Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

Wolf Meyer-Christian 
Nun also doch - man spricht darüber. Und viele Fragen, Kau- Das ’System’ 
fen oder Leasen? Welches System? CAD, da sind wir doch ei- . 
gentlich zuständig? Ist programmieren schwer? besteht aus einem Kasten mit Elektroanschluß, einem Nah- 
Erfindungen werden gemacht, wenn sie gebraucht werden. seher mit Schreibtastatur, einem Drucker, und möglichst 
Die Erfindung der EDV liegt 40 Jahre zurück, die Entwick- vielen und guten Programmen. 
lungen zu den heutigen Systemen hin haben in den letzten 30 Die Programme sind was der Name sagt, geordnete Abläufe: 
Jahren stattgefunden, weitgehend in den USA. Eine gern als Daten, die irgendwann über die Tastatur eingegeben worden 
Marktführer bezeichnete Firma hat 1983 in Europa fast 11 sind, sollen in gewollter Reihenfolge ausgesucht, verändert 
Mrd Dollar umgesetzt, Siemens als drittgrößter 1,4. Stürmisch (oder nicht), und ausgegeben werden. 
entwickelt sich das jüngste Kind, die Microbranche: in der Der E-Kasten besteht aus einem Rechenwerk (dem zentralen 
BRD standen am Jahresanfang 1 Mio ’Anlagen’, in diesem Prozessor, CPU), einem Arbeitsspeicher, und meist zugehörig 
Jahr werden 650 Tausend dazukommen, 1986 werden es 2 Mio. einem oder mehreren externen Speichern. Speicher sind wie ein 
sein. Das Wachstum auf diesem Gebiet soll aber, so Diebold, Rechenblatt, Räume mit nummerierten Zellen. In jede Zelle 
noch mindestens 4 Jahre lang bei über 30% bleiben, denn Ge- paßt ein Buchstabe oder eine Zahl. Für große oder Zahlen mit 
werbe und Mittelstand haben sich bisher zurückgehalten. Komma nimmt man mehrere benachbarte Zellen. Der Arbeits- 
Die kleineren Unternehmen sind demnach nicht die gewe- speicher ist der, aus dem heraus und in den hinein die CPU ar- 
sen, von denen die bisherige Entwicklung getragen wurde; sie beitet, die den eigentlichen Computer darstellt. Wird der E- 
haben also, grob vereinfacht, die enormen Kosten gespart, die Kasten, die Zentraleinheit (ZE) abgestellt, sind alle Program- 
für diesen Fortschritt aufzubringen waren, für Lochkarten- me und Daten im Arbeitsspeicher verloren; um dies bei Strom- 
systeme mit schwerer Mechanik, für einfache Programme in zu ausfall oder Blitzschlag zu verhindern sind alle größeren Anla- 
schwierigen Sprachen, für aufwendige Schulung, Bedienung gen über einen Akku an das Netz angeschlossen. 
und Wartung. Können sie nun froh sein, haben sie überholt Externe Speicher sind eigene mechanische Baugruppen 
ohne einzuholen? (’Laufwerke”). Sie schreiben oder lesen auf magnetisierbare 
Die Rechnung der Großen sieht ganz anders aus, und geht Träger (Band oder Platte ) - die Daten werden durch die 
bald auf. Sie haben ihre umfangreiche Verwaltung maschini- Magnetisierung zu einem dauerhaften und doch änderbaren 
siert, die Leistungskontrolle des Einzelnen neu aufgebaut, zu- Muster. Nach Abschalten der Anlage bleiben die Daten, das ist 
nehmend Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen geschaffen, der Zweck der externen Speicher, sehr wohl erhalten, sie kön- 
haben die eigene Entwicklungstätigkeit verstärkt, und den wis- nen sogar mit dem Datenträger aus der Maschine genommen 
senschaftlichen Fortschritt schneller erkannt und umgesetzt. und auswärts gelagert werden (Sicherung). Freilich kommt der 
Die Kosten aber waren in den langen Aufbaujahren wohl zu Rechner (die CPU) an die Daten in dem externen Speicher nur 
tragen, durch andere. auf dem Umweg über den Arbeitsspeicher heran, in dem sie erst 
Nach dieser Veränderung sind sie nun Wirtschaftsträger ge- gelesen werden müssen. Über den Grund dafür etwas später. 
