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thesis of form. Cambridge/Mass. 1964. Kapitel 2. Es ist
damit gleichfalls angenommen, daß die Frage der Wahrnehmung
der Belange der Hygiene sowie des affektiven
und kognitiven Umweltbezugs (siehe erster Teil) geklärt
ist.
Vgl. im Unterschied hierzu die Forderung des Funktionalismus,
daß die Form der‘Funktion‘ folge, oder wie
Christopher Alexander D‘Arcy Thompson zitierend
pointierter formuliert, daß die Form als ‘Diagramm der
Kräfte‘ sich ergebe. Siehe Sullivan, L.H.: The tall office
building artistically considered (1896). In: Sullivan, L.H:
Kindergarten, chats and other writings. New York 1947.
Und Alexander, C.: Notes . . . Loco sub (18) citato. Diese
dem dargestellten Sachverhalt gegenüber naive Forderung
kann allenfalls in einem globalen, ‚evolutionären‘ Sinn,
nicht aber in Bezug auf den Vorgang der Planung aufrechterhalten
werden. Diese Naivität ist wesentlich bedingt
durch die Präokkupation der architektonischen Planung
mit der Form anstatt der Funktion — hier im systemtheoretischen
Sinn — der baulichen Anlagen. In Anbetracht
des dargestellten Sachverhalts stellt auch die von Helmut
Spieker und Helga Scholl vorgenommene Gegenüberstellung
von „Funktionsplanung‘“ und „Konditionsplanung‘“‘
keine planungsmethodische Alternative
dar, als was sie vorgestellt wird. Der Unterschied
zwischen beiden besteht lediglich sozusagen in der Weite
des bei der Beurteilung der Organisation der baulichen
Anlagen berücksichtigten Nutzungshorizonts. Siehe
Spieker, H.: Scholl, H.: Konditionsplanung. Bauwelt 64
(1973) S. 1345—1352.
Mit der Determination in der Phase der Nutzung der
baulichen Anlagen hat man sich bislang noch weniger befaßt
als mit der Determination in der Phase der Planung.
Einige Äusserungen zur Determination in der Phase der
Nutzung finden sich in der ökologisch orientierten Soziologie
und Psychologie. Diese sind jedoch äußerst vage
und müssen es wohl sein mangels theoretischer Einordnung
des Verhältnisses von Tätigkeiten ( ‚Verhalten‘ )
und ihrer vermittels der baulichen Anlagen hergestellten
Umweltverhältnisse in den gesellschaftlichen Kontext.
Vgl. Vester, M.: Zur Dialektiv von Reform und Revolution.
Neue Kritik 7 (1966) H. 34, S. 15—28. Ebenfalls
Gorz, A.: Zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus.
Frankfurt/M 1967. Insbesondere S. 123-125.
Zum Problem dieser Vermittlung siehe Engels, F.:
Einleitung zu „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848
bis 1850“ von Karl Marx (Ausgabe 1895). Marx/Engels,
Werke Bd. 22, S. 509-527.
Eine Tendenz in dieser Richtung sah Marx in der Industrialisierung,
darin, daß der Arbeiter in zunehmendem Maß
„den Naturprozeß, den er in einen industriellen umwandelt‘‘,
„als Mittel zwischen sich und die unorganische Natur“
schiebt, und welchem gegenüber er sich als „Wächter
und Regulator“ verhält. Siehe Marx, K.: Grundrisse
der Kritik der politischen Ökonomie: Berlin 1953, 5.
592 ff;
Mit dem Hinweis auf die Relevanz der Kenntnisse der,Intelligenz
in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen
Reproduktionsprozesses soll die besondere Relevanz
der politischen Ökonomie nicht herabgesetzt werden,
welche diese verschiedenen Bereiche auf der theoretischen
Ebene miteinander verbindet, indem sie die ökonomische
Struktur des Gesamtprozesses untersucht und
somit die Abhängigkeiten der Entwicklungen in den einzelnen
Bereichen aufweist.
Benjamin, W.: Der Autor . . . Loco sub (14) citato.
Hierzu siehe Negt, O.; Kluge, A.: Öffentlichkeit und Erfahrung,
Frankfurt/M 1972
Benjamin, W.: Der Autor . ... Loco sub (14) citato, S. 271.
Rodenstein
[Marianne Rodenstein
BÜRGERINEATIVEN — EIN NEUES
PHÄNOMEN POLITISCHER BETEILIGUNG
I. Ansätze)
Das Urteil über die politische Bedeutung von Bürgerinitiativen
scheint festzustehen. Zwei Positionen sind im wesentlichen
zu unterscheiden, sofern es sich nicht ohnehin
um die Inbetriebnahme des in Bürgerinitiativen organisierten
Potentials für eine von „oben“‘ gesteuerte repräsentative
parlamentarische Demokratie handelt. Entweder
werden Bürgerinitiativen daran gemessen, ob sie zu einer
sozialistischen Transformation des Staates beitragen, oder
es wird mit ihrem Erscheinen die Hoffnung auf eine Wiederbelebung
der Demokratie von unten verbunden. Beide
Einschätzungen — so lautet die These hier — gehen fehl,
weil die Maßstäbe, mit denen Bürgerinitiativen gemessen
werden, von der spezifischen historisch-politischen Situation
der BRD abstrahieren. Entsprechend kann die politische
Beurteilung und die daraus resultierende politische
Praxis dem Phänomen kaum adäquat sein. Die zeitliche
Nähe zur Studentenbewegung hat die theoretische
Verarbeitung von Bürgerinitiativen entscheidend geprägt
Sie wurden an Theorien gemessen, die sich in dieser Zeit
über das ökonomische und politische System entwickelt
hatten. Für die von Linken vertretene Position ist die Kritik
am kapitalistischen Gesellschaftssystem der BRD der
gemeinsame Ausgangspunkt. Helga Faßbinder hatte aus
klassenanalytischer Sicht auf den reformistischen Charakter
von Bürgerinitiativen hingewiesen. 2). Die Zugehörigkeit
der Mitglieder von Bürgerinitiativen zur Mittelschicht
und die Tatsache, daß hier Gruppen ihre Interessen überhaupt
als politische formulieren, sprach für ihr „illusionäres‘“
Sozialstaats-, nicht für ein Klassenbewußtsein. Aus
sozialistischer Praxis erschienen Bürgerinitiativen daher
eher irrelevant zu sein. Der Erwartung, in Bürgerinitiativen
könne sich umstandslos ein Klassenbewußtsein artikulieren,
ist entgegengehalten worden, daß ihre politische...
Bedeutung zunächst in der zu erwartenden zunehmenden
Politisierung der Lebensverhältnisse gesehen werden
müsse.3) Mit dieser Politisierungserwartung verbanden
sich sowohl Hoffnungen darauf, daß der Staat gezwungen
würde, seinen Klassencharakter offenzulegen 4), als
auch darauf, daß die Politisierung der Reproduktions-