An einem Samstag im März trafen wir
uns mit den Hausbewohnern, türkische,
deutsche und jugoslawische Familien. Ein
Teil der Entwürfe zeigten wir in Original-
größe und führten außerdem das dafür ver
wendete Bildmaterial als Diapositive vor.
Die Hausgemeinschaft akzeptierte unser
Konzept, wobei „das Besondere von Kunst
in einem normalen Mietshaus’’ spontan be-
grüßt wurde. Man machte sich bereits, be-
vor das Bild montiert wurde, Sorgen um
Schutz und Erhaltung der Arbeiten.
Die anschließende Diskussion bot für
die älteren Berliner Mieter Gelegenheit,
eigene Erfahrungen aus diesem Zeitab-
schnitt einzubringen. Für die ausländi-
schen Familien dürfte dies eine erste Ge-
legenheit gewesen sein, sich intensiver mit
der Berliner Historie auseinanderzusetzen
Einen Teil dieser Geschichte verkörpert
der ehemalige Elektrotechniker des Sie-
menskonzerns Herr Kupsky (Foto), der
bereits 45 Jahre in diesem Haus wohnt
und dessen Portrait auf allgemeinen Vor-
schlag „‚verewigt’” werden soll. Befriedigt
stellten die Hausbewohner fest, daß quas‘
als Nebenprodukt unserer Arbeit, bei der
Auseinandersetzung mit den Entwürfen,
man sich zum ersten Mal länger miteinan-
der unterhielt. Das Gespräch zwischen den
Hausbewohnern und mit den Künstlern
soll nicht abreißen: als nächstes ist ein
„Mieterfest’” anläßlich der Anbringung
der fertiggestellten Platten geplant.
Wir malten auf wasserfesten Holztafeln
(2 x 6 m), die an der Wand befestigt war-
den. Es war unsere Absicht, nach dem
Montageprinzip den geschichtlichen Ab-
lauf zu formulieren und dem Betrachter
in der Art eines erzählenden Lehrstücks
Deutungen zu ermöglichen.
Die Abbildungen zeigen den Zustand kurz
vor Abschluß
Klaus Dubois / Gerd Wulff
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