Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

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thesis of form. Cambridge/Mass. 1964. Kapitel 2. Es ist 
damit gleichfalls angenommen, daß die Frage der Wahr- 
nehmung der Belange der Hygiene sowie des affektiven 
und kognitiven Umweltbezugs (siehe erster Teil) geklärt 
ist. 
Vgl. im Unterschied hierzu die Forderung des Funktiona- 
lismus, daß die Form der‘Funktion‘ folge, oder wie 
Christopher Alexander D‘Arcy Thompson zitierend 
pointierter formuliert, daß die Form als ‘Diagramm der 
Kräfte‘ sich ergebe. Siehe Sullivan, L.H.: The tall office 
building artistically considered (1896). In: Sullivan, L.H: 
Kindergarten, chats and other writings. New York 1947. 
Und Alexander, C.: Notes . . . Loco sub (18) citato. Diese 
dem dargestellten Sachverhalt gegenüber naive Forderung 
kann allenfalls in einem globalen, ‚evolutionären‘ Sinn, 
nicht aber in Bezug auf den Vorgang der Planung aufrecht- 
erhalten werden. Diese Naivität ist wesentlich bedingt 
durch die Präokkupation der architektonischen Planung 
mit der Form anstatt der Funktion — hier im systemtheo- 
retischen Sinn — der baulichen Anlagen. In Anbetracht 
des dargestellten Sachverhalts stellt auch die von Hel- 
mut Spieker und Helga Scholl vorgenommene Ge- 
genüberstellung von „Funktionsplanung‘“ und „Kon- 
ditionsplanung‘“‘ keine planungsmethodische Alter- 
native dar, als was sie vorgestellt wird. Der Unterschied 
zwischen beiden besteht lediglich sozusagen in der Weite 
des bei der Beurteilung der Organisation der baulichen 
Anlagen berücksichtigten Nutzungshorizonts. Siehe 
Spieker, H.: Scholl, H.: Konditionsplanung. Bauwelt 64 
(1973) S. 1345—1352. 
Mit der Determination in der Phase der Nutzung der 
baulichen Anlagen hat man sich bislang noch weniger be- 
faßt als mit der Determination in der Phase der Planung. 
Einige Äusserungen zur Determination in der Phase der 
Nutzung finden sich in der ökologisch orientierten So- 
ziologie und Psychologie. Diese sind jedoch äußerst vage 
und müssen es wohl sein mangels theoretischer Einord- 
nung des Verhältnisses von Tätigkeiten ( ‚Verhalten‘ ) 
und ihrer vermittels der baulichen Anlagen hergestellten 
Umweltverhältnisse in den gesellschaftlichen Kontext. 
Vgl. Vester, M.: Zur Dialektiv von Reform und Revolu- 
tion. Neue Kritik 7 (1966) H. 34, S. 15—28. Ebenfalls 
Gorz, A.: Zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neo- 
kapitalismus. Frankfurt/M 1967. Insbesondere S. 123- 
125. 
Zum Problem dieser Vermittlung siehe Engels, F.: 
Einleitung zu „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 
bis 1850“ von Karl Marx (Ausgabe 1895). Marx/Engels, 
Werke Bd. 22, S. 509-527. 
Eine Tendenz in dieser Richtung sah Marx in der Industri- 
alisierung, darin, daß der Arbeiter in zunehmendem Maß 
„den Naturprozeß, den er in einen industriellen umwan- 
delt‘‘, „als Mittel zwischen sich und die unorganische Na- 
tur“ schiebt, und welchem gegenüber er sich als „Wäch- 
ter und Regulator“ verhält. Siehe Marx, K.: Grundrisse 
der Kritik der politischen Ökonomie: Berlin 1953, 5. 
592 ff; 
Mit dem Hinweis auf die Relevanz der Kenntnisse der,In- 
telligenz in den verschiedenen Bereichen des gesellschaft- 
lichen Reproduktionsprozesses soll die besondere Rele- 
vanz der politischen Ökonomie nicht herabgesetzt wer- 
den, welche diese verschiedenen Bereiche auf der theore- 
tischen Ebene miteinander verbindet, indem sie die öko- 
nomische Struktur des Gesamtprozesses untersucht und 
somit die Abhängigkeiten der Entwicklungen in den ein- 
zelnen Bereichen aufweist. 
Benjamin, W.: Der Autor . . . Loco sub (14) citato. 
Hierzu siehe Negt, O.; Kluge, A.: Öffentlichkeit und Er- 
fahrung, Frankfurt/M 1972 
Benjamin, W.: Der Autor . ... Loco sub (14) citato, S. 271. 
Rodenstein 
[Marianne Rodenstein 
BÜRGERINEATIVEN — EIN NEUES 
PHÄNOMEN POLITISCHER BETEILIGUNG 
I. Ansätze) 
Das Urteil über die politische Bedeutung von Bürgerini- 
tiativen scheint festzustehen. Zwei Positionen sind im we- 
sentlichen zu unterscheiden, sofern es sich nicht ohnehin 
um die Inbetriebnahme des in Bürgerinitiativen organi- 
sierten Potentials für eine von „oben“‘ gesteuerte reprä- 
sentative parlamentarische Demokratie handelt. Entweder 
werden Bürgerinitiativen daran gemessen, ob sie zu einer 
sozialistischen Transformation des Staates beitragen, oder 
es wird mit ihrem Erscheinen die Hoffnung auf eine Wie- 
derbelebung der Demokratie von unten verbunden. Beide 
Einschätzungen — so lautet die These hier — gehen fehl, 
weil die Maßstäbe, mit denen Bürgerinitiativen gemessen 
werden, von der spezifischen historisch-politischen Situ- 
ation der BRD abstrahieren. Entsprechend kann die po- 
litische Beurteilung und die daraus resultierende politi- 
sche Praxis dem Phänomen kaum adäquat sein. Die zeit- 
liche Nähe zur Studentenbewegung hat die theoretische 
Verarbeitung von Bürgerinitiativen entscheidend geprägt 
Sie wurden an Theorien gemessen, die sich in dieser Zeit 
über das ökonomische und politische System entwickelt 
hatten. Für die von Linken vertretene Position ist die Kri- 
tik am kapitalistischen Gesellschaftssystem der BRD der 
gemeinsame Ausgangspunkt. Helga Faßbinder hatte aus 
klassenanalytischer Sicht auf den reformistischen Charak- 
ter von Bürgerinitiativen hingewiesen. 2). Die Zugehörig- 
keit der Mitglieder von Bürgerinitiativen zur Mittelschicht 
und die Tatsache, daß hier Gruppen ihre Interessen über- 
haupt als politische formulieren, sprach für ihr „illusio- 
näres‘“ Sozialstaats-, nicht für ein Klassenbewußtsein. Aus 
sozialistischer Praxis erschienen Bürgerinitiativen daher 
eher irrelevant zu sein. Der Erwartung, in Bürgerinitiati- 
ven könne sich umstandslos ein Klassenbewußtsein artiku- 
lieren, ist entgegengehalten worden, daß ihre politische... 
Bedeutung zunächst in der zu erwartenden zunehmen- 
den Politisierung der Lebensverhältnisse gesehen werden 
müsse.3) Mit dieser Politisierungserwartung verbanden 
sich sowohl Hoffnungen darauf, daß der Staat gezwun- 
gen würde, seinen Klassencharakter offenzulegen 4), als 
auch darauf, daß die Politisierung der Reproduktions-
	        

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