Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1978, Jg. 10, H. 37-42)

lich in der Unabgeschlossenheit der Realıi- 
sierung von Planungskonzepten begrün- 
det waren. Manche der in den 60er Jah- 
ren auf überzogene Wachstumserwartun- 
gen hin konzipierten Siedlungen wurden 
in kleinerem Maßstab realisiert als geplant 
mit einer geringeren Einwohnerzahl und 
entsprechend verringerten Nachfrage an 
öffentlichen und privaten Dienstleistun- 
gen, zumal die einsetzende wirtschaftli- 
che Rezession auf die Investitions „‚nei- 
gung’ allseits zurückzuschlagen begann 
und Vorsicht geraten schien. Die wach- 
sende Unsicherheit über die zukünftige 
Entwicklung und die Auslastung lokaler 
Angebote machte die (den vermietbaren 
Wohnungen freilich nachgeordnete) In- 
frastruktur zum Stiefkind der Planung, 
so daß gerade nur das angeboten wurde, 
was als dringendster Nachholbedarf von 
den Bewohnern reklamiert und als von 
ihnen selbst „‚erkämpft’” auch „,‚angenom- 
men” wurde. Angesichts des anfänglichen 
Mangels selbst an notwendigsten Einrich- 
tungen war die Berechtigung der Forde- 
rungen nach mehr Kindergärten, Jugend- 
treffs, Sozialstationen, Einkaufsmöglich- 
keiten, Verkehrsverbindungen etc. evi- 
dent, zumal die oft sehr konkreten Vor- 
schläge die Effektivität der Planung si- 
chern halfen — vor allem, wenn dies mit 
Unterstützung geschulter Anwaltsplaner 
geschehen konnte wie in Darmstadt-Neu- 
Kranichstein. 
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2. Politik. Mit den notwendigsten Ergän- 
zungen und Korrekturen an den realisier- 
ten Planungstorsen war den Politikern 
der ärgste Legitimationsdruck genommen. 
Dies war umso wichtiger, je deutlicher 
seit 1973/74 veränderte ökonomische und 
demographische Entwicklungen Umorien- 
tierungen auf andere Handlungsfelder und 
-strategien erzwangen. Mit dem Ende der 
Planungseuphorie und dem Übergang zur 
Politik der leeren Kassen war auch die 
Zeit der Reformversprechen, Zugeständ- 
nisse und Experimente vorüber — in der 
kleinen wie in der großen Politik. Mit 
der „Trendwende” von der Stadtentwick- 
lungs- und -erweiterungsplanung zu Stadt- 
reparatur und -erneuerung traten vor al- 
lem Probleme innerstädtischer „‚Bestands- 
pflege‘ in den Vordergrund, auf die sich 
auch die öffentliche Aufmerksamkeit 
mit Verweis auf vorgebliche „‚,gesamtstäd- 
tische Interessen” leicht ablenken ließ. 
Zudem kann bezüglich der Neubaugebie- 
te trotz staatlich programmierter Rationa- 
lisierung und sozialer Demontage inzwi- 
schen sogar auf Überkapazitäten hingewie- 
sen werden: auf freie Kindergartenplätze 
zum Beispiel und Überversorgung in be- 
stimmten Bereichen des Waren- und 
Dienstleistungsangebots. Daß die Kehrsei- 
te der Entwicklung und die neu entstan- 
denen Konfliktfelder dabei unerwähnt 
bleiben, versteht sich von selbst: Für die 
den Kindergärten und Spielplätzen ent- 
wachsenen Aktivitäten der Massen „‚ver- 
wahrlosender” Jugendlicher (früher: 
„Kinderberg’) etwa werden kaum adäqua- 
te Entwicklungsbedingungen und Soziali- 
sationshilfen erschlossen; der durch be- 
schleunigte Fluktuation veränderten 
sozialen Zusammensetzung der Bewoh- 
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