Volltext : ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54)

Leserbriefe

Wien, 1.7.80

Betrifft Heft 50 ARCH

Anrede beginnend, möchte ich
One gleich einmal fürs 50. Heft gratulieren.
 Nicht nur solange auszuhalten ist
wert gefeiert ZU werden. Auch eine inhaltliche
 Tendenz ist im Begriff die zulange
 vernachlässigte Wirklichkeit des gebauten
 Raumes genauer ins Monokel zu
nehmen. Es wird das ureigenste Verdienst
 von ARCH' sein, die sogenannte
Typologie-Diskussion der romanischen
Länder, - die immer auch eine politische
war - , ins Licht der germanisch-protestantischen
 Sinnesfeindlichkeit zu bringen.
 Und ohne in einen Panik-Stadt-Mythos
 zu verfallen muß doch klar gesagt
werden, daß sich erlebter und erfahrener
»Raum« nicht nur in Aktionen und Gesetzen,
 in bürokratischen Entscheidungen
 und der Verfügbarkeit ausdrückt.
Schließlich gibts auch noch Bedingungen
unter den er »entwickelt« wird. Immer
wird dies auch ein »architektonischer«
Raum sein, das nämliche »ARCH« vor
dem »‘« im Titel ist damit gemeint.
Vielleicht sollte man an dieser Stelle an
Ernst Bloch erinnern. In seinem Gespräch
 »über Ungleichzeitigkeit« ist
deutlich die »Wirksamkeit der alten Sprachen«
 angesprochen, wenn sie mit der
Wirklichkeit der Umstände eine Beziehung
 der Erfahrung eingehen. Diese Erfahrungen
 sind typologischer, u.U. gar
stadträumlicher Art. Und wer davon
nicht »redet«, der hat nichts gelernt, der
bleibt im Abstrakten stecken.
In diesem Sinne, mehr Mut zum
»Fleisch«, zum Alltag, zum Raum, zur
Architektur, zur Wirklichkeit verdammt
noch mal. ARCH* 50 ist ein toller Stern
auf diesem Himmel der Erde. »Alles nur,
weil die Sozialdemokraten und später die
Kommunisten sich in MNüchternheit,
Phantasielosigkeit und Armseligkeit verfangen
 hatten....« (Ernst Bloch).
Dies als Mahnung zum Schluß und der
Hoffnung auf weitere ARCH* 50
Dietmar Steiner
Berlin, am 14.08.80
Betr. Heft 51/52 ARCH“: Berlin:
Mauer abgerissen
Gegendarstellung
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Architekt der im Bereich Berlin-Kreuzberg
 (Oranienplatz/’ehemaliger
Luisenstädtischer Kanal’) im Früljahr
1980 durchgeführten Baumaßnahme
übersende ich Ihnen folgende Korrektur
zu Ihrer 0.a. Veröffentlichung. Im Sinne
des Pressegesetzes bitte ich um Gegendarstellung
 in einer Ihrer nächsten Ausgaben,
 mit folgendem Inhalt
1.) Sie behaupten, es »wurde der Platz bis
zu 2,50 m Höhe rundum eingemauert«.
Diese Behauptung ist falsch. Richtig dagegen
 ist, daß zu keinem Zeitpunkt der
Oranienplatz rundum eingemauert war.
Richtig ist, daß an der Nordseite des Platzes
 zwei im Bau befindliche, abgewinkelte
 Mauerscheiben von ca. 1,50 m Höhe
eingerissen wurden, die als Rankwandelemente
 mit Pergolenaufsatz vorgesehen
waren und nie den Platz rund umschlie:
ßen sollten.
2.) Sie behaupten, »daß die Mauer vornehmlich
 als diskretes Hundeklo diente,
Parkbänke z.T. verschattete« usw.
Diese Behauptung ist falsch. Richtig dagegen
 ist, daß (s.Pkt.1) die Mauer keinem
Hund als diskretes Hundeklo diente und
Parkbänke nicht verschattete, da sie in
der von Ihnen beschriebenen Art nicht
bestand

Mit freundlichem Gruß
Jürgen Zilling

Betrifft 51/52 ARCH*

Aachen, 1.9.1980

Geehrte ARCH* Redaktion,
zunächst einmal uneingeschränkte
Glückwünsche zum Heft 51/52 von
ARCH*: habe ich doch schon beim
Durchblättern soviel Anerkennenswertes
 gefunden, daß in diesen Brief kaum
die Hälfte des Kopfschüttelns paßt, welches
 mich befiel. Bevor ich jedoch ausgewählte
 Höhepunkte hiervon zu Papier
bringe, muß ich Farbe bekennen: gehöre
ich doch zu der Mehrheit der staatsabhängigen,
 harmlos-vertrottelten oder
5öswillig-doktrinären (je nachdem) Naturwissenschaftler,
 die schon beim Aufstehen
 jeden Morgen überlegen, wie sie
mit Kernenergie und ähnlichem Teufelszeug
 harmlosen Bürgern Transurane in
die Augen streuen können. Das entwertet
 gottseidank sämtliche weiteren Aus--führungen
 sofort und ich brauche daher,
da Sie sich ja eine Meinung gebildet haben,
 nicht mit Fakten aufwarten, was
nicht schwierig, aber verlorene Liebesmüh
 wäre

