Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (1973, Jg. 5, H. 17-20)

Nachdem wir aber gesehen haben, daß als einzige Form 
der Rente die Differentialrente entwickelten, kapitalisti- 
schen Verhältnissen voll entspricht, stellt sich nun das 
Problem, ökonomisch formuliert, folgendermaßen: 
„Es handelt sich darum, ob die Rente, die der schlech- 
teste Boden zahlt, in den Preis seines Produkts, der der 
Voraussetzung nach den allgemeinen Marktpreis reguliert 
in derselben Weise eingeht, wie eine Steuer in den Preis 
der Ware, auf die sie gelegt ist, d. h. als ein von ihrem 
Werte unabhängiges Element.” 72) 
Diese Frage ergibt sich auf der Grundlage des nicht be- 
griffenen Unterschieds zwischen Produktionspreis und 
Wert. Wenn man von der Tatsache des notwendigen 
(realen, nicht nur begrifflichen) Unterschieds zwischen 
diesen beiden Größen ausgehen, löst sich das Problem von 
selbst. 
III. DIE ABSOLUTE RENTE 
Wir haben gesehen, wie Ricardo, ausgehend von der Auf- 
fassung, daß die kapitalistische Konkurrenz den Verkauf 
der Waren zu ihrem Wert hervorbringe, zu dem Ergebnis 
kommen muß, daß der schlechteste in Bebauung befind- 
liche Boden keine Rente tragen kann. Wurden, wie Ricardo 
meint, die Waren zu ihren Werten verkauft, zu Preisen 
also, die nach der Ricardoschen Konstruktion den Durch- 
schnittspreisen (Kostpreis plus Durchschnittsprofit) ent- 
sprechen, so könnte der Pächter aus dem Verkauf der Ware 
keine Grundrente mehr zahlen, wenn er sein eingesetztes 
Kapital durchschnittlich verwerten will. Zahlung von Pacht 
auf schlechtestem Boden ist nur aus Abzug vom Lohn, Ab- 
zug vom Durchschnittsprofit oder aus Verkauf der Waren 
über ihrem Werkt erklärbar, also jedesmal aus Verletzung 
des Wertgesetzes. 
Mit der Marxschen Ableitung der Durchschnittsprofitrate 
und des Produktionspreises ist das Ricardosche Dogma 
der Übereinstimmung von Wert und Produktionspreis ge- 
fallen. Die Konkurrenz, d. h. der freie Fluß der Kapitale 
zwischen den Produktionsbereichen, bewirkt, daß die 
Waren nicht zu Preisen, die ihrem Wert entsprechen, ver- 
kauft werden, so daß der in ihnen individuell enthaltene 
Mehrwert realisiert wird, sondern zu Produktionspreisen 
(als neuem Oszillationszentrum der Marktpreise) 73); 
jedes Kapital realisiert jetzt Mehrwert im Verhältnis zu 
seiner anteiligen Größe am gesellschaftlichen Gesamtka- 
pital. Damit existieren drei Klassen von Waren, konstitu- 
iert durch das jeweilige Verhältnis von Wert und Produk- 
tionspreis: 
a) Wert der Ware 
b) Wert der Ware 
c) Wert der Ware 
Produktionspreis 
Produktionspreis 
Produktionspreis 
72) 
71» 
a.a.0., S. 766. 
Vgl. a.a.O., 9. Kapitel, S. 164 ff. und den Abschnitt: 
Ausgleich der Profitraten und Produktionspreise in 
U. Foederrenther u.a., Gesamtwirtschaftliche Grund- 
begriffe, in Mehrwert, Heft 1. Erlangen 1972. 5. 59 ff. 
Welcher dieser Klassen eine Ware angehört, hängt ab von 
der Stellung der durchschnittlich technisch-wertmäßigen 
Zusammensetzung der Produktionssphäre zum Durch- 
schnitt der Zusammensetzungen aller Sphären, zur Zusam- 
mensetzung des Durchschnittskapitals. Die Waren der 
Klasse c) werden produziert von Kapitalen unterdurch- 
schnittlicher organischer Zusammensetzung; der gleiche 
Kapitalvorschuß bringt hier bei gleicher Mehrwertrate 
höheren Mehrwert hervor, als sich im Produktionspreis 
der Ware realisiert; der Überschuß geht ein in den Ausgleich 
der Profitrate. 
Bis auf drei Fälle, in denen das Grundeigentum faktisch, 
wenn auch nicht juristisch aufgehoben wird (bei Identität 
von Eigentümer und Pächter; bei Bebauung eines Grund- 
stücks schlechtester Qualität als Teil eines auf einmal ver- 
pachteten Bodenareals besserer Qualität; bei zusätzlichen 
Investitionen des Pächters auf bereits bebautem Boden, 
die nur Durchschnittsprofit abwerfen), ist es offensichtlich, 
daß Bebauung schlechteren Bodens vom Eigentümer nur 
zugelassen wird, wenn der Marktpreis so hoch steht, dais 
der Pächter aus dem Verkauf des Bodenprodukts eine 
Rente zahlen kann. Wenn die schlechteste Bodenart, die 
keine Differentialrente abwirft, „nicht bebaut werden 
kann — obgleich ihre Bebauung den Produktionspreis ab- 
werfen würde —, bis sie einen Überschuß über diesen Pro- 
duktionspreis, eine Rente abwirft, so ist das Grundeigen- 
tum der schöpferische Grund dieser Preissteigerung. 
Das Grundeigentum selbst hat Rente 
erzeugt” 74). Das Grundeigentum hat die Macht, 
„seinen Boden so lange der Exploitation zu entziehen, bis 
die ökonomischen Verhältnisse eine Verwertung desselben 
erlauben.” 75) 
Die Frage, ob der Preis des Produkts des schlechtesten Bo- 
dens dann, wenn Rente gezahlt wird (die keine Differential- 
rente sein kann), notwendig ein Monopolpreis sein 
muß oder ein Preis, in den die Rente nach Art der indirek- 
ten Steuern, also unabhängig vom Wert der Waren, eingeht, 
diese Frage beantwortet sich nach der obigen Entwicklung 
des Produktionspreises von selbst. Es gibt, wie wir gesehen 
haben, eine Klasse von Waren, nämlich die von Kapitalen 
mit unterdurchschnittlicher Zusammensetzung produzierten, 
die mehr immanenten Mehrwert enthalten, als ihr Produk- 
tionspreis realisiert; die also den Durchschnittsprofit und 
eine Rente abwerfen können, ohne daß sie über ihrem Wert 
verkauft werden müßten. 
„Es handelt sich nicht mehr darum zu erklären, wie es 
kommt, daß der Preis einer Ware außer Profit auch noch 
Rente abwirft, also scheinbar das allgemeine Ge- 
setz der Werte verlezt und durch Erheben ihres Preises 
über ihten immanenten Mehrwert mehr 
als die allgemeine Profitrate fürein 
Kapital von gegebener Größe abwirft, sondern vielmehr 
wie es kommt. daß diese Ware, in der Ausgleichung der 
74) a.a.0., 5. 763. 
75) 2a.a.0.,5. 765. 
fr
	        

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