Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1979, Jg. 11, H. 43-47, [48])

sich selbst bald eines besseren besann. 
Aber eine solche Auffassung vertreten 
heißt noch lange nicht, daß in die archi- 
tektonische Gestaltung nicht unbewußt 
Ästhetisches einginge. Im allgemeinen 
haben wir es bei der funktionalen Orien 
tierung von ihren Anfängen bis ins 20. 
Jh. auch in der Theorie mit einer ästhe- 
tischen Bewegung zu tun, nach der jede 
der Funktion widersprechende Form 
auch ästhetisch nicht befriedigen kann, 
während eine über das rein Funktionale 
hinausgehende, aber mit ihm sozusagen 
konform gehende künstlerische Gestal- 
tung keineswegs abgelehnt wird. Dies 
geht aus der gesamten Literatur, ein- 
schließlich der Texte von Memmo bzw 
Algarotti über Lodoli klar hervor. Daß 
auch gerade die moderne Architektur, 
und gerade die fälschlicherweise als 
funktionalistisch bezeichnete, sich auf 
das rein Funktionale nicht beschränkte, 
sondern einen darüberhinausgehenden 
künstlerischen Ausdruck „ihrer Zeit” 
suchte, dies ist erst in jüngster Zeit wie- 
der verschiedentlich dargelegt worden. 
Und wer wollte bestreiten, daß die 
neueren Avantgardismen, die Architek- 
tur der langen Schlitten, der Container, 
„the architecture of manifest environ- 
mental services’, usw. solche kulturellen 
Konnotationen enthalten — wer außer 
den Autoren, die mit ihrer These von 
der „Vertreibung ästhetisch-kultureller 
Bezüge aus der Architektur” bzw., Ta- 
furi zitierend, vom ‚‚,Tod der Architek- 
tur” eine falsche Basis schaffen für die 
Diskussion der neuen Bewegung. Es 
hätte, wie auch schon in den ‚‚Lehrbau- 
spielen” — die Aufgabe angestanden, 
die sehr wohl vorhandenen kulturellen 
Bezüge der modernen Architektur bis in 
die jüngste Zeit hinein genauer zu erhel- 
len als dies bisher geschehen ist, um zu 
sehen, mit was hier eigentlich gebrochen 
wird, und über die Diskussion dieser kul- 
turellen Bezüge vielleicht anzudeuten, 
welche Richtung anstelle der histori- 
sierenden Richtung, die die ‚„,Rationale 
Architektur” nimmt, eingeschlagen wer- 
den müßte. 
Was von dem Artikel bleibt, ist Ärger 
— Ärger über die Autoren und die Her- 
ausgeber von ARCH+, die mit einem sol- 
chen Artikel — schnell, schnell, wieder 
eine Veröffentlichung !! — mir und an- 
deren die Arbeit erschweren, indem sie 
die Literaturflut verstärken, durch die 
wir uns hindurcharbeiten müssen, dabei 
aber nur sekundärliterarischen Unfug 
weiterverbreiten und potenzieren, und 
so einem Verständnis der Geschichte 
und damit auch der heutigen Situation 
entgegenwirken. 
N 
Zu Heft 43/44 
RICHTIGSTELLUNG 
zu „Doppelt betroffen” 
Beim Wiederlesen des Artikels nach Erscheinen 
(Autorenkorrekturen entfallen aus Zeitgründen 
leider heutzutage bei den meisten Zeitschriften‘ 
stieß mir jäh auf, daß der Artikel eine falsche 
und unnötige Polemik enthält: gemeint ist der 
Hinweis darauf, daß möglicherweise ein Zusam- 
menhang zwischen der Häuserqualität von Vor- 
standsmitgliedern und dem Ausnahmeangebot 
der Neuen Heimat für wertvolle Bausubstanz be: 
steht. Ich nehme hiermit diese Äußerung zu- 
rück: wie immer die Tatsachen liegen mögen, 
geht es hierum gar nicht. Ich bin dabei nur 
hereingefallen auf meinen eigenen Ärger über 
die servile Art, in der der Vorstand das Angebot 
der Neuen Heimat vertrat und alle Widersprüche 
mit Lächeln übertünchte. Überrollt wurden alle 
vom Handeln der Neuen Heimat, und wenn man 
angesichts der Verteilung von 6 Millionen DM 
von Stimmenkauf reden wollte, dann sind alle 
gekauft worden, die zugestimmt haben. 
Auch der Hinweis auf die einfachen leute 
trifft nicht die Sache, obwohl ich dabei an die 
Nachbarn gedacht habe, die es in der Tat sehr 
hart trifft: das entscheidende ist das stadtplane- 
rische Problem, um dessentwillen ich im übrigen 
den Artikel ja aus einer bloßen Beobachterposi- 
tion geschrieben habe, die auch meiner tatsäch- 
lichen geringeren Betroffenheit entspricht (ich 
wohne nicht im aufgekauften Gelände, sondern 
wir — eine ganze Reihe von Leuten — nutzen 
unser Teil zur Erholung und versuchen auch 
Schulklassen ab und zu daran zu beteiligen). 
