Volltext: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 90, 1934)

III. Original-Abhandlungen und Mitteilungen. 
Die Erdbebentätigkeit im Gebiete der Schwäbischen Alb. 
(1. Mitteilung auf Grund der Beben in den Jahren 1928 bis 1934.) 
Mit 12 Figuren, 
Von Wilhelm Hiller, Stuttgart, 
Einleitung. 
Seit den Beben vom 16. November 1911 und 20, Juli 1913 wissen wir 
mit Sicherheit, daß wir im Gebiete der Schwäbischen Alb einen verhält- 
nismäßig regen Erdbebenherd haben. Beide Beben (besonders das erste) 
wurden seinerzeit eingehend bearbeitet, makroseismisch in erster Linie 
von A. Sıeserc und R.Laıs (1) und mikroseismisch namentlich von AuGust 
von Scammrt (2), B. GuTeEnBErG (3), G. REuTLINGER (4), Fürst B. GALITZIN 
(5), A. De Quervaın (6), A. unD S, Moxorovicıc (7). Im Vordergrund der 
Mehrzahl dieser Bearbeitungen stand natürlich die möglichst genaue 
Bestimmung der Herdlage und der Herdtiefe. Entsprechend dem da- 
maligen Stand der instrumentellen Beobachtungen (ungenügende Zeit- 
genauigkeit, kleine Registriergeschwindigkeiten) ist aber die Streuung 
der von den einzelnen Autoren ermittelten Epizentren und Herdtiefen 
recht groß. Das von Aucust von Scumıpr gefundene Epizentrum liegt 
in der Nähe von Gauselfingen, das von B. GuTEnsBEre für beide Beben 
gemeinsam in der Nähe von Ringingen in Hohenzollern (48° 19’ N, 9° 7’ 
östlich Greenwich), das von G, ReutLinGeErR in der Nähe von Laufen an 
der Eyach, das von Fürst B. GauıTzın bei Ödenwaldstetten (Münsingen), 
das von A, De Quervaın 4 km nordnordöstlich von Erpfingen und das 
von A, und S, Momorovıcıc in der Nähe von Jungingen im Starzeltal. 
Das von A, Sızsere und R. Lars makroseismisch bestimmte Epizentrum 
liegt zwischen Pfeffingen und Onstmettingen beim Zitterhof (48° 17’N, 
8° 58’ östlich Greenwich + 5 km). Dieses makroseismische Epizentrum 
und das mikroseismische Epizentrum von G. REuTtTLINGER kommen, wie 
wir später sehen werden, dem wirklichen wohl am nächsten, Auch die 
zahlreichen schwächeren Nachbeben gingen nach den makroseismischen 
Daten alle von der Ebinger Gegend aus. 
Wenn wir nun an Hand der Beben in den nachfolgenden 20 Jahren 
diese Erdbebentätigkeit im Gebiet der Südwestalb näher kennen lernen 
wollten, so mußten wir uns zunächst die Frage vorlegen, ob die Beben 
von einem verhältnismäßig eng begrenzten Herdgebiet und immer etwa 
von derselben Tiefe ausgehen, oder ob ein größerer Teil der Alb oder 
gar die ganze Schwäbische Alb als Herdgebiet in Frage kommt, Die 
Beantwortung dieser Frage hängt natürlich von der Genauigkeit ab, mit 
Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1934,
	        
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