seine damit ver- 
bundene Rechtfertigung im konkreten Fall der Physio- 
kraten geradewegs zur ehrenvollen Aufgabe für die Grund- 
eigentümer, gemäß ihrer einzigartigen Stellung im Gefüge 
der Gesellschaft sowie ihrer Avantgardeposition im En- 
semble der Schöpfer des gesellschaftlichen Reichtums auch 
dementsprechende finanzielle Lasten auf sich zu nehmen: 
„Die Verherrlichung des Grundeigentums schlägt prak- 
tisch darin um, daß die Steuern ausschließlich auf die 
Grundrente zu legen — virtuelle Konfiskation des Grund- 
eigentums durch den Staat, ganz wie bei dem radikalen 
Teil der Ricardians. Die Französische Revolution, trotz des 
Einspruchs Roederers und anderer, nahm diese Steuer- 
theorie an.” 33) 
„Man sieht den großen Fortschritt, den A. Smith in der 
Analyse des Mehrwerts und daher des Kapitals über die 
Physiokraten hinaus gemacht hat. Bei ihnen ist es nur 
eine bestimmte Art realer Arbeit — die Agrikulturarbeit —, 
welche Mehrwert schafft. ( . . .) Bei A. Smith ist es die 
allgemein gesellschaftliche Arbeit, (...) die bloße Quan- 
tität notwendiger Arbeit, die den Wert schafft. Der Mehr- 
wert, erscheinend in der Form von Profit, Grundrente 
oder der sekundären Form des Zinses, ist nichts als ein 
Teil dieser Arbeit, den sich die Eigentümer der gegen- 
ständlichen Bedingungen der Arbeit im Austausch mit 
der lebendigen Arbeit aneignen. Bei den Physiokraten 
erscheint der Mehrwert daher auch nur in der Form der 
Grundrente. Bei A. Smith sind Grundrente, Profit und 
Zins verschiedene Formen des Mehrwerts.” 35) 
II. ADAM SMITH (1723 - 1790) 
Smith setzt die Tradition der Physiokraten fort in Bezug 
auf deren wichtigste Grundeinsichten, nämlich erstens die 
Auffassung von der Ökonomie als einem selbstlaufenden, 
vom Bewußtsein der Menschen unabhängigen Mechanis- 
mus, zweitens die Verlegung des Ursprungs des Mehrwerts 
in die Sphäre der Produktion. 
Gegenüber den Physiokraten verstärkt Smith die Betonung 
der Selbstgesetzlichkeit des ökonomischen Mechanismus. 
Er erklärt das Prinzip der freien und unbehinderten Kon- 
kurrenz zum natürlichen Grundprinzip der menschlichen 
Gesellschaft überhaupt. Dadurch, daß die jeweiligen Einzel- 
nen ihr individuelles, egoistisches Sonderinteresse verfolgen. 
vollzieht sich nach Smith am besten das Wohl der gesam- 
ten Gesellschaft. 
In der Frage des Ursprungs des Mehrwerts geht Smith in 
entscheidender Weise über die Theorie der Physiokraten 
hinaus. Während diese eine bestimmte Form konkreter 
Arbeit, nämlich die Agrikulturarbeit, als allein mehrwert- 
produzierende Arbeit auffaßten, die Erde selbst als 
Quelle des Mehrwerts begriffen, da sie durch ihre Frucht- 
barkeit einen „Überschuß der produzierten Materie über 
die konsumierte Materie” bereitstellt, entdeckt Smith die 
Mehrwertproduktion auf allen Gebieten der Produktion 
und entschlüsselt als Quelle des Mehrwerts „die allgemein 
gesellschaftliche Arbeit, ganz EST in welchen Ge- 
brauchswerten sie sich darstellt.“ 34) Bei Smith also 
taucht zum ersten Mal die Arbeit als Substanz des Wertes 
auf. Zwar hält er diese Bestimmung im Laufe seiner Ein- 
zeluntersuchungen nicht durch, aber überall da, wo er den 
kapitalistischen Produktionsprozeß als ganzen untersucht. 
32) 2205.23. 
33) aa.0., 83.37. 
34)  a.a.0., 5.56 
„Sobald der Boden eines Landes durchweg Privateigen- 
tum geworden,” schreibt Smith, „lieben es die Grundbe- 
sitzer, wie andre Leute auch, zu ernten, wo sie nicht ge- 
sät, und fordern Rente selbst für die natürlichen Erzeug- 
nisse des Bodens . . . ” Der Arbeiter „... muß dem 
Grundbesitzer einen Anteil von dem abtreten, was seine 
Arbeit gesammelt oder produziert hat. Dieser Anteil, 
oder was dasselbe, der Preis dieses Anteils, macht die 
Bodenrente aus.” 36) Die Grundrente entstammt, und 
darin in nichts unterschieden vom Profit, dem Teil des 
Wertes der Waren, der vom Arbeiter produziert worden 
ist. ohne daß er einen Lohn dafür erhielte. 
Smith leitet also die verschiedenen Formen des Einkom- 
mens, Profit, Grundrente und Zins als diejenigen Formen 
ab, auf die sich der durch unbezahlte Arbeit geschaffene 
Wert verteilt. Damit ist de facto der Mehrwert als allge- 
meine Kategorie bestimmt, aber „dennoch hat er den 
Mehrwert als solchen nicht als eigene Kategorie geschie- 
den von den besonderen Formen, die er in Profit und 
Grundrente erhält.” 37) 
Auf der anderen Seite schimmern bei Smith immer wie- 
der physiokratische Elemente durch. Im Kapitel über 
„Different Employment of Capitals” schreibt Smith: 
Die Grundrente „kann angesehen werden als Produkt der 
Kräfte der Natur, deren Gebrauch der Grundbesitzer dem 
Pächter überläßt. ( . . . )Sie ist das Werk der Natur, welches 
übrigbleibt nach Abzug oder Ersatz alles dessen, was als 
Menschenwerk betrachtet werden kann. Sie ist selten weni- 
ger als ein Viertel und oft mehr als ein Drittel des Gesamt- 
produkts. Keine gleiche Menge produktiver Arbeit, ange- 
wandt in der Manufaktur, kann je eine so große Reproduk- 
tion bewirken. In der Manufaktur tut die Natur nichts, der 
35) a.a.0.,5S.56f. 
36) a.a.O., S. 53. 
37) a.a.0., 5.53.
	        

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