Dies längliche Intro belegt meine objektiven
 Schwierigkeiten, mit meiner Kritik
irgendwo an ARCH* 51/52, dieser - mit
Verlaub - Bonanza des Unsinns, zu beginnen.
 Fangen wir also beliebig an, z.B.
beim Literaturverzeichnis: Daß Erich
Fromm sich die Nähe von Herbert Gruhl
nicht mehr verbitten kann, ist nicht seine
Schuld; daß die methodischen Grundlagen
 der OKO-Studie mehr als wacklig
sind, da sie einen rigorosen Vorgriff auf
nicht nur technische, sondern auch geburtenpolitische
 Maßnahmen bedeuten,
daß die Studie wirklich unabhängig ist,
zumal von belegbaren Zahlen im Bereich
der regenerativen Energiequellen - was
solls; Klaus Traube hat zur Entschuldigung
 des Buches angeführt, es sei ja
schließlich auch im wesentlichen als
zwölfmonatiger Alleingang eines interessierten
 Laien (Dipl.-Chem. F. Krause)
unter Absegnung durch den Rest der Auloren
 entstanden - so sieht es aus (seufz).
Daß der großtechnische und dezentrale
Sonnenenergie-Einsatz in der Bundesrepublik
 Deutschland die doppelte Fläche
des gesamten installierten Straßennetzes
verschlingen würde - wen störts? (Ich seh’
schon den Aufruf zur Bürgerinitiative auf
der 4. Umschlagseite), es sei denn, industrielle
 Fertigungsprozesse werden auf
manufakturelles Niveau herabgeschraubt
 (und waren die Leute damals
nicht glücklich, gell?) oder laufen, ganz
wie in meinen Comics, auf der ’Hamstermit-Wasser-und-Amphetamin’-Basis


Aber näher zum Thema der ARCH‘
was sollte einem Leser eigentlich eher die
Sprache verschlagen: die Reformhaus-Mentalität,
 mit der für ’nicht-chemisierte’
 (was ein Wort wieder!) Lebensmittel -
die dafür wahrscheinlich Vogelmist und
das noch viel gesündere Mutterkorn enthalten
 - plädiert wird? Oder die Unbefangenheit,
 mit der hier die Probleme der luxurierenden
 Stadtrand-Mittel- und Oberschicht
 durch simple Wendung ins ’Okologische’
 im Handumdrehen in ein
Menschheitsproblem transformiert wird:
Der kleinste Kachelofen, den ich kenne
(kein Turm wie im Haus Dr. Flaskamp)
kostet 10 000,--DM, und auch meine bescheidene
 Zwei-Zimmer-Wohnung wird
den biodynamischen Mindestanforderungen
 nicht gerecht: zu meiner Entlastung
 muß ich anführen, daß die Holzfesterrahmen
 sich seit längerem selbst
kompostieren, da ich gewitzt auf °chemisierte’
 Nitrolacke oder Xyladecor verzichtet
 habe. Auch mein nichtexistenter Garten
 enthebt mich all der Probleme, die
mir - nach Dietrich: ’Symbiotische Architektur’
 - durch tieflegen der E-Leitung

NEUERSCHEINUNG:

Freiheit + Gleichheit
Streitschrift für Demokratie und Menschenrecht

Mit dieser Streitschrift sollen Geschichte und Gegenwart der Bundesrepublik im
Spiegel der Menschenrechte als unmittelbar geltende Normen gezeigt werden. Die
gewordene Wirklichkeit der Menschenrechte aufzuspüren heißt aber, sie in den verschiedenen
 gesellschaftlichen Gruppen aufzusuchen, sprich: bei den Majoritäten
und Minoritäten der Bundesrepublik. Die Gefährdung der Grund- und Menschenrechte
 hat viele Dimensionen, vom Betrieb bis zur Polizei, vom ’Atomstaat’ bis zur
Friedensfrage, von der Meinungsfreiheit bis zu den Berufsverboten, von den zahlreichen
 ’Minderheiten’ (Alte, Kinder, Strafgefangene, Obdachlose, Homosexuelle,
Ausländer, Zigeuner ...) bis zur längst nicht verwirklichten Gleichberechtigung der
Frau.
Das Heft 2 der Streitschrift ”Freiheit + Gleichheit” (Oktober 1980) bringt u.a. folgende
 Beiträge @ Roland Narr: Kinder und ihre halberwachsenen Rechte @ Christine
Morgenroth: Arbeitslosigkeit ist grundgesetzwidrig ® Hannelore Narr: Altsein im
gesellschaftlichen Abseits @ Peter Schlotter: Politik der Angst — Rüstung und Ab-‚üstung
 @ Joachim Hirsch: Der neue Leviathan oder der Kampf um demokratische
Rechte @ Roland Roth: Bürgerinitiativen und Sicherheitsstaat @ Dorothee Sölle:
Menschenrechte in Lateinamerika @ Bernhard Blanke: Schutz der Verfassung durch
Spaltung der Demokratie? @ Arbeitsgruppe: Berufsverbote 1979/80 @ Wolf-Dieter
Narr: Verfassungsschutz — Ein Lauschangriff und die Folgen @ Christoph Nix: Strafvollzug
 in hessischen Haftanstalten.
Im Heft 1 (Dezember 1979, aber noch immer aktuell) sind u.a. folgende Beiträge
enthalten @ Wolf-Dieter Narr/Klaus Vack: Menschenrechte, Bürgerrechte, aller
Rechte @ D. Helmut Gollwitzer: Der Kampf für Menschenrechte — heute noch zeitgemäß?
 @ Ute Gerhard/Eva Senghaas-Knobloch: Was heißt Gleichberechtigung ?
® Wolfgang Däubler: Menschenrechte im Betrieb ® Rüdiger Lautmann: Homosexuelle
 als Indiz @ Klaus Horn: Medizinische Versorgung und Menschenrechte ®
Helmut Ortner: Wer bestraft wird, verliert sein Bürgerrecht @ Hans Heinz Heldmann:
Unsere ausländischen ’Mitbürger' @ Ingeborg Drewitz: Die Vergangenheit liegt nicht
hinter uns @ Thomas Blanke: Der ’innere Feind’ in der Geschichte der BRD @ Albrecht
 Funk: Welche Sicherheit schützt die Polizei? @ Ulrich Albrecht: Soldaten und
Demokraten — eine bleibende Differenz ? @ Mechthild Düsing/Uwe Wesel: Die Feste
der freien Advokatur wird gestürmt.
Je Heft 130 Seiten, Magazinformat, fester Umschlag, DM 10,--.
Herausgeber und Bezugsadresse: Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.,
An der Gasse 1, 6121 Sensbachtal (gegen Vorauszahlung; Scheck, Briefmarken,
Bargeld o.ä. beilegen)

und ähnliche Feinheiten entstehen
könnten. Genug. Nur ein Hinweis und eine
 Bitte noch:
Ich finde den Artikel von W. Wagner
über unbekannte Energieformen richtungsweisend;
 nicht des Inhalts, sondern
des Setzers wegen,: der hat die Zeichen
der Zeit erkannt, daß es in Glaubensfragen
 ganz unnötig ist, sich auf so verkopfte
Typen wie den Großen Albert zu berufen,
 und hat konsequent alle Sonderzeichen
 weggelassen:

2 tr
Betrifft: ARCH__ 51/52
Errata:
In der Nummer51/52 wurde. vergessen beim
Artikel »Gesundes Raumklima« (S.55) Helmut
 Bartussek als Mitautor einzusetzen.

Ein Poster
zur Neuen Architektur
(Ausschnitt umseitig)
zeichnete Cord Machens,
angeregt von den Vorlesungen
J. Poseners in Heft 48 und 53
ARCH+
Als DIN A2 Plakat zu bestellen
bei: KLENKES
Oranienstr. 9, 5100 Aachen
DM 6,—

Mögen Formeln wie = c/ fürdie weijere
 erfolgreiche Redaktionsarbeit stenen!
 Bitte seien Sie nur so konsequent,
sich auf die im gleichen Artikel als erste
Referenz auftauchende Literatur umzutaufen:

von ARCH“* auf PSI*'
Klaus Leimkühler
“ne ganz progressive Referenz: A. Stelter:
PSI-Heilung Goldmann (!) 1979

Zum Titelbild:
ADELCHI-RICCARDO
MANTOVANI
"Die sanfte Agonie einer Quellnymphe”

(Öl, 70x90 cm, 1976)
Privatbesitz

Die Druckvorlage wurde uns
freundlicherweise von der
Galerie Taube, Pariserstr. 54,
1000 Berlin 15, zur Verfügung
gestellt.
            
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