Saite
Seite 4
an Aa
lohnen im Stollwere!
Neue Pläne für das Severinsviertel:
Stollwerck wird umgebaut
In aller Eile und Heimlichkeit (damit nur ja keiner spekulieren kann),
hat die Verwaltung der Stadt Köln im letzten Jahr die vorbereitenden
Untersuchungen nach Städtebauförderungsgesetz für das Stollwerck-Gelände
durchgeführt. Die Bewohner der Annostraße wurden befragt,
(die Stollwerck-Arbeiter hat man dabei "vergessen") ein Bericht wurde
geschrieben, vom Regierungspräsidenten genehmigt und damit das Stollwerck-Gelände
zum Sanierungsgebiet erklärt.
und was der Mensch mit viel Geld
und Zeit sonst noch braucht, werden
die alteingesessenen Händler
und Wirte vertreiben. Mit anderen
Worten: mit der Vertreibung der
Leute, die das Leben im Viertel
ausmachen,wi rd das Severinsviertel
sterben
fallt der Groschen, wenn er
siehtwie die Baukosten in die
Höhe gehen und wie Neubauwohnungen
nicht mehr vermietet werden
können, weil sie zu teuer
sind. Der Gedanke, daß Fabriken,
Speicher oder auch Kirchen
eine neue Bestimmung erhalten
können, ist nicht neu. In San
Francisco wurde eine alte Konservenfabrik
in ein Zentrum mit
Kneipen, Straßen, Treppen,
Arkaden und Balkonen umgebaut.
In Kopenhagen werden alte
Speicher zu Hotels umgebaut.
Ebenso könnten die Stollwerck-Gebäude
zum Wohnen, arbeiten
und leben neu genutzt werden.
Immerhin sind diese Gebäude
zum großen Teil Neubauten.
Der Abbruch von Stollwerck
(Kosten zwischen 1,5 und 2
Millionen) und Neubau auf diesem
Gelände würden zu Mieten führen,
die für die jetzigen Bewohner des
Viertels untragbar wären.
Ziel dieses ungewohnten Eifers
der Verwaltung war, mit der Erklärung
zum Sanierungsgebiet
der Stadt ein Vorkaufsrecht zur
sichern und Städtebauförderungsmittel
also Geld vom Bund beantragen
zu können. Diese Mittel
sind vorgesehen, um finanzielle
Hilfe bei der Umlegung von Betrieben
zu gewähren oder Grundstücke
zu kaufen, die für die Sanierung
notwendig sind.
Rüger will das Grundstück selbst
bebauen, weil er dadurch weit
mehr Profit herausholen kann.
So ist Rüger bereits bei Oberstadt
direktor Mohnen vorstellig geworden,
um sich als "Sanierungsträger"
anzubieten.
.„.es gibt zwar Gesetze...
Bevor aber nun den wackeren
Volksvertretern vor Verzweiflung
das Wasser in die Augen
schießt und sie anfangen den
bösen "Sachzwängen" die Schuld
in die Schuhe zu schieben, sollten
sie wenigstens die, wenn auch
geringen, Möglichkeiten des
Städtebauförderungsgesetzes
ausschöpfen. Nach diesem, für
das Stollwerck-Gelände geltenden
Gesetz muß die Stadt jetzt
für dieses' Gebiet einen Bebauwngplan
aufstellen ($ 10). In dem
Bebauungsplan, der vom Rat beschlossen
wird, kann sie verbindlich
festlegen, wie das Gelände
genutzt wird, z.B. für: "Sozialwohnungen,
nichtstörendes Kleingewerbe,
Kindergärten, Schulerweiterung".
Sie kann bestimmen,
daß die brauchbaren Gebäude nicht
abgebrochen werden, sondern für
die Schaffung kostengünstiger
Wohnungen, soziale Einrichtungen
und Gewerbeflächen erhalten werden.
