LE HRBAUSPIELE
S
Überlegungen zu einer alternativen Berufspraxis und die Planungsstrategie der LEHRBAUSPIELE
Peter Beck, Sigrid Fuhrmann, Nikolaus Kuhnert, Irmgard Mailandt, Heinz Pieper, Stephan Reiß-Schmidt, Andreas
Weicken, Detlef Wölbeling, Felix Zwoch
Wir stellen die Frage, ob der Architekt mit seiner Berufsarbeit einen Beitrag zur Durchsetzung der sozialen Interessen der Bevölkerung
in der gegenwärtigen Phase des Stadtumbaus und der politischen Entwicklung leisten kann, ob — mit anderen Worten — die Arbeit mit
der Architektur als Medium eine unterstützende Funktion für politische und soziale Zielsetzung haben kann. Die Frage nach der gesellschaftlichen
Funktion von Architektur erneut zu stellen, scheint uns angesichts der weitgehend vom Arbeitsgegenstand des Architekten
absehenden linken Berufspraxisdiskussion, die den Architekten nur noch in seiner Eigenschaft als Lohnarbeiter diskutiert hat, notwendig
zu sein. Eine solche Position vernachlässigt die politischen Potentiale, die in der Beschäftigung mit den konkret—nützlichen Gebrauchswerten
der Architektur liegen. Sie vernachlässigt weiter die subjektiven politischen Potentiale von „Gebrauchswertillusionen‘“ und Identifikation
des Architekten mit seinem Gegenstand und seiner Tätigkeit. Diese Potentiale gilt es auch in bezug auf die Politisierung von
Architekturstudenten und Architekten zu nutzen.
Uns interessiert also die gegenwärtige Notwendigkeit und Möglichkeit einer alternativen Berufspraxis des Architekten im Rahmen basisdemokratischer
Initiativen in den Städten. Es geht hier nicht um die Entwicklung einer „neuen Formensprache‘‘ der Architektur,
sondern um „Architektur als politisches Medium” in veränderten Proze enlihrer Produktion. Der Diskussion um die Brauchbarkeit der
Architektur für dieses politische Ziel stehen vor allem zwei Hindernisse dien.
1. Ein verkürztes Verständnis von Architektur sowohl bei Apologeten gegenwärtiger Baupraxis, als auch in der linken Diskussion. Für
die einen ist Architektur die nach ökonomischen Kriterien optimierte Funktionshülle in warenästhetischer Verkleidung, oder die vom
Künstler subjektiv „gestaltete Skulptur“, für die anderen ist sie nichts als — in ihrer konkreten Form determinierter — Gegenstand und
Ort der Kapitalverwertung, und wird in Abstraktion von ihrem Gebrauchswert nur in ihrem politischen und ökonomischen Verwertungszusammenhang
diskutiert.
2. Das Fehlen von geeigneten Methoden und Erfahrungen, wie Architektur als Medium in politischen Emanzipationsprozessen eingesetzt
werden kann, und wie eine ansatzweise alternative Berufspraxis von Architekten heute praktizierbar ist.
Wir gehen im ersten und im zweiten Teil auf den politischen Kontext und die Notwendigkeit einer alternativen Praxis mit der Architektur
ein, um dann die Brauchbarkeit des Mediums Architektur für eine solche Praxis zu diskutieren. Im dritten und vierten Teil schlagen
wir, von diesem Architekturverständnis ausgehend, eine Methode vor, mit der Architekten als Berater von Basisinitiativen arbeiten
können. Die in den ersten beiden Teilen angeschnittene Diskussion reicht jedoch weiter als die partielle Operationalisierung in der Methode
der LEHRBAUSPIELE.
Projektgruppe Lehrbauspiele