Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

alte, in Bebauung genommen werden muß. Dies geschieht, 
wenn die steigende Nachfrage von Marktpreis bis zu dem 
Punkt hochgetrieben hat, an dem sich eine Kapitalanlage 
auf dem weniger fruchtbaren Boden lohnt. Die hier nöti- 
gen, höheren Produktionskosten bestimmen nun den 
Marktpreis des Produkts, und alles Kapital, das auf bes- 
seren Böden mit geringeren Produktionskosten arbeitet, 
erbringt jetzt einen Surplusprofit, der als Rente abge- 
schöpft werden kann. Von hier aus kann der Schritt zu 
noch schlechterem Boden getan werden usw. 
Diesen Verlauf hat Ricardo vorliegen, wenn er erklärt, 
Differentialrente könne nur stattfinden bei Fortgang 
von besserem zu stets schlechterem Boden. Dabei täuscht 
ihn die Erscheinung der fertigen Reihe rententragender 
Böden, die immer so aussieht, als sei sie absteigend ent- 
standen. Marx weist jedoch nach, daß die Differential- 
rente ebensogut hervorgehen kann „durch Fortgang von 
besserem zu schlechterem Boden wie umgekehrt von 
schlechterem zu besserem oder durch Kreuz- und Quer- 
züge in abwechselnder Richtung . . . Je nach ihrer Bil- 
dungsweise kann die Differentialrente sich daher auch 
bei stationärem, steigendem und selbst fallendem Preis 
des Bodenprodukts ausbilden.” 58) 
Ganz unabhängig von ihrer Bildungsweise bleibt als ein- 
zige Bedingung der Differentialrente die Ungleichheit der 
bebauten Bodenarten. „Die Differentialrente entspringt 
aus dem für den jedesmal gegebenen Entwicklungs grad 
der Kultur gegebenen Unterschied in der natürlichen 
Fruchtbarkeit der Bodenart (hier noch abgesehen von der 
Lage), also aus dem beschränkten Umfang der besten 
Ländereien, und dem Umstand, daß gleiche Kapitale an- 
gelegt werden müssen auf ungleiche Bodenarten, die also 
für dasselbe Kapital ungleiches Produkt abwerfen.” 59) 
Oder anders gesagt, die Differentialrente entspringt, weil 
gleiches Produkt auf besseren Böden zu geringeren Kosten 
produziert werden kann, jedoch zu einem Marktpreis ver- 
kauft wird, den der höchste Produktionspreis auf dem 
schlechtesten bebauten Boden reguliert, dessen Produkt 
noch zur Befriedigung der Nachfrage gebraucht wird. „Der 
Produktionspreis des schlechtesten, keine Rente tragenden 
Bodens ist stets der regulierende Marktpreis.” 60) 
Daß der schlechteste Boden keine Rente trägt, ist hier nur 
angenommen, um das Wesen der Differentialrente klar 
herauszustellen. Ob er Rente trägt oder nicht, ist für das 
Gesetz der Differentialrente in der Tat belanglos. Wir 
kommen jedoch auf diesen Punkt später zurück. 
Nachdem das Wesen der Differentialrente aufgeführt ist, 
bleibt noch die Höhe des „‚Gesamtrentals” (absolute 
58) 3.2.0, SS 671, 
59) 22.0.,5.671. 
60) a.a.0..5.671 
Größe der Rentenmasse) in ihrer Bewegung und die Höhe 
und Entwicklung der „Rentrate” zu verfolgen (die Rent- 
rate bezeichnet das Verhältnis des Gesamtrentals zum 
insgesamt in der betreffenden Sphäre angelegten Kapital). 
Dabei zeigt sich als neuer Gesichtspunkt der flächenmä- 
ßige Anteil der verschiedenen Bodengüten am gesamten 
Kulturland, oder was auf dasselbe hinauskommt, die Ver- 
teilung des angewandten Gesamtkapitals auf die Boden- 
arten von verschiedener Fruchtbarkeit. 61) 
„Es handelt sich nicht nur um die Rente per Acre oder 
Hektare überhaupt, um den Unterschied zwischen Pro- 
duktionspreis und Marktpreis, oder zwischen individu- 
ellem und allgemeinem Produktionspreis per Acre, son- 
dern es kommt auch darauf an, wieviel Arcres von jeder 
Bodenart in Kultur sind. Die Wichtigkeit betrifft hier 
unmittelbar nur die Größe des Rentals, d. h. der Total- 
rente der ganzen bebauten Fläche; es dient uns aber 
zugleich als Übergang zur Entwicklung des Steigens 
der Rate der Rente, obgleich die Preise weder steigen, 
noch die Differenz in der relativen Fruchtbarkeit der 
Bodenarten bei fallenden Preisen.” 62) 
Ohne nun weiter einzugehen auf die Notwendigkeit, 
weiteres Land zu bebauen, und auf die Vermittlung die- 
ses Zwanges durch die Marktpreise, ergibt sich, daß das 
Gesamtrental wächst durch bloße Ausweitung der Kul- 
tur, Die Stärke des Wachstums hängt aber davon ab, 
auf welche Bodenqualitäten sich die Ausweitung vor- 
nehmlich erstreckt. (Dabei bleiben Renthöhe und Rınt- 
rate je Bodenart und Flächengröße gleich.) 
Bleibt bei der Ausweitung die alte proportionelle Zusam- 
mensetzung der Bodengüten erhalten, so wächst das Ren- 
tal bei gleicher Rentrate. Die Rentrate steigt jedoch mit, 
wenn die Ausweitung sich mehr auf besseren als auf 
schlechteren Böden vollzieht. Sie fällt, falls es umgekehrt 
geschieht, wobei das Rental absolut immer noch steigen 
würde. „Jedenfalls zeigt sich, . . . daß die verhältnismäßige 
Höhe der Durchschnittsrente per Acre und die Durch- 
schnittsrentrate oder das Verhältnis des Gesamtrentals zu 
dem im Boden angelegten Gesamtkapital steigen oder fal- 
len kann bei gleichbleibenden Preisen, gleichbleibender 
Rente per Acre, resp. Rentrate für das per Acre angelegte 
Kapital in jeder wirklich Rente tragenden Bodenklasse, 
resp. für alles wirklich Rente tragende Kapital, durch 
bloße extensive Ausdehnung der Kultur.” 63) 
Man kann sich diese zusätzlichen Kapitalanlagen auf neu 
bebauten Böden so vorstellen, daß gleichzeitig in ver- 
schiedenen Ländern verschieden viel Boden bestimmter 
Oder variierender Gütezusammensetzung bebaut wird, 
oder auch so, daß in einem Land in zeitlicher Abfolge 
diese verschiedenen Stufen durchlaufen werden. Man 
kann sich aber auch vorstellen, daß zusätzliche Kapital- 
61) Vgl. a.a.O., S. 679. 
62) a.a.0., 5. 674. 
63) - 4.2.0. S. 680.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.