worden, die sich nicht einfach nur durch ihre Größe von den Mit ’Daten’ sind hier nicht nur die Eingaben des Benutzers 
anderen, bisherigen unterscheiden. Es ist auch nicht allein der gemeint, sondern auch die Programme, die diese Eingaben ver- 
tiefgreifende Umbau der inneren Verwaltung, mit der sie nun arbeiten sollen. Beide sind als ’Dateien’ auf dem Datenträger 
ohne vergrößerten Überbau in höhere Umsatzklassen vorsto- abgelegt, und können nur unter ihrem Namen aufgerufen 
ßen. Es ist vielmehr ihre neue Fähigkeit, bisher nur unzusam- werden. Dabei unterscheiden sich Band und Platte wesentlich. 
menhängende Marktaussagen zu erfassen und auszuwerten So wie man im Heimkino auf die bestimmte schöne Stelle nicht 
sowie die andere, sich planerisch und ggf. fertigungstech- direkt zugreifen kann, sondern an den Anfang spulen muß, 
nisch schnell einzustellen und Nischen tiefer auszufischen. dann im Schnellauf einzelne Stellen sucht bis zum Finden, so 
Damit wachsen den größeren Unternehmen ’gestalterische’ kann auch das Band nur sequentiell gelesen werden. Schwie- 
Kräfte am Markt zu. Deutlicher als je zuvor ist neben die riger noch wird das beim Rückschreiben, weil die rückzuschrei- 
Größenteilung zusätzlich die nach Arten getreten. } bende Datei vielleicht länger geworden ist, und nun die folgen- 
Ist hier eine Entscheidung gewollt, eine Wahl überhaupt er- de Datei überschreiben müßte - im Microbereich gibt es meist 
kannt worden? Mindestens ’unten’ bei den kleinen Mitgliedern nur Platten, und auf die wird unzusammenhängend (in 128 
wohl nicht. Ihnen hat ja nicht nur das Kapital gefehlt für An- oder 256 Stellen langen ’Sektoren’) geschrieben, wo gerade ein 
schaffung und Unterhalt, sondern auch die Einsicht, und der freier Sektor sich findet; der Benutzer merkt dabei von der 
Bedarf. Und dies alles hat sich nun geändert. ’Plattenverwaltung’ nichts. Erwähnt sei noch eine Verschieden- 
Was aber soll sich jetzt bei Architekten geändert haben? Ei- heit der Plattenausführung in diesem Kleinbereich, die leicht 
gentlich auch alles. Die EDV-Preise sind vorstellbar geworden, wechselbare ’Floppy Disk’, und die größere, schnellere, sichere, 
ohne in einem ausstattungslosen Beruf die Lustschwelle zu un- aber bisher meist nicht wechselbare ’Festplatte’. . 
terschreiten; diese Lust ist die ledige Mutter der Einsicht. Und Will man also mit der Anlage arbeiten, so schaltet man sie 
auf der Bedarfsstelle ist bei über 40 m? pro Kopf auch wesentli- ein, liest das Programm von der Platte, das dann die Benutzer- 
ches schon geschehen, und es muß auf neue, d.h. alte Ideen dort daten vom Bildschirm (BS) abfordert oder, wenn schon vorher 
gesetzt werden - bleibt also die Frage, ob die auch EDV-ge- eingegeben, von der Platte liest. Die Abforderung von Fall zu 
recht sind. Fall nennt sich ’interaktiv’, das andere ’Batch-Verfahren’. In- 
Was tun? Möglichst nichts: denn nirgendwo so deutlich wie teraktiv angelegt werden Programme, die wenige oder nur Ein- 
hier, auf dem Felde der Datenverarbeitung zeigen sich die Fol- maldaten verarbeiten. Dabei kann über solche Zwischenfra- 
gen von Fähigkeiten und Konzepten. Dieser Beitrag soll des- gen’ des Programms auch eine Programmsteuerung selbst vor- 
halb nicht den modernen Verbraucher an die ’neuen Möglich- genommen werden, etwa bestimmte Unterprogramme aufge- 
keiten’ heranführen, sondern ihm Mut machen, irgendwo nach rufen werden, wie bei der zunehmend beliebter werdenden 
Lust anzufangen und daraus einen Weg zu Fähigkeiten wer- ’Menuesteuerung’. ’Im batch’ dagegen werden bestehende und 
den zu lassen. Erst die Fragen, die sich dann stellen, führen 'laufend gepflegte’ Kundendateien (etwa auf säumige Zahler, 
weiter. monatlich) durchsucht. 
m
	        

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