CH Schmarsows Deutung der alkäischen Strophe
eine Periode bildet. In sich aus zwei Hälften zusammen-
gesetzt, also schon paarig gegliedert, erscheinen sie beide
dem rhythmischen Gefühl in entgegengesetzter Weise be-
wegt. Schmarsow empfindet die erste Hälfte wie etwas
Ebenes, die zweite wie etwas Steigendes, die zweite dabei
fast rückläufig gegen die erste. Die dritte Zeile hat die
gleiche Anfangshälfte, bekommt aber durch den gleichen
Fortgang völlig veränderten Charakter: ermäßigt gegen
die Daktylen der vorigen, aber doch vorwärtsdringend in
einheitlichem Zuge, wenn auch mit zunehmender Anstrengung,
wie mühsam aufsteigend zur Höhe. Gespannt erwarten wir
die Antwort auf diese ausschließliche Durchleitung‘ der
Trochäen. Nicht eine Parallele, sondern ein Umschwung
folgt: die Daktylen des ersten Paares werden aufgenommen,
aber wie im Niedersturz gegen die soeben erreichte Höhe,
und das wird zum „Abgesang“ durch die Rückkehr zum
Ende des Vorgängers, dessen Form durch den Gegensatz
zu den Daktylen nun völlig anders wirken muß, um sich
selbst und damit das Ganze abzuschließen.
Schmarsow legt das Schwergewicht auf die Richtungs-
gegensätze, die sich ihm fühlbar machen. Und zwar fühlt
er sie nicht an einer Folge von Worten, die wir als eine
alkäische Strophe fassen, sondern schon an dem metrischen
Schema, nicht an einer individuellen künstlerischen Gestal-
tung, sondern an dem überindividuellen Versinnlichungs-
versuche einer alkäischen Strophe. Natürlich muß sich
sein Gefühl an jeder beliebigen alkäischen Strophe etwa
des Horaz rechtfertigen lassen. Ich führe an (Od. 2,3):
Aequam memento rebus in arduis
Servare mentem: (non secus in bonis
Ab insolenti temperatam
Laetitia:) moriture Delli, ...
Die Richtungsgegensätze des „Aequam memento“ und
des „rebus in arduis“, des „Servare mentem“ und des „non