Mit Hilfe des "Baugebots", ($ 20
Städtebauförderungsgesetzes)
kann die Gemeinde verlangen, daß
der Eigentümer "ein vorhandenes
Gebäude oder eine sonstige bauliche
Anlage den Festsetzungen
des Bebauungsplanes anpaßt",
Kommt Rüger als Eigentümer des
Grundstücks diesem Baugebot nich
nach, weil eine solche an den
Bedürfnissen der Bewohner orientierte
Nutzung ihm zu wenig Profit
bringt, dann muß er das Grundstück
an denjenigen verkaufen,
der den Bebauungsplan durchführen
will oder die Stadt muß ihn
nach $ 20.3 enteignen, um den Bebauungsplan
durchzusetzen.
Sollten die Verhandlungen mit
Rüger über die Bebauung des
Stollwerck-Geländes ebenso hinter
verschlossenen Türen geführt
werden, wie seinerzeit mit Imhoff,
so wird es allein der Verhandlungsführung
des Oberstadtdirektors
zu verdanken sein, wenn
auch Rüger zu seinem Profit kommt
und die Stadt mal wieder in die
Röhre guckt.
Imhoff sahnt ab
Für die Umlegung des Stollwerck-Betriebs
nach Porz (Volksblatt
berichtete im Dezember) hat
Mehrheitsaktionär Imhoff dem Oberstadtdirektor
und Stollwerck-Klein
aktionär Mohnen 10 Millionen Mark
Förderungsmittel abgehandelt. Als
Gegenleistung sollte Imhoff der
Stadt das Grundstück verkaufen.
Doch kurz bevor das Stollwerck-Gelände
- die Stadt hätte dann
das Verkaufsrecht gehabt - zum
Sanierungsgebiet am 3, Oktober
1974 erklärt wurde, verkaufte
Imhoff, die 10 Millionen Umlegungsmittel
bereits in der Tasche,
das Grundstück für knapp 49 Millionen
an das Immobilienunternehmer
Dr. Rüger. Rüger bietet 9 Millionen
mehr als die Stadt für das
Gelände zahlen wollte. Stollwerckaktionäre
- unter ihnen
Oberstadtdirektor Mohnen - freuen
sich: Die Täuschung der Stadt und
der rasche Griff in die Stadtkasse
sind bares Geld (als Dividende).
Severinsviertel für die
Reichen...
Der Traum von "Sozialwohnungen
nicht störenden Kleinbetrieben,
Kindergärten, Schulerweiterung"
(so zu lesen in einem Flugblatt
der SPD Köln-Süd gegen die
"Panikmacher") auf dem Stollwerck-Gelände
ist dann endgültig
ausgeträumt, Billiger Eratzwohnraum
für diejenigen, ı
Würde man die vorhandene
Bausubstanz dagegen ausbauen,
könnte man gemeinsam mit den
zukünftigen Mietern Wohnungen
planen, die ihren Wünschen und
Geldbeuteln angepaßt sind - und
nicht den Geldsäcken der Profitmacher.
Rüger steigt ein
Aber was der trickreiche Stollwerck-Boß
Imhoff kann, wenn es
um den Profit geht, das kann Detlev
Renatus Rüger schon lange.
Kaum hat er das Grundstück,
schließt er mit einer gewissen
Auto-Union in Saarbrücken, die
über Schweizer Banken wieder
mit Rüger verbunden ist, einen
langfristigen Mietvertrag ab. Die
Auto-Union sall fast eine 1/2 Mi 1li
on Miete monatlich für die Gebäude
zahlen, so behauptet Rüger. Wollte
die Stadt das durch den Verkauf
an Rüger bereits 9 Millionen
teurer gewordene Grundstück nun
kaufen, müßte sie noch einmal ein
paar Millionen an Entschädigungsgeldern
für die Ablösung des Mietvertrages
draufzahlen.
Aber Rüger hat das Grundstück
nicht gekauft, um es für eim paar
lumpige Entschädigungsmillionen
wieder an die Stadt zu verkaufen.
In Kopenhagen wurde ein Lagerhaus
am Hafen in ein Hotel
umgebaut.
