Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

Mensch alles . . . ” 38) 
So unverkennbar die Potenz der Natur als wertschöpfend 
der physiokratischen Theorie entnommen ist, so stellt sich 
auch in diesem Abschnitt der Schritt Smiths dar über die 
Physiokraten hinaus. War es bei jenen nur eine bestimmte 
Form der konkreten Arbeit, die Wert zu schaffen in der 
Lage war, und erschien darum aller Mehrwert nur in der 
Form der Grundrente, so dehnt Smith die Kategorie des 
Mehrwerts auf alle Bereiche der gesellschaftlichen Arbeits 
teilung aus. Die allgemeine gesellschaftliche Arbeit ist es, 
die Wert schafft. Solange Smith diese Bestimmung des 
Wertes durchhält, nennt er Grundrente, Profit und Zins 
Abzüge vom Produkt des Arbeiters beziehungsweise von 
dessen Wert. „Sobald der Boden Privateigentum gewor- 
den ist, verlangt der Grundbesitzer einen Anteil fast aller 
Produkte, die der Arbeiter darauf erzeugen oder einsam- 
meln kann. Seine Bodenrente macht den ersten Abzug 
vom Produkt der auf den Boden verwandten Arbeit aus.” 39) 
Aber es gehen bei Smith zwei verschiedene Arten des 
wissenschaftlichen Vorgehens durcheinander. Einmal 
fragt er nach dem inneren Zusammenhang der bürger- 
lichen Produktionsweise (die Resultate haben wir bisher 
betrachtet), zum anderen werden rein äußerlich die Ka- 
tegorien so aufgegriffen und behandelt, wie sie unmittel 
bar dem praktischen Verstand erscheinen, Marx nennt 
dies den „Widerspruch zwischen dem esoterischen und 
dem exoterischen Smith.” 
Die Auffassung des Verhältnisses zwischem dem Wert 
der Waren und den verschiedenen Einkommensrefor- 
men, die aus dieser zweiten Vorgehensweise resultiert, 
gipfelt in folgendem Satz: 
„Arbeitslohn, Profit und Rente sind die drei Urquel- 
len alles Einkommens sowohl wie allen Tausch 
werts. ” 40) Hier nun stellt Smith seine vorher bewie- 
sene wissenschaftliche Einsicht auf den Kopf und behaup- 
tet schlankweg, daß der Wert sich nicht auflöst in 
Profit, Lohn und Rente, sondern daß er sich vielmehr aus 
diesen drei Elementen konstituiert. Die Quelle, 
aus der diese Anschauung bei Smith stammt, ist offen- 
sichtlich: die alltägliche, praktische Erfahrung des Lebens 
in der bürgerlichen Gesellschaft zeigt, daß für den Kapital- 
besitzer in der Tat sein Kapital „Quelle von Wert” ist, 
schon allein in der Form des Zinses ihm kontinuierlich 
Frucht abwirft, scheinbar ganz von selbst aus ihm inne- 
wohnenden Kräften heraus. In dem Augenblick, in dem 
Smith diese empirisch „richtige” Beobachtung als solche 
nicht weiter hinterfragt und sogar noch in dem Satz zu- 
sammenfaßt, daß diese drei Einkommensarten „Quellen 
allen Tauschwerts” seien, verfällt er in die „exoterische 
Betrachtungsweise” und stellt damit genau die Nahtstellen 
her, an die die spätere Vulgärökonomie unmittelbar an- 
schließ... 
38) 2a.2.0., 8. 31. 
39) 2a.a.0., 5.55. 
40) a.a.0., 5. 65. 
Smith meint am Ende seiner Abhandlung über die Grund- 
rente, daß das Interesse der Grundeigentümer direkt und 
untrennbar mit dem Gesamtinteresse der Gesellschaft ver- 
bunden sei. Als Begründung führt er an, daß die Zunehme 
des Reichtums der Gesellschaft, jede Verbesserung des 
Zustandes der Gesellschaft direkt oder indirekt eine Stei- 
gerung der Grundrente zur Folge habe. Sie steige direkt, 
wenn durch Verbesserung der Ausnutzung des Bodens der 
Anteil des Grundeigentümers am Produkt sich zwangs- 
läufig erhöhe, und zwar sowohl relativ wie absolut. Indi- 
rekt werde die Grundrente erhöht einerseits durch Stei- 
gerung der Produktivität in der Manufaktur, die die Preise 
der Manufakturwaren senke, die der Grundeigentümer 
eintausche, andererseits durch Zunahme des gesellschaft- 
lichen Reichtums überhaupt, die Vermehrung der Bevöl- 
kerung und damit Steigerung der Nachfrage nach landwirt 
schaftlichen Produkten zur Folge habe. Was auch immer 
gut oder schlecht sei für die gesamte Gesellschaft, nütze 
oder schade den Grundeigentümern in gleicher Weise. 
Ill. DAVID RICARDO ( 1772 - 1823 ) 
Mit A. Smith ist bereits der Höhepunkt der wissenschaft- 
lichen politischen Ökonomie erreicht. Ricardo unterschei: 
det sich von Smith im wesentlichen dadurch, daß er das 
Smithsche Denken systematisiert, von offensichtlichen 
Widersprüchen und Unentschiedenheiten reinigt und sich 
darüber hinaus noch um eine logisch konsistente Darstel- 
lung bemüht, wenigstens was die ersten sechs Kapitel 
seines Hauptwerkes, „On the Principles of Political Eco- 
nomy and Taxation”, angeht. Die entscheidende Schwäche 
von Smith ist der ständige, unbewußte Wechsel des wissen- 
schaftlichen Ausgangspunktes: einerseits bemüht er sich, 
eine wissenschaftliche Analyse des Gesamtzusam- 
menhanges der bürgerlichen Produktionsweise zu 
leisten, ihr Wesen als reichtumsproduzierende Gesell. 
schaft zu ergründen, andererseits fällt er aber immer wie- 
der aus diesem Ansatz heraus und zurück auf den indivi- 
duell-praktischen Standpunkt des einzelnen Kapitalisten, 
indem er die Kategorien des bürgerlichen Geschäftslebens 
naiv so behandelt, wie sie dem praktischen Verstand des 
Kapitalisten fix und fertig vorkommen. 
Auf welche Weise versucht nun Ricardo, entsprechend 
dem von Marx formulierten wissenschaftlichen Motiv der 
klassischen Ökonomie die innere Einheit der bürgerlichen 
Produktionsweise analytisch zu konstituieren? „Er geht 
aus von der Bestimmung der Wertgröße der Ware durch 
die Arbeitszeit und untersucht dann, ob die übrigen öko- 
nomischen Verhältnisse, Kategorien, dieser Bestimmung 
des Werts widersprechen oder wie weit sie dieselbe modi- 
fizieren.” 41) 
Des weiteren geht Ricardo aus vom Standpunkt der voll 
entwickelten kapitalistischen Produktionsweise. Er un- 
41) MEW 26.2., a.a.O.,S. 161.
	        

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