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5. MH-Bewohner: eine neue Randgruppe?
Entgegen allen Beschönigungen, wie sie von seiten der
MH-Industrie vorgebracht werden, um den Absatz zu
fördern, hat das Leben in den MH viele Schattenseiten:
Schon die Lage vieler MH-Parks und auch einer Vielzahl
einzelner, teils „illegaler‘“ Stellplätze ist oft unbefriedigend,
vor allem in den Ballungsgebieten, in denen knapp
die Hälfte aller MH stationiert ist 81). Dieillegalen“
Plätze, oft entlang der großen High-Ways, unter Einflugschneisen
und in Gebieten, in denen sonst niemand wohnen
will und um die sich niemand kümmert, werden vor
allem von den unteren Einkommenschichten benutzt.
Diese können sich in vielen Fällen zwar ein MH, aber
keine Stellplatzmiete mehr leisten oder werden mit ihren
alten, gebrauchten MH von den meisten Parks gar
nicht aufgenommen . Was diese Stellplätze anbetrifft,
so befindet sich die MH-Industrie in einer „Zwickmühle“
Einerseits schadet die „illegale“ Aufstellung dem MH-Image
und damit dem Absatz, andererseits reichen die
privaten Stellplätze und die in Parks allein gar nicht aus.
um alle verkauften bzw. zu verkaufenden MH unterzubringen.
Auch die MH-Parks,in denen insgesamt mehr
als 50% der MH-Bewohner leben, liegen in Gebieten, wo
bisher kaum eine Grundrente zu erzielen war. Die Einwände
der Gemeinden und ihrer Bürger bewirken nur zu
oft, daß die Parks entweder ganz aus der Nähe von
Wohngebieten verdrängt werden oder zwischen Verkehr,
Industrie und Gewerbe und manchmal sogar —Schrottplätzen
gleichgesetzt — in der Nähe von Müllplätzen liegen.
In diesem Falle haben die MH-Bewohner wenig Anreiz,
am kommunalen Leben teilzuhaben und das Erscheinungsbild
traditioneller Wohngebiete nachzuahmen.
Dies nährt neue Vorurteile und schafft neue Ablehnung.
Allenfalls die Hälfte aller MH-Parks ist befriedigend ausgestattet
oder entspricht den von der MHMA und dem
„Public Health Service“ entwickelten Richtlinien, deren
Erfüllung Voraussetzung ist für die Aufnahme in den
„Woodall‘s‘‘, das wichtigste Verzeichnis der MH-Parks82);
1971 erfüllten nur 13.000 von ca. 26.000 Parks (mit
insgesamt ca. 1 Mio. Stellplätze) diese Voraussetzung.
Unerträglich sind in vielen Parks die geringen Abstände
Ehrlinger/Ettinger/Merz
der MH. Die Standards schreiben an den Längsseiten
nur 15 ft. (ca. 4.55 m) und an den Frontseiten nur 10 ft.
(ca. 3.05 m) als Minimalabstände vor 83). Lange Zeit wur
de die damit zulässige, extrem hohe Dichte im Hinblick
auf die höhere Rendite voll von den Parkbesitzern ausgeschöpft.
Die MHMA bzw. das MHI strebt in diesem Punkt
jedoch eine Änderung an: immerhin wurden die Flächen
pro Stellplatz bei einigen neueren Parks von ca. 250 qm
auf ca. 500 qm oder sogar mehr erhöht.
Schlimmer als die genannten Mängel sind allerdings
die ökonomischen und auch die sozialen Kontrollen,
denen die meisten MH-Parks bzw. ihre Bewohner unterworfen
werden. Man fühlt sich da an Wohnheime oder
gar Obdachlosenquartiere erinnert. Es gibt kein einheitliches
„Mietrecht“ für die Mieter der MH-Stellplätze, das
etwa dem Mietrecht für Mietwohnungen vergleichbar wäre
— also mit Schutzbestimmungen gegen Kündigungen,
Mieterhöhungen etc. Stattdessen gibt es in den einzelnen
Parks sehr unterschiedliche und oft sehr „seltsame“ Vorschriften,
Beschränkungen und Verpflichtungen für die
MH-Bewohner. Hinter der Umfriedung der Parks —
Mauern, Zäunen oder Heckenpflanzungen — regieren
die Parkbesitzer oder ihre Stellvertreter, die Parkverwalter
(park manager). Diese fühlen sich, obwohl die Parkbewohner
wohl kaum je eine Chance haben werden,
sie etwa abzuwählen, wie die „Bürgermeister“ kleiner
Gemeinden; „The park owner ist founding a small
community within a large community. He makes the
rules and creates social order almost like a mayor”.84)
Vor allem die park manager sorgen für Ruhe und
Ordnung bzw. wirken als offizielle „Schlichter“ bei
Streitigkeiten: „‚managing these attractive parks are qualified
persons who set the tone for a happy community.
For the benefit of the residents, managers are sure that
rules are followed.“ 85) Sie achten auf die teilweise
selbst gesetzten Vorschriften, treiben die Miete ein und
und führen auch Instandhaltungsarbeiten durch. Aus
der Vielzahl der Vorschriften sollen hier nur einige wenige
aufgeführt werden. Sie sprechen in der Regel für
sich selbst: