Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

EINGANG AUS UBERGANGSRAUM”** 
x „Straßenverhalten“. Wenn sie in ein Haus 
! eintreten, möchten sie dieses Verhalten 
7 natürlich ablegen und ganz in der geborge- 
nen, intimen Sphäre eines Hauses aufgehen. 
Aber dies ist nur möglich, wenn ein Übergang 
von der einen Sphäre zur anderen besteht, der 
z a es ihnen erlaubt, das Straßenverhalten 
VETERAN abzustreifen. Dieser Übergang muß in der Tat 
Und wenn ein bestehender Außenraum zu die Verschlossenheit, die Spannung und 
abgeschlossen ist, dann ist es oftmals möglich, Distanz abbauen, die das Straßenverhalten 
irgendwo einen‘ Durchbruch zu machen und bestimmen, bevor man sich völlig entspannen 
den Raum zu öffnen. kann. Den Beweis dafür liefert ein Bericht von 
Robert Weiss und Serge Bouterline: Fairs, 
Exhibits, Pavillions, and their Audience, 
Cambridge/Mass. 1962. Die Autoren stellen 
fest, daß es in vielen Ausstellungspavillons 
nicht gelang, Besucher „festzuhalten“; die 
Menschen strömten hinein und strömten 
nach kurzer Zeit wieder hinaus. In einem 
und dies ... in dies. Pavillon allerdings mußten die Besucher beim 
Eintreten einen großen, orangefarbenen 
Teppich überschreiten. In diesem Fall blieben 
die Leute länger, obwohl die ausgestellten 
Deshalb: Objekte in keiner Weise attraktiver waren als 
die in den anderen Pavillons. 
Mache alle Außenräume, die von Gebäuden Die Autoren zogen daraus die Schluß- 
umgeben sind oder zwischen Gebäuden folgerung, daß die Besucher im allgemeinen 
liegen, positiv. Gib jedem Außenraum ein noch von ihrem „Straßenverhalten“ bzw. 
gewisses Maß an Abgeschlossenheit durch „Verhalten in der Masse“ beeinflußt waren 
Addition von Gebäudeflügeln, Bäumen, Hek- I daß sie, solange dies anhielt, nicht in der 
ken, Zäunen, Arkaden oder Wegen, die mit .... Welches Gebäude oder welchen Gebäude- Bette ES ehe On ten 
Pergolen überdacht sind, damit er nicht komplex man auch immer baut, man besitzt eine 8 den sgestellten Ubjekten 
z . . 8 z ungefähre Vorstellung von der Anordnung seiner einzugehen. Erst der helle Teppich am 
einfach irgendwohin ausläuft, sondern ein Eingänge - „Toreinfahrt“ (53) zur Erschließung Eingang konfrontierte sie mit einem derart 
eigenständiges Gebilde mit positivem Cha- eines größeren Geländes, „Gruppen von Eingän- starken Kontrast, daß ihr „Straßenverhalten“ 
rakter wird! gen (102), „Haupteingang“ (110) zur Erschließung zerbrach und sie sozusagen „gereinigt“ 
individueller ende In allen Fällen A wurden, mit dem Ergebnis, danach ganz in 
eınen ergangsraum zWiıschen eıner Sr 
tovexe' Formen AANBGFE öffentlichen Welt und einer „inneren“, der Ausstellung aufgehen zu können. 
weniger öffentlichen Welt. Halbversteckte Gärten Michael Christiano machte als Student an 
He können Een On an der University of California folgendes Experi- 
ergangs zu verstärken. vl 
vollen den durch Einwängs und Gärten ment. Er zeigte anderen Leuten Fotos und 
erzeugten Übergangsraum näher betrachten Zeichnungen von Hauseingängen mit mehr 
oder weniger ausgeprägtem „Übergangs- 
x charakter“ und fragte, welche von diesen am 
ihweise ehesten ihrer Vorstellung von einem Wohn- 
abgeschlossen Gebäude, und besonders Häuser, die einen haus entspräche. Es stellte sich heraus, daß 
gestalteten Übergang von der Straße ins diejenigen Eingänge am EA 
Ausb Innere haben, strahlen größere Ruhe aus als N KDESEUM NE aA 
solche, die sich unmittelbar zur Straße hin meiste Zustimmung fand, wurde erreicht über 
öffnen. einen langen, offenen, aber geschützten und 
Das Erlebnis beim Betreten eines Gebäudes überleckten Gans mit Ausblick indie Psrne, 
beeinflußt, wie man sich im Gebäude fühlt. Ist Noch eine andere Überlegung mag die 
Verwende natürlich belichtete Gebäudeflügel der Übergang zu abrupt, hat man nicht das Wichtigkeit von Übergangsräumen verdeut- 
(107), um die Räume zu bilden. Verwende auch mit Gefühl des „Ankommens“, und das Innere lichen: Die Menschen möchten ihr Haus, und 
Pergolen überdachte Spazierwege, Mauern und des Gebäudes wird nicht zu einem Ort der besonders ihren Hauseingang, als eine private 
Bäume, um die Räume, die offen sind, abzuschlie- Geborgenheit Domäne verstanden wissen. Eine zurückge- 
Ben - Baumorte (171), Gartenmauer (173), Wege setzte Haustür und ein Übergangsraum 
unter Pergolen (174); aber achte darauf, daß jeder zwischen Straße und Tür markieren deutliche 
Sayım sich An einen „wien En diese private Domäne. Dies ist auch der 
ıcht als zu abgeschlossen empfindet - as ax * . 
Hierarchie der Aufßlenräume (114). N Verwende beim Grund dafür, daß Vorgärten so beliebt sind, 
Schaffen der Raumgestalt Gebäudefronten (122), auch wenn sie oftmals gar nicht genutzt 
und vervollständige den positiven Charakter des werden. Byril Bird fand heraus, daß 90% der 
Freiraumes durch die Schaffung kleinerer Berei- Einwohner einer Siedlung ihre etwa sechs 
che an der Sockelzone der Gebäude entlang, um so Meter tiefen Vorgärten für gerade ausrei- 
die Wertinkei CS SER De Sen chend oder sogar zu klein hielten, aber nur 
mit der der Gebäude - Grenzbereich zwischen 15% davon nutzten die Gärten jemals als 
Gebäude und Umgebung (160). Berücksichtigt ist . ATZE € $ 
dieses Pattern Auch bei N ehe Innenhöfe (115), Ha CAT BED 
Dachgärten (118), die Gestalt von Wegen (121), in.ab Zi kein Übe udy of Kadburn Type Housing, in Heme 
Räume im Freien (163) und wildwachsender ein abrupter Eingang - kein rgang Hempstead, RIBA final thesis, 1960.) 
Garten (172) Bislang haben wir vor allem über Häuser 
Die tolgenden Überlegungen mögen dazu m. Aber wir glauben, daß diese 
beitragen, dies zu erklären. Solange sie auf berlegungen auf eine Vielfalt von Eingän- 
der Straße sind, entfalten Menschen eine Art gen anwendbar sind. Sie betreffen sicherlich
	        
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