geständnis entgegengenommen, daß ihnen diese
Dinge bisher noch niemals nahegebracht worden
seien.
Wird schon die Frage des Außenputzes nicht
selten als eine untergeordnete Angelegenheit behandelt,
ohne daß man die Vorzüge und Nachteile der
verschiedenen Putzarten gewissenhaft abwägt, die
Zusammensetzung, Herstellung und Anbringung des
Mörtels genau überwacht, ohne ferner sich zu über-‚egen,
welcher technische Sinn der gewählten Putzart
innewohnt und in welcher Beziehung diese Putzart
zum etwa beabsichtigten, nachträglichen Anstrich
steht, so ergeht es der Anstrichtechnik noch
weit schlechter. Das System der Vergebung führt
nicht selten den Auftrag dem sich bewerbenden
Handwerker unter Bedingungen zu, die eine dauernäfte
Ausführung äußerst erschweren. Es kommt
ainzu, daß die technischen Beschriebe, die der Verzebung
zugrunde gelegt werden, . durchweg mehr
oder minder schwere Mängel, technische Unrichtigkeiten
und Unmöglichkeiten, aufweisen.
Sind diese Verhältnisse zum Teil in der wirtschaftlichen
Struktur des Bauwesens und in der
Ungunst der Zeit begründet, so ergeben sie sich
zum anderen Teil gewiß aus der in dieser Beziehung
ungenügenden Vorbildung des Architekten auf der
Hochschule. Die Maßnahmen, welche zur Beseitigung
solcher Mängel führen können, lassen sich nun
keineswegs isoliert von den übrigen Ausbildungsfragen
des Architekten erörtern. Alle solche Maßnahmen
müssen sich vielmehr in den Grenzen halten,
die sich aus der ganzen Struktur des Hochschulstudiums
ergeben. Die Abhängigkeit von feststehenden
Faktoren darf aber nicht als Grund für einen
Verzicht von vornherein gelten, sollte vielmehr den
Anlaß zu einer schnellen, auf das zunächst Erreich-Jare
eingestellten Abhilfe bilden.
Dabei ist zu unterscheiden zwischen der theoretischen
chemisch-technischen Wissenschaft des Oberilächenschutzes
und der praktisch-handwerklichen
Werkstoff- und Arbeitskunde. Da das Ministerium
jür Kunst, Wissenschaft und Volksbildung bereits
von berufener Seite über den Umfang und Inhalt
des erstgenannten Gebietes unterrichtet wurde, beschränken
wir uns darauf, auf den ausgesprochenen
Mangel an Lehrstühlen und Dozenten dieses Faches
an den Technischen Hochschulen hinzuweisen,
Die Möglichkeit einer Abhilfe auf dem zweitgeıannten
praktisch-handwerklichen Gebiete wurde auf
ainer Sitzung des Kunsthandwerklichen Ausschusses
m Reichsbund des deutschen Maler- und Lackiererhandwerks
in Berlin (Oktober 1931) und auf der
Mitgliederversammlung des Bundes zur Förderung
der Farbe im Stadtbild in Hamburg (Januar 1932)
aäingehend erwogen. Wir sind dabei zu der Ueberzeugung
gelangt, daß die Einführung von Werkstatt-<ursen
an der Technischen Hochschule einen unnittelbaren
praktischen Erfolg verspricht und mit
verhältnismäßig sehr geringfügigen Kosten verbunden
ist. Es ist möglich, in den Hochschulstädten
einen besonders befähigten Handwerksmeister zu
yewinnen, um in seiner Werkstatt an Hand einer
Sammlung von Beispielen und Gegenbeispielen die
Studierenden mit den wichtigsten Verfahren des
Oberflächenschutzes, den Fehlern ihrer Anwendung
und den Maßnahmen zur Vermeidung daraus erwachsender
Schäden bekannt zu machen, sodaß die
Studierenden lernen, die Aufgabe an den Handverker
richtig zu stellen. Besonderes Gewicht müßte
erner auf das Erkennen dieser Fehler und die Beırteilung
der Handwerksarbeit — als Voraussetzung
'‘ür die erfolgreiche Ueberwachung derselben —- geegt
werden. Auf dem so angedeuteten Wege geangt
der Architekt am eliesten zu praktischen
<enntnissen. Wir sind davon überzeugt, daß die beufenen
Körperschaften des Handwerks sich auf
Wunsch gern in den Dienst der Sache stellen, den
ÄHochschulen geeignete Kräfte namhaft machen und
lie Durchbildung solcher Werkstattkurse unterstützen
werden.
Dort, wo die Veranstaltung der Werkstattkurse
n dem angedeuteten Sinn auf Schwierigkeiten stößt,
xönnen an den Außeninstituten der Technischen
Hochschulen seminaristische Kurse eingeführt werlen,
deren Aufgabe es gleichfalls sein muß, die Stulierenden
auf die einfachste Weise mit den wichigsten
Kenntnissen des Oberflächenschutzes auszustatten.
Auf der Technischen Hochschule in Braunschweig
wird das Lehrfach des Oberflächenschutzes
lurch den Lehrstuhl für Baustoffkunde und tech-1ischen
Ausbau behandelt. Werden im Rahmen der
3austoffkunde die Werkstoffverfahren des Putzes
ınd Anstriches besprochen, so erfolgen Besichtizungen
von Arbeiten, die gerade an irgendeinem
Ibjekt praktisch zur Ausführung gelangen und die
tier Handwerksmeister an Ort und Stelle erläutert,
Auf die in München getroffene Regelung, welche
sich unseres Wissens bewährt hat, weist die beigeügte
Eingabe des Kunsthandwerklichen Ausschus-;jes
im Reichsbund des deutschen Maler- und Laksiererhandwerks
hin.
Wir sind zu gegebener Zeit auf Wunsch gern
Jereit, unsere Vorschläge im einzelnen näher auszuführen
und uns auch mit den maßgebenden Verretern
der Fachwissenschaft unseres Arbeitsgebietes,
len Körperschaften des Handwerks und sonstigen
<örperschaften, welche an dieser Regelung interesziert
sind, in Verbindung zu setzen, um eine gemeiname
Stellungnahme derselben zu den durch uns
angeschnittenen Fragen zu erlangen.
Gez. Dr. Hellweg.“
„Der Kunsthandwerkliche Ausschuß im Reichsund
des Deutschen Maler- und Lackiererhandwverks
e.V. Sitz Berlin würde es seinerseits ebenalls
begrüßen, wenn im Interesse einer gedeihlichen
ınd vernünftigen Zusammenarbeit zwischen Archi-'‚ektenschaft
und Malerhandwerk die Möglichkeit
ler Einrichtung handwerklicher Unterweisungskurse
ın den Ausbildungsstätten des baukünstlerischen
Nachwuchses (Technischen Hochschulen und Bauschulen)
gegeben wäre. Das Malerhandwerk, dessen
<ulturelle Aufgaben von dem unterzeichneten Ausichuß
betreut werden, wird sicherlich Mittel und
Wege finden, um die Idee der Werkstättenunterveisung
für die Studierenden der Baukunst zu
'ealisieren. Wir weisen darauf hin, daß z.B. die
Meisterschule für das Deutsche Maler- und Lakxziererhandwerk
in München Lehrtafeln technischen
ıber auch geschmacklichen Inhaltes für den Untericht
an der Architektenabteilung der Technischen
dochschule München (Seminar Vorhölzer) und der
Staatsschule für angewandte Kunst in München be-