Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

In allen Schulferien 1982 ist in Gruppen von 
jeweils 30 Jugendlichen und ehrenamtlichen 
Mitarbeitern (insgesamt waren ca. 100 Perso- 
nen beteiligt) der Evangelischen Schülerar- 
beit in Westfalen ein Werkbereich in Selbst- 
hilfe gebaut worden. 
Der Verein Evangelische Schülerarbeit 
führt Tagungen und Freizeiten im Rahmen 
der außerschulischen Jugendarbeit durch und 
ist Eigentümer der Jugendbildungsstätte 
Berchum (bei Hagen). Der Werkbereich von 
225 m?2, in dem ein Theater- und Versamm- 
lungsraum, ein Töpfer-, Holz-, Metall- und 
Druckwerkstatt geschaffen wurden, ist ge- 
baut worden, da es im Bereich der Jugendbil- 
dungsstätte keine ausreichenden Möglichkei- 
ten gab, technisch-kreativ zu arbeiten. 
1. Auftraggeber, Ziel des Projektes und seine 
Geschichte 
Die Idee, einen Werkbereich zu erstellen, hat 
ihre Geschichte in dem 1978 gefaßten Be- 
schluß des Vereins, die Jugendbildungsstätte 
um einen Anbau mit dringend benötigten 
Werk- und Funktionsräumen zu erweitern. 
Zusammen mit dem beauftragten Architekten 
Stefan Goerner (Köln) wurden auf Tagungen 
die Wünsche, Ideen und Vorstellungen der 
verschiedenen Benutzergruppen erarbeitet. 
Das daraufhin geplante Bauvorhaben 
konnte wegen fehlender Zuschüsse dann nicht 
durchgeführt werden. Der Raummangel be- 
stand jedoch weiter. Deshalb überlegte man, 
den Werkbereich aus Kostengründen in Ei- 
genarbeit zu erstellen. Dem Konzept des 
Selbstbauens entsprach eine Praxis von 
Jugendarbeit, die seit längerem in ihrer Semi- 
nararbeit Hand- und Kopfarbeit zu verbin- 
den sucht. 
Stefan Goerner plante den Werkbereich un- 
ter Berücksichtigung des Selbsthilfeaspektes 
um. Bei der konkreten Konzipierung des Pro- 
jektes war der Optimismus gedämpft, da un- 
klar war, ob genug Jugendliche und ehrenamt- 
liche Mitarbeiter Zeit hätten und bereit wären 
mitzuarbeiten. Aber der Versuch wurde ge- 
macht und das Büro Goerner beauftragte den 
Architekten Thomas Grabski (Köln) für die 
weitere Planung und Bauleitung. 
2. Vier Bauabschnitte 
Osterferien: Ausschachten von Entwässe- 
rungsgräben und 54 Löchern für die Beton- 
punktfundamente, Montage der Holzunter- 
konstruktion als aufgeständerte Bodenplatte. 
1. Hälfte Sommerferien: Verzimmern und 
Aufrichten der Holzskelettkonstruktion. 
2. Hälfte Sommerferien: Aussteifen des 
Skeletts, Montage der Außenverschalung 
(Brettschalung) 
Handwerkerleistung: Montage der Trapez- 
bleche als Kaltdacheindeckung und Horizon- 
talaussteifung. 
Herbstferien: Isolierung des Rohbaues und 
Montage von Spanplatten als Innenverklei- 
dung und zur Aussteifung des Fachwerkes, 
Einsetzen von Fenstern und Türen, Errich- 
tung von Trennwänden. 
Stefan Goerner 
Jugendliche bauen Werkstätten selbst. 
Stellvertretend für alle Beteiligten: Jochen Damke, Susanne Schriegel, Birgitt Julius, 
Dörthe Domke, Günter Dannheim. 
An Wochenenden wurde der Innenausbau 
(Elektro- und Sanitärinstallation, Anstrich 
und Fußboden) zuende geführt. Drei arbeits- 
lose Jugendliche arbeiten seit dem Herbst wei- 
ter und wohnen z.Zt. in der Bildungsstätte. 
gement, Geduld, handwerklichen Kenntnis- 
sen, Einfühlungsvermögen und seiner ganzen 
Person in die Arbeit und die Gruppenprozesse 
einzubringen, war eine ganz wesentliche Vor- 
aussetzung für das Gelingen des Projekts. 
Die Teamer arbeiteten in den Gruppen mit, 
leiteten sie an, erklärten und motivierten die 
Teilnehmer. Sie hatten des weiteren pädagogi- 
sche und organisatorische Aufgaben und ha- 
ben die Bedingungen für ein lustvolles Zu- 
sammenleben, -lernen und -arbeiten ge- 
schaffen. 
Die Gruppe der Jugendlichen bestand 
hauptsächlich aus 14- bis 18jährigen Schülern, 
Auszubildenden und arbeitslosen Jugendli- 
chen. 60% der Teilnehmer waren Mädchen. 
Neben den personelle Voraussetzungen war 
die unbürokratische Verfügbarkeit über den 
Etat eine wesentliche Voraussetzung. 
3. Der Bauleiter, die pädagogischen Mitar- 
beiter (Teamer) und die Teilnehmer 
Die Erfahrungen während des Osterlagers, bei 
dem zwar genug Jugendliche und Teamer mit- 
arbeiteten, aber nur sehr wenige über hand- 
werkliche Kenntnisse verfügten, veränderten 
die traditionelle Rolle des Bauleiters. Er 
mußte über die Funktion des Planers, und 
Bauleiters hinaus permanent auf der Baustel- 
le anwesend sein, den Materialeinkauf organi- 
sieren, selbst handwerklich mitarbeiten und 
alle Arbeitsschritte anleiten. Daß er zu unse- 
rem Glück dazu bereit war, sich mit viel Enga- 
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