Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1978, Jg. 10, H. 37-42)

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Geometrische Archetypen 
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Mit diesen Thesen wollen wir eine Diskus- 
sion fortsetzen, die wir in den letzten Num- 
mern von ARCH+ in Form von Monographien 
zu einzelnen Architekten wie Robert Venturi 
oder Aldo Rossi, Oswald Mathias Ungers oder 
Peter D. Eisenman 1) begonnen haben. Die fol- 
genden Thesen versuchen, einen ersten Ansatz 
Zur Theorie der Rationalen Architektur und 
ihres Kunst- und Architekturverständnisses zu 
formulieren und einige zentralen Kategorien 
zu ihrer Kritik anzulegen. Sie sollen so eine 
erste Einführung liefern in eine unter verschie- 
denen Namen die deutsche Diskussion — sei 
es unter dem oben erwähnten der Rationalen 
Architektur oder unter dem einer populisti- 
schen Architektur — zunehmend beherrschen- 
de Tendenz, die in einem Satz zusammenge- 
faßt lautet: Rückbesinnung auf die immanen- 
ten Probleme der Architektur. 
virulenten und neuen gesellschaftlichen Trä- 
ger (dem sich emanzipierenden Bürgertum) 
und ihrer Einbettung in gleichgerichtete Auf- 
bruchsbewegungen in Literatur und bilden- 
der Kunst zu der noch relativ isolierten Ten- 
denz der gegenwärtigen Rationalen Architek- 
tur in Beziehung setzt. 
Worum es uns geht, ist also zunächst „Spu- 
rensicherung”: die Betrachtung vergessener, 
im Bewußtsein der heutigen Architektengene- 
ration schon verschwommener Spuren unter 
den neuen Fragestellungen, die die Konfron- 
tation des uns mittlerweile so gewohnten 
funktionalistischen Architekturverständnisses 
mit dem Architekturkunstverständnis der Ra- 
tionalisten aufwirft. 
Zu fragen ist etwa: 
Findet die schon totgesagte oder im schran- 
kenlosen Subjektivismus zu versacken drohende 
Geschichte der Architektur als einer.Kunst ih re 
Weiterentwicklung und Fortsetzung in der Ra- 
tionalen Architektur? Was bedeutet es, wenn . 
sich heute die Rationalisten zum Teil auf genau 
die Tendenz in der Architekturgeschichte zu- 
rückführen lassen, von der die Moderne am An- 
fang dieses Jahrhunderts ihren Ausgang nahm? 
War der’Tod der Architektur’als eines sozial-kul- 
turellen Mediums ein Zwischenspiel, ist die Ra- 
tionale Architektur die Auferstehung der tot- 
gesagten? Läßt sich bruchlos heute an eine 
Tradition der Disziplin anknüpfen, die ja nicht 
grundlos unter bestimmten gesellschaftlichen 
Bedingungen abgebrochen zu sein schien; welche 
gesellschaftlichen Veränderungen sind es, die 
gerade jetzt die ersten Knospen eines Architek- 
turkunst-Revivals hervortrieben? Ist die Art und 
Weise, wie sich die Rationale Architektur auf 
die Tradition der Disziplin bezieht, ihrer gesell- 
schaftlichen Situation adäquat, und wer ist der 
gesellschaftliche Träger einer solchen kulturellen 
Erneuerungsbewegung? 
Rationalismus als Tendenz in der Ge- 
schichte der Architekturkunst 
Unter „Rationalismus in der Architektur” 
verstehen wir nicht — im Sinne stilgeschichtli- 
cher Terminologie — eine bestimmte, zeitlich 
begrenzte Epoche in der Geschichte der Archi: 
tektur, sondern eine Tendenz, die sich mit un- 
terschiedlichen Akzentuierungen in verschie- 
denen Epochen der Architekturgeschichte 
vorfinden läßt. 
Im Unterschied zu mystischen, subjektiv- 
sensualistischen (also ‚‚irrationalen‘’) öder vor- 
dergründig „empirischen (also ‚,vorrationalen” 
Verständnissen, wie etwa der technisch-öko- 
nomische Empirismus/Utilitarismus des „Bau- 
wirtschaftsfunktionalismus”unserer Tage) 
Architekturverständnissen beruht das ratio- 
nale Konzept — zunächst ungeachtet der wich: 
tigen Verzweigungen und Akzentuierungen — 
auf folgender Grundannahme: . 
Die Architektur ist eine autonome Disziplin, 
die bis auf einen mehr oder weniger großen 
irrationalen Rest der vernunftgemäßen Erkennt 
nis, dem begrifflichen oder imaginativen Den- 
ken, der wissenschaftlichen Erforschung und 
Vermittlung zugänglich ist. Architektur ist 
durch sinnliche Wahrnehmung der Natur, . 
Nachahmung der empirischen äußeren Wirk- 
lichkeit oder Entäußerung der empfundenen 
inneren Wirklichkeit nicht erschöpfend zu 
erklären; vielmehr gibt es Prinzipien, „erste 
Begriffe‘, Ideen, Regeln — mit einem Wort: 
einen „rationalen Kern” — der Architektur. 
Diese Prinzipien, Ideen, Regeln usw. werden 
entweder durch die rationale, begriffliche 
Analyse der empirischen Wirklichkeit (quasi 
naturwissenschaftlich oder mathematisch 
durch Proportionsstudien) gewonnen, weiter- 
entwickelt und überprüft („‚materialistischer 
Rationalismus’’), oder in einem (auf Phantasie 
Parallel dazu versuchen wir, durch zusam- 
menfassende Thesen, Texte und die Dokumen- 
tation von Entwürfen einige derjenigen histo- 
rischen Bezüge darzustellen, auf die sich die 
Rationale Architektur implizit und teilweise 
auch explizit bezieht. 
Viele der zentralen topoi von Architektur- 
verständnis, Entwurfsmethode und Formen- 
sprache, die uns bei Rossi, Aymonino, Ungers 
oder Venturi begegnen, haben eine lange und 
nuancierte Tradition im ästhetischen Rationa- 
lismus als einer wesentlichen Tendenz in der 
Geschichte der Architektur. Wir wollen diese 
ideengeschichtlichen Bezüge der Rationalen 
Architektur aus zwei Gründen zurückverfolgen 
erstens, um die gegenwärtige Tendenz ‘imma- 
nent’ besser verstehen zu können, zweitens, 
um die Problematik der Rationalen Architek- 
tur unter den gegenwärtigen gesellschaftlich- 
kulturellen Bedingungen besser einschätzen 
zu können — etwa indem man den Rationalis- 
mus der Aufklärungsarchitektur mit ihrem
	        

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