Full text: ARCH+ : Studienhefte für Planungspraxis und Planungstheorie (ab H. 28: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen) (1975, Jg. 7, H. 25-28)

Jürgen Sawade 
MATERIALIEN ZUR MODERNISIERUNG 
VON ALTBAUTEN 
Planungsalternativen — 
Analyse der Planungsrestriktionen und 
Entwicklung eines Forderungskataloges 
Vorbemerkung: 
Der hier abgedruckte Beitrag, der sich mit der Modernisierung 
von Wohnbauten befaßt, ist die schriftliche Wiedergabe eines 
Referats, das Jürgen Sawade, Präsidialmitglied des BDA, anläßlich 
einer Veranstaltung des Bundesverbandes und des Landesverbandes 
Berlin des BDA unter Beteiligung der Deutschen UNESCO-Kom- 
mission unter dem Thema „Milieu — warum? ” am 17./18.5.1974 
in Berlin gehalten hat. Wir verweisen in diesem Zusammenhang 
auf das in Heft 23 abgedruckte, auf derselben Veranstaltung ge- 
haltene Referat von C. Thürmer-Rohr, ferner auf den sich auf 
dieses Referat beziehenden Beitrag von S. Fuhrmann, I. Mailand 
und S. Reiss-Schmidt, sowie auf die Replik dazu von C. Thürmer- 
Rohr, beide in Heft 25. 
Die Redaktion 
Das Milieu, das ich meine, ist die Summe der materiellen 
Bedingungen und Bindungen der Bewohner im Gebiet. 
Die materiellen Bedingungen, die ich meine, sind die 
tatsächlichen und konkreten Lebensbedingungen, d.h. 
die baulichen und ökonomischen Bedingungen der Be- 
wohner. 
Die Bindungen, die ich meine, sind die sozialen Be- 
ziehungen der Bewohner im Gebiet. 
Das Gebiet, das ich meine, sind die Innenstadtge- 
biete. 
Die Qualität dieser Innenstadtgebiete besteht einerseits 
aus einer erheblichen Quantität von Wohnungen mit rela- 
tiv billigen Mieten, in der Nutzbarkeit dieser Wohnungen 
und in der günstigen Lage der Wohnungen zu den Arbeits- 
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DS 
ARCH+ 7. Jg. (1975) H. 26 
plätzen, öffentlichen Verkehrsmitteln und den Gemein- 
bedarfseinrichtungen, andererseits aber auch in der 
sinnlichen Wahrnehmung der historischen, funktionalen 
und ästhetischen Erscheinungsformen der gebauten Um- 
welt: des Stadtbildes. 
Für die heutigen Innenstadtgebiete gibt es folgerichtig 
nur zwei alternative Aufgaben: 
genanntes Milieu, wenn volkswirtschaftlich vertretbar, zu 
erhalten und die Voraussetzungen für neues Milieu zu 
schaffen, d.h. 
1. die Erhaltung von Altbausubstanz und 
2. die Errichtung von multifunktionaler Neubausubstanz. 
Zu der ersten Aufgabe „Erhaltung von Altbausubstanz” 
werde ich auszugsweise aus den „Materialien zur Moder- 
nisierung von Altbauten” Teil A und B (August 1973) 
zitieren, der Arbeit einer Arbeitsgruppe „Modernisierung”, 
die sich anläßlich des Sanierungsgutachtens Berlin-Char- 
lottenburg Klausener Platz in der Programmphase konsti- 
tuierte und der ich selbst angehörte. 
Der Arbeitsgruppe „Modernisierung ” gehörten folgen- 
de Architekten an: Dipl.-Ing. Friedrich Döpping, Dipl.- 
Ing. Dieter Frowein, Professor Hardt-Waltherr Hämer 
BDA, Dipl.-Ing. Ingo Hoppe, Arch. HBK Heiner Molden- 
schardt BDA in Zusammenarbeit mit dem Planungskollek: 
tiv Nr. 1, Dipl.-Ing. Karl Pächter, Dipl.-Ing. Jürgen Sa- 
wade BDA. 
Die Notwendigkeit für die „Programmphase”” im Ver- 
fahren Klausener Platz ergab sich daraus, daß nach Auf- 
fassung von Teilnehmern und Gutachtern Grundsatzfra- 
gen offen waren, deren Klärung und politische Absiche- 
rung unabdingliche Voraussetzung für die Erarbeitung 
eines sinnvollen Bebauungsvorschlages war. Im wesent- 
lichen ging es dabei um die beiden Problembereiche 
„Modernisierung ” und „Soziale Belange”. 
Von der Arbeitsgruppe Modernisierung sollten Reali- 
sationsmöglichkeiten folgender allgemeiner Zielvorstel- 
lungen untersucht werden: 
Erhebliche Reduzierung der Kosten bei Modernisie- 
rung im Vergleich zu Neubaukosten mit den Zielen 
— Senkung der Mietbelastung unter die der Sozialmiete. 
weil nur dadurch ein Verbleib der Mieter im Gebiet 
gewährleistet werden kann. 
Senkung der Kosten für die öffentliche Hand, weil 
durch das Freiwerden von öffentlichen Mitteln eine 
quantitative Steigerung der Substanzverbesserung ge- 
währleistet werden kann. 
Erhebliche Verkürzung der Durchführungszeit mit 
dem Ziel, dem erfahrungsgemäß einsetzenden Verslum- 
ungsprozeß nach der förmlichen Festlegung zum 
Sanierungsgebiet vorzubeugen. 
Für die konkrete Untersuchung ergaben sich folgende 
Aufgaben: 
- Ermittlung der baulichen Bedingungen für die Er- 
neuerung des Gebietes, d.h. der einzelnen Gebäude, 
Straßenzüge und Blöcke hinsichtlich Abriß, Instand- 
setzungs-, Modernisierungs- und Umbauvoraussetzungen. 
Ermittlung der Prioritäten für die Erneuerung einzelner 
Teilgebiete hinsichtlich der blockweisen Entmietung,
	        

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