Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

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Baufrösche Kassel HH aosbau ist ein Drama mit vielen Ak- 
teuren, eine Geschichte mit unzähli- 
gen Mißverständnissen, mit guten und 
schlechten Überraschungen, aber, immer 
ist der Schluß der gleiche, sollte es wenig- 
stens sein: aus einzelnen schüchternen 
Bauherren ist eine kräftige Gruppe gewor- 
den, alle ziehen unter ein Dach, und das 
s Ganze ist mehr geworden als die Summe 
Frosc perspektiven seiner Teile. Dieses Fazit betrachten wir 
als unsere Aufgabe von Anfang an. Die 
; Idee, daß die späteren Bewohner ihre Häu- 
- x Zum Hausb au ser selbst entwerfen (und wir ihnen dabei 
nur den Griffel führen) sollen, finden wir 
falsch, ebenso falsch wie die Vorstellung 
der Architekten, sie müßten den Leuten 
ihre Häuser „gestalten”! Wir sind da „hol- 
ländisch”: wir denken einen kollektiven 
Rahmen vor, dessen Nischen die Bewoh- 
ner im Laufe der Zeit ihren sich wandeln- 
den Bedürfnissen anpassen und „gestal- 
ten” können sollen. Wenn es los geht, liegt 
also schon etwas auf dem Tisch. Ein Haus 
mit einem bestimmten Querschnitt, in dem 
'. Häuser unter einem Dach: Selbsthilfesiedlung Dietzenbach. Im Vordergrund der gemeinsame Kleinbus. a Ce 
bestimmte städtebauliche Figur. Gut na- 
türlich, wenn man den Haustyp schon ein- 
mal andernorts so ähnlich gebaut hat. Er 
kann nur noch besser werden. Und die 
Gruppe lernt ihn schneller verstehen, kann 
sich mit seinen Vor- und Nachteilen aus- 
einandersetzen. Ist dieser Haustyp gut und 
das ganze Konzept plausibel und natürlich 
auch noch offen genug, kann sich der Ar- 
chitekt schon an die Baueingabe machen. 
Ohne große Diskussionen sammelt sich die 
Gruppe ganz von selbst um das gemeinsa- 
me Projekt. Man will auch vorankommen. 
Es soll billig bleiben. Man rauft sich zusam- 
men. Man baut ein Haus, mit einem Dach, 
wenn’s geht mit einer Heizung usw. Jetzt 
entwickelt die Gruppe allmählich die ihr 
innewohnenden Kräfte. Man kauft einen 
Kleinbus, einen Bauwagen. Man organi- 
siert ein pompöses Richtfest, gemeinsame 
Kinderbetreuung. Die Gruppe hat viele 
Beziehungen: einer arbeitet beim Dach- 
deckereinkauf. Einer hat Beziehungen zu 
einem Sägewerk. Einer kann kostenlos ei- 
nen LKW ausleihen. Keiner würde je noch 
einmal auf die absurde Idee kommen, für 
sich allein ein Haus zu bauen...
	        

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