Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

CH Schmarsows Deutung der alkäischen Strophe 
eine Periode bildet. In sich aus zwei Hälften zusammen- 
gesetzt, also schon paarig gegliedert, erscheinen sie beide 
dem rhythmischen Gefühl in entgegengesetzter Weise be- 
wegt. Schmarsow empfindet die erste Hälfte wie etwas 
Ebenes, die zweite wie etwas Steigendes, die zweite dabei 
fast rückläufig gegen die erste. Die dritte Zeile hat die 
gleiche Anfangshälfte, bekommt aber durch den gleichen 
Fortgang völlig veränderten Charakter: ermäßigt gegen 
die Daktylen der vorigen, aber doch vorwärtsdringend in 
einheitlichem Zuge, wenn auch mit zunehmender Anstrengung, 
wie mühsam aufsteigend zur Höhe. Gespannt erwarten wir 
die Antwort auf diese ausschließliche Durchleitung‘ der 
Trochäen. Nicht eine Parallele, sondern ein Umschwung 
folgt: die Daktylen des ersten Paares werden aufgenommen, 
aber wie im Niedersturz gegen die soeben erreichte Höhe, 
und das wird zum „Abgesang“ durch die Rückkehr zum 
Ende des Vorgängers, dessen Form durch den Gegensatz 
zu den Daktylen nun völlig anders wirken muß, um sich 
selbst und damit das Ganze abzuschließen. 
Schmarsow legt das Schwergewicht auf die Richtungs- 
gegensätze, die sich ihm fühlbar machen. Und zwar fühlt 
er sie nicht an einer Folge von Worten, die wir als eine 
alkäische Strophe fassen, sondern schon an dem metrischen 
Schema, nicht an einer individuellen künstlerischen Gestal- 
tung, sondern an dem überindividuellen Versinnlichungs- 
versuche einer alkäischen Strophe. Natürlich muß sich 
sein Gefühl an jeder beliebigen alkäischen Strophe etwa 
des Horaz rechtfertigen lassen. Ich führe an (Od. 2,3): 
Aequam memento rebus in arduis 
Servare mentem: (non secus in bonis 
Ab insolenti temperatam 
Laetitia:) moriture Delli, ... 
Die Richtungsgegensätze des „Aequam memento“ und 
des „rebus in arduis“, des „Servare mentem“ und des „non
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.