‚.. aber auf die
Volksvertreter ist kein
Verlaß
Leider beweist die bisherige
Praxis der Sanierung, daß die
Bedürfnisse der Bewohner überhaupt
niemanden interessieren,
wichtig scheint lediglich, wieviel
Profit die Kölner Klüngel-Prominenz
aus der Sanierung des Stollwerck-Geländes
herausschlagen
kann. Das bedeutet, daß die Bewohner
des Severinsviertels und
die an einer dem Viertel gerechten
Nutzung des Stollwerck-Geländes
interessierten Gruppen die Sache
selbst in die Hand nehmen müssen.
Billige Wohnungen durch
Selbsthilfe
Um die Mietkosten niedrig zu halten,
wäre denkbar, daß die Wohnungen
nur bis zu einem gewissen
Grad ausgebaut würden (Trennwände,
Fenster, Installationsanschlüs:
se). Die Mieter - im Viertel wohnen
sehr viele Arbeiter und Handwerker
können Restausbau je nach
Anspruch und Möglichkeiten selbst
durchführen. Die eingebrachte
Arbeitsleistung wird von der Miete
abgezogen; beim Auszug könnten
Einrichtungen, die man selbst
installiert hat , abgegolten werden
Wenn man das Ganze genossen-In
San Franzisko wurde eine
Konservenfabrik in ein Zentrum
mit Straßen, Arkaden, Geschäften
und Restaurants umgebaut.
die aus ihren Altbauwohnungen
ausziehen müssen, aber im angestammten
Viertel bleiben wolten,
wird es im Dr. Rüger-Wohn-Park
nicht geben. Die Luxus-Apartmenthäuser
mit "repräsentativer
Eingangshalle mit Clubgarnituren,
mit Schwimmbad,
Sauna, Solarium’ und Party-Raum
im 31. Geschoß" mit Blick auf den
Yachthafen werden zahlungskräftigen
Eigentümermund Mietern
vorbehalten bleiben, die sich
in ihren Einfamilienbungalows
im Grünen langweilen und es
chie finden, sich im Severinsviertel
eine Zweitwohnung zu
leisten
Als Anstoß zur Bildung einer
solchen Initiative hat die Kölner
Architektengruppe dt 8 ein Schaubild
von einer Nutzung des
Stollwerck-Komplexes gezeichnet,
die sich an den Bedürfnissen
und Möglichkeiten der Bewohner
orientieren soll. Ausgangspunkt
der Überlegung ist,die zum großeı
Teil intakten Gebäude nicht abzureißen,
sondern durch entsprechenden
Ausbau neu nutzbar zu
machen. Der Abbruch solcher
Gebäude, vor allem wenn sie
gewerblich genutzt würden, war
für Verwaltung und Planer bisher
die einzig denkbare Losung,
um neues Bauland zu schaffen,
Doch bei dem einen öder anderen
oIKSBlatt:
5 Köln ı
Hohenzollernring 97
Telefon 52 97 94
.. die Bewohner können
die Koffer packen...
Aber nicht genug.damit. Die hoher
Mieten im Rüger-Wohn-Park werder
ihren Einfluß auf die sogenannte
Vergleichsmiete im Viertel haben:
Ardere Hausbesitzer bekommen so
die Möglichkeit, ganz legal ihre
Mieten anzuheben, Die alten Mieter
werden auf die Dauer ausziehen
müssen, um finanzstarkeren Mietern
Platz zu machen. Ebenso wird
der Mietpreis für Gewerbe- und Ge
schaftsflächen ansteigen. Kleine
Betriebe, die wenig Platz haben,
in Hinterhöfen oder’in mehreren
Stockwerken übereinander arbeiten
müssen , können Mieterhöhunger
nicht auffangen, Die Wünsche der
neuen Bewohner beeinflussen das
Warenaängebot: Tante-Emma- Läden
werden diese Kunden kaum zufriedenstellen
können, Boutiquen, Delikateßgeschäfte,
teure Restaurants
Kine Zeitung in Köln,
die über Bürgerinitiativen,
Stadtteilgruppen,
Mieterräte, Kinderläden,
Frauengruppen, Jugendzentren,
Gastarbeitervertretungen,
Betriebsund
Gewerkschaftsgruppen,
Jugend- und Schülergruppen
und viele meh]
berichtet und über ihre
Interessen informiert,
Ich abonniere Volksblatt
für 12 DM jährlich
(12 Ausgaben im Jahr).
