Wolfgang Ehrlinger, Barbara Ettinger, Hans G. Merz
(Fortsetzung aus ARCH+ 28)
J0BILHEIM - INDUSTRIE
MODELL INDUSTRIALISIERTER PRODUKTION
6. MH: der große Betrug?
Immer mehr drängte sich bei unseren Untersuchungen
der Eindruck auf, daß die MH-Produzenten zwar die anfangs
genannten „Behinderungen“‘ für eine Industrialisierung
bzw. eine reibungslose manufakturmäßige Organisation
ihrer Produktion schrittweise überwunden haben,
daß jedoch ihr Produkt — das MH — und die Art und
Weise seiner Vermarktung für die (End-)Nachfrager
bzw. (Be-)Nutzer mehr Nachteile als Vorteile mit sich
bringt. Vor allem schien uns der Eindruck überprüfenswert,
das MH sei als Industrieprodukt für seine Besitzer
bzw. Bewohner — im Vergleich zum traditionell gefertigten
Einfamilienhaus — besonders preis- bzw. kostengünstig.
Daran weckt zu allererst die geringe Lebensdauer
der MH Zweifel, die — bei fortschreitender Oligopolisierung
— von den Produzenten mittels gezielter Qualitätsminderungen
und modischer Veränderungen offensichtlich
bewußt verkürzt wird, um die Erneuerung der
Nachfrage zu beschleunigen. Diese sog. „Planung der
Obsoleszenz‘ findet obendrein von den Händlern und
vor allem von den Parkbesitzern Unterstützung, die mit
ihrer Weigerung, ältere „Modelle“ aufzunehmen, den
Gebraucht-Markt behindern und so den Absatz neuer
MH fördern.
Sowohl die Steigerung der Obsoleszenz durch Qualitätsminderungen
als auch die durch ständige modische
Veränderungen hat offensichtlich „Erfolg“ gehabt: Die
Lebensdauer der MH beträgt heute selbst nach optimistischen
Schätzungen selten mehr als 15 Jahre — u.a.
auch, da sie aufgrund nur schwacher Verankerung und
geringen Gewichts gegen Stürme besonders empfindlich
sind — und obendrein wechseln bereits viele MH-Besitzer
ihr „Modell“ alle 3 Jahre 95). Dieser häufige Wechsel
ist nicht etwa Folge des besonders häufigen Ortswechsels
der MH-Bewohner. Sie ziehen im Durchschnitt
nicht häufiger um als alle anderen US-Bürger — nämlich
ARCH+, H. 29, 1/76
ODER RATIONALISIERTEN BETRUGS ?
etwa alle 5 Jahre. In der Regel will der jeweilige Besitzer
nur am bisherigen Standort sein „altes Modell‘ gegen
ein „up-to-date-modeli‘ austauschen oder hat bereits
die Nase voll davon, sich um die Instandhaltung des
alten zu kümmern: „Mobilheime sind wie Autos, man
kann mit einem kleinen Ford anfangen und bis zum
Cadillac gehen, so nennen wir die teuren Mobilheime.“
96)
Angesichts dieser Entwicklung mußte die Frage, ob MH
auch über Jahre bzw. Jahrzehnte betrachtet preis- bzw.
kostengünstiger als traditionelle Einfamilienhäuser sind,
um so mehr interessieren. Es galt zu überprüfen, ob
fast euphorisch wirkende Behauptungen angebracht sind,
wieiz B:97):
— „Mobile home living, (. . .) combines the advantages
of the low money tie-up as in apartment living, with
the convenience, pride of ownership, and freedom
of living enioved in a site-built home.‘
„The figures are in: It all adds up: Mobile homes are
the best value for the money.”
Aus Kreisen der MH-Industrie gibt es solche Behauptungen
in Hülle und Fülle. Den von uns angestellten Preisbzw.
Kostenvergleichen, bei denen alle für die finanzielle
Belastung der Käufer bzw. Bewohner wichtigen Faktoren
— wie z.B. Lebensdauer, Kaufpreis und Bodenpreis
bzw. -miete, Finanzierungskosten, Gebühren, Betriebskosten,
Instandhaltungskosten etc. — berücksichtigt
wurden, hielten sie jedoch nicht stand.
Um uns die jeweiligen Vergleiche zu erleichtern und
sie zu präzisieren, diskontierten wir die Preise bzw. Kosten,
die bei Kauf bzw. Benutzung von MH und Einfamilienhäusern
teilweise zu unterschiedlichen Zeiten
anfallen. alle auf einen Zeitpunkt. Für 6 Modellfälle, bei
20