Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

Stadtstrukturen (z.B. Entfestigung). beschränkte sich „Stadtplanung” bis 
Bedeutendste Innovation der ersten 1875 weitgehend auf die Aufstellung 
Industrialisierungsphase war die Ei- von Bau- = Bebauungsplänen und da- 
senbahn. Schienenstränge und Bahn- mit auf die Ausweisung von Straßen. 
höfe avancierten zum wesentlichen Bauordnungen regelten das Verhält- 
Element der inneren Struktur der nis zwischen Straßenbreite und Ge- 
Städte. Bahnhofsvorplätze und große bäudehöhe. Bei der Aufstellung der 
in die Stadt führende Hauptverkehrs- Pläne erhielten die Gemeinden in sich 
straßen wurden angelegt, neue Ring- verstärkendem Maße Mitsprache- 
straßen dienten der Verbindung der recht. „Von oben” (u.a. durch die 
Bahnhöfe untereinander. Der Eisen- verschiedenen Institutionen der preu- 
bahnbau veränderte die groß- wie Bischen Regierung) angeordnete Re- 
kleinräumige Nutzungsstruktur der gelmäßgkeiten und übergreifende 
Städte. Man faßte den Städtebau zu- Ordnungsprinzipien ignorierten die 
nehmend als technisches, baupolizeili- „Bodenfrage” und scheiterten genau- 
ches und wirtschaftliches Problem so an den privaten Verwertungsinter- 
auf, baukünstlerische und soziale essen wie die geplante Anlage von re- 
Aspekte blieben anfangs fast gänzlich präsentativen Öffentlichen Plätzen 
ausgeblendet. Die Erweiterung der und Prachtstraßen. Es waren vor al- 
bebauten Flächen erfolgte weitgehend lem privatwirtschaftliche Unterneh- 
an der Peripherie der Städte (insbe- men (Terrain- und Erschließungsge- 
sondere für Wohnzwecke), die Re- sellschaften), die zunehmend die Plä- 
konstruktion der zentralen Stadtge- ne erstellten, genauso wie die Be- 
biete diente primär kommerziellen schaffung von Wohnraum fast aus- 
Nutzungen (Citybildung). Die Funk- schließlich der Initiative privater Un: 
tionstrennung wurde zum Haupt- ternehmer oblag. Infolgedessen präg: 
kennzeichen der privaten Produktion te die private Produktion Struktur, 
der Stadt. Nicht die wachsenden Bo- Aufbau und Erscheinung der Städte 
denpreise erzwangen eine ertragrei- Häufig blieben die Planungen aller- Begräbnis, 1922 
che Nutzung, sondern die mit dem dings ohne Einfluß auf die tatsächli- 
Stadtwachstum zunehmenden Erträge che Besiedlung der vorstädtischen 
hatten den Anstieg des Bodenpreises Areale. Ein wesentlicher Faktor für 
zur Folge. Er erhöhte sich vor allem das enorme Wachstum der industriel- ge berücksichtigt, aufgrund der Viel- Peter Grottian, Wilfried Nelles 
an den Eisenbahnstrecken (Kehrseite: len Großstadt ist die Entwicklung ei- zahl der behandelten Aspekte und der (Hrsg.). Großstadt und neue soziale 
Entwertung des Bodens hinter den nes spezifischen Verkehrswesens. Fülle des ausgebreiteten Materials, Bewegungen. Basel 1983. Birkhäu- 
Bahnhöfen — Proletarierviertel u.a.). Denn erst der Personennahverkehr das durch einen Anhang mit Gesetzen ser Verlag. 297 Seiten. 29,80 DM. 
Englands „Stadtgesundung” — u.a. beispielsweise ermöglichte den öffent- und Erlassen noch ergänzt wird, als 
Verbreiterung der Straßen, Herstel- lichen Massentransport und damit den Standardwerk anzusehen. Die Lei- „In den vorliegenden Beiträgen wird 
lung von Kanalisationssystemen — Standortwechsel der fabrikmäßigen stung der Autoren vermag vor allem anhand theoretischer und empiri- 
und Frankreichs „Stadterneuerung” Produktion und die Trennung von Ar- derjenige zu würdigen, der mühsame scher Analysen diskutiert, ob die 
— Anlage neuer Straßen in den Stadt- beit und Wohnen. Archivarbeit kennt. Die Lektüre der neuen sozialen Bewegungen mit der 
zentren, während die Peripherie sich Die vorliegende Publikation stellt Publikation sei allen voran denen Arbeiterbewegung vergleichbar sind 
„selbst überlassen” blieb — übten grö- die erste umfassende Übersicht über empfohlen, die immer noch — oder und welche möglichen Entwick- 
ßen Einfluß auf die deutsche Städte- die Anfänge des modernen Städte- schon wieder — von einer ästhetischen lungsperspektiven sich zwischen 
baupraxis aus. Paris wurde unter an- baus in Deutschland von 1800 - 1875 Bewältigung der Stadtprobleme der etablierter Politik und neuen sozia- 
derem für Berlin zum Vorbild für die dar. Sie ist, auch wenn man die quali- Gegenwart träumen. 4 len Bewegungen ergeben könnten.” 
Stadtumgestaltung. In Deutschland tativen Unterschiede einzelner Beiträ- Joachim Petsch (aus dem Einbandtext) 
8 I { 
aUMEISTEF. . 
. ist die Zeitschrift mit der Meinung, die nicht immer BIST 
die allgemeine ist. 
. setzt Maßstäbe, verschafft Überblick. 
. die Zeitschrift für Architektur, Planung und Umwelt 
informiert die Leser auch über Themen aus Randgebieten 
der Architektur. 
bringt Bauten, über die man heute spricht und solche, 
über die morgen alle reden. 
läuft keinen Architektur-Moden blind nach, aber berichtet 
kritisch über sie. 
.. verweist auch auf Alternativen und Bewährtes. 
. Baumeister lesen macht Spaß. 
Jährlich erscheinen 12 Hefte. 
Das Vollabonnement kostet DM 24,90 pro Quartal, 
das Studentenabonnement (nur bei Einsendung 
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jeweils zuzüglich Versandspesen. 
Probehefte können beim Verlag angefordert werden. 
Verlag Georg D. W. Callwey Streitfeldstraße 35 8000 München 80
	        

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