Entscheidend ist also, daß eine Baugesell- 
schaft die Stadtplanung macht, wie es ihr ge- 
fällt, und daß sie ihrer Gewinne dabei ebenso 
sicher ist (denn wie hoch die sind, darauf deutet 
der bloße Abfindungsbetrag von 6 Mio. hin), wie 
der Willigkeit der Stadtplanung, ihr das zu erlau- 
ben und ihr zugleich durch Straßenbaumaßnah- 
men von äußerst zweifelhaftem Sinn und Um- 
fang den Wea zu bahnen. 
Dieter Hoffmann-Axthelm 
A/ 
KORREKTUR 
zu J. Posener: „Staatsbibliothek” 
Bei J. Poseners Artikel über die Staatsbibliothek 
im letzten Heft sind uns leider zwei Fehler 
— genauer ein Umbruchfehler und ein Satzfeh- 
ler — unterlaufen, die doch recht entstellend 
sind. Der Umbruchfehler: beim Kleben wurden 
die Seitenzahlen 6 und 7 miteinander vertauscht 
so daß man nach Seite 5 erst die Seite 7, dann 
Seite 6 und schließlich 8 lesen muß. 
Der Satzfehler: Nach dem ersten Satz des letz- 
ten Absatzes auf S. 8 (‚Und so bleibt am Ende 
die Frage unabweisbar, ob dieser große Bau” 
— gemeint ist die Staatsbibliothek — „eigent- 
lich stimmt.’) muß es weiter heißen: „Die 
Philharmonie stimmt.”’. Dieser Satz, der erst 
deutlich macht, daß Julius Posener hier beide 
Bauten vergleicht, wurde weggelassen. Der 
Fehler hat sich eingeschlichen, weil beide 
Sätze mit „stimmt” enden. Die Setzerin hat 
diese Doppelung übersehen. 
Wir bitten Julius Posener und unsere (seine) 
Leser um Nachsicht. Die Red. 
Christoph Feldtkeller 
Informationen 
Keine Änderung des 8 7b 
Spekulationen oder Befürchtungen, der 
— gewiß nicht zu unrecht — umstrittene 
8 7b des Einkommensteuergesetzes würde 
noch in dieser Legislaturperiode verändert 
oder gar abgeschafft, ist Bundesbaumini- 
ster Haack kürzlich entgegengetreten. 
Haack schloß allerdings einen „,mittelfri- 
stigen Umbau” dieses 4-Milliarden-Dings 
nicht aus — vor allem aus familien- und 
städtebaulichen Gründen: etwa um auch 
kinderreichen Familien den Erwerb von 
Wohneigentum zu erleichtern oder um 
der Stadtflucht stärker entgegenzuwirken 
Demnach steht also mittelfristig ein 
Sonderbonus für „grundstücksparendes 
Bauen” (‘Stadthäuser‘) zu erwarten. 
Die Abschreibungserleichterungen 
nach 8 7b sind ins Gerede gekommen, 
weil ohnedies nur Besserverdienende in 
ihren Genuß kommen,und zwar je höher 
das Einkommen, desto mehr — bis zum 
doppelten,wie auch Haacks Beamte er- 
rechneten. Der 7b kommt also vor allem 
jenen zugute, die sich Wohnungseigen- 
tum ohnedies leisten können, und oft 
genug schon besitzen. Ob andererseits 
jemand baut, nur weil er die Steuerer- 
leichterungen nach 7b in Anspruch neh- 
men kann, ist recht zweifelhaft. Unzwei 
felhaft ist dagegen, daß sich mit den so 
verpulverten 4 Mrd. DM für die wirklich 
Benachteiligten des Wohnungsmarktes 
sehr vie! tun ließe. 
New York: 
Zurück zur Straßenbahn 
In New York, der größten amerikanischen 
Stadt, könnten schon bald wieder Straßen- 
bahnglocken bimmeln, und zwar im Her- 
zen der Wolkenkratzerinsel Manhattan. 
Der Vorschlag, die dort bereits vor 32 Jah- 
ren beendete Straßenbahnära wieder aufle- 
ben zu lassen, stammt vom Planungsaus- 
schuß der Stadt, der jetzt den Stadtvätern 
ein entsprechendes Projekt zur Diskussion 
unterbreitet hat. 
Nach Meinung der Stadtplaner sollten 
die Straßenbahnzüge zunächst auf einer 
der verkehrsreichsten Geschäftsstraßen, 
der schnurgerade vom Eastriver bis zum 
Hudson quer durch Manhattan führenden 
42. Straße, eingesetzt werden. 
Die Stadt New York setzt auf dieser 
Route 68 Omnibusse ein. Nach Berech- 
nungen des Planungsausschusses könnten 
diese oft im Verkehr steckenbleibenden 
und Abgase verbreitenden Busse durch 
12 Straßenbahnzüge ersetzt werden. 
Auch könnten die Bimmelbahnen die 
Strecke zwischen beiden Flüssen in 15 
Minuten schaffen, während Busse für 
eine Fahrt bis zu einer halben Stunde 
benötigen. Durch das Umsteigen auf 
Straßenbahnen ließen sich auch die Ko- 
sten für die öffentlichen Verkehrsmittel 
der tief in roten Zahlen steckenden Rie- 
senstadt um 41 v.H. senken. 
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