STOLLWERCK IN ZAHLEN
- 70 % der Gebäude wurden zwischen
1950 und 1960 gebaut.
- etwa 400 Wohnungen mit durchschnittlich
100 qm kann man in +
auf den Gebäuden schaffen,
- für Gewerbe und öffentliche Ein
richtungen blieben 23000 qm,
- für Freiflächen auf Höfen + Gebäuden
ständen 30000 qm bereit.
- in einer Tiefgarage an der Bayenstraße
können etwa 800 Pkw.
| untergebracht werden.
Oktober 1975
schaftlich organisiert, ist es
gewährleistet, die Mietpreisentwicklung
und die Nutzung selbst
zu kontrollierer
Arbeit für kleine Betriebe
Die Durchführung eines solchen
abgestuften Ausbauprozesses, der
die Bedürfnisse und finanziellen
Möglichkeiten der Mieter berücksichtigt,
ist für Großunternehmen
unrentabel. Für die Handwerksbetriebe
im Viertel dagegen würde
ausreichend Arbeit geschaffen,
Sie müßten sich zu Ausbaukolonnen
zusammenschließen, um so
einen rationellen, zeitlich gut
abgestimmten und damit preisgünstigen
Ausbau durchzuführen.
Mieter planen selbst
Bedürfnisgerechte Wohnungen
kann man nur schaffen, wenn die
Mieter selbst entscheiden, wie
ihre Wohnungen aussehen sollen.
Für die Beteiligung der Mieter an
der Planung bietet der Stollwerck
Komplex ideale Voraussetzungen.
Die Hülle ist bereits vorhanden
und daher kann sich der Einzelne
eine Füllung viel leichter vorstellen.
Wohnungsmöglichkeiten könnten
ausprobiert werden, indem sie
modellhaft in kleinen Maßstab in
einem der Gebäude aufgebaut und
verändert werden. Die zukünftigen
Mieter würden auch über die
Erschließung, die GemeinschaftsfMächen
im Haus und die Nutzung
der Hofflächen entscheiden können
Die Beteiligung hilft so nicht nur
Fehlplanungen zu vermeiden,
sondern bewirkt auch ein Verantwortungsgefühl
der Beteiligten
für das. was sie mitgeplant haben.
Beispiel Hamburg
In dem Neubaugebiet Hamburg-Steilshoop
hat eine Mietergemeinschaft
zusammen mit dem
Architekten 35 verschiedene
Wohnungen in 6 Wohnetagen geplant.
Ursprünglich waren 75
herkömmliche Sozialwohnungen
vorgesehen. Die Mieter machten
daraus.17 Gemeinschaftswohnungen
urd 18 Normalwohnungen
Anstelle von 75 Küchen wurden
durch gemeinschaftliche Benutzung
nur 39 Küchen benötigt.
Die eingesparte Fläche wurde
für Gemeinschaftsräume und
Kindergärten verwendet.
Was aus Stollwerck alles
gemacht werden kann
Um eine Vorstellung davon zu
vermitteln, was man mit dem
Stollwerckgebäude alles machen
kann, hat die Architektengruppe
ein Plakat angefertigt, das in
der Südstadt geklebt wird.
Es ist als Anregung zur Diskussion
gedacht und nicht etwa als
fertiger Entwurf. Einmal soll
darauf hingewiesen werden, daß
es sich beim Stollwerck-Komplex
um wertvolle Bausubstanz handelt,
die man nicht einfach verschleudern
darf. Zum anderen
soll gezeigt werden, daß die
gesamte Anlage von den Stand-