Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

FENSTERPLATZ”* 
1. Eine Pergola hebt den Weg, den sie Es ist schwierig, einen solchen „Platz“ 
überdeckt, besonders hervor; bei einem genau zu beschreiben. Es handelt sich dabei 
längeren Weg läßt sie diesem Abschnitt, der im wesentlichen um einen teilweise umschlos- 
besonders schön ist und zum Spazierengehen senen und eindeutig identifizierbaren Ort 
einlädt, mehr Gewicht zukommen als dem innerhalb eines Zimmers. In diesem Sinne 
Rest des Weges können die folgenden Elemente als „Plätze“ 
verstanden werden: das Erkerfenster, ein 
Sitzplatz am Fenster, eine niedrige Fenster- 
bank mit einem bequemen Lehnstuhl dane- 
ben oder eine tiefe Nische mit Fenstern rings- 
herum. Um dieses Konzept des Fensterplatzes 
noch mehr zu verdeutlichen, führen wir hier 
einige Beispiele auf mit einer kurzen Beschrei- 
bung ihrer wesentlichen Eigenschaften. 
Ein Erkerfenster ist eine nicht sehr tiefe, 
von Fenstern umgebene Ausbuchtung, die 
Die Pergola durch recht intensiven Lichteinfall und den 
gibt einem Freiraum Gestalt. Ausblick aus den Seitenfenstern als „Platz“ 
wirksam wird, aber auch durch die Tatsache, 
2. Beim Definieren eines Außenraumes daß man ein paar Stühle oder ein Sofa in die 
kann die Pergola fast als Wand angesehen Nische hinein stellen kann. 
werden, da die Räume, die von einem mit 
einer Pegola überdeckten Weg umgeben sind, 
das Gefühl von Geschlossenheit hervorrufen. 
So kann z.B. ein Weg, der von einer Pergola 
übrdeckt ist, einen großen Außenraum 
schaffen, indem er ganz oder teilweise einen 
Garten umgibt. 
... dieses Pattern hilft dir dabei, die Anordnung der 
Deshalb: Fenster, die schon in den Patterns Eingangsraum 
(130), Zen Blick (134), Licht von zwei Seiten (159) 
Wo Wege einen besonderen Schutz brauchen Pd En OH nd N % N Pat Ein Erkerfenster 
oder wo sie einen gewissen Grad an Intimität in jedem Zimmer mindestens ein Fenster so Ein Sitzplatz am Fensterästietwasbescher. 
benötigen, da errichte über dem Weg eine gestaltet sein, daß seine Benutzbarkeit als Raum qoner nicht viel mehr als eine Nische, die 
Pergola und lasse Kletterpflanzen an ihr ermöglicht wird gerade für einen Sitzplatz tief genug ist und 
hochranken. Eine Pergola definiert zu ihren soviel Platz bietet, daß eine Person, an die 
beiden Seiten die Gestalt der Außenräume. +. Laibung gelehnt, darin sitzen kann, oder zwei 
Personen, die sich in ähnlicher Weise gegen- 
übersitzen 
Jeder Mensch hat eine Vorliebe für Fenster- 
plätze und Erker, aber auch für große Fenster 
x mit niedrigen Fensterbänken und bequemen 
>> . 
VE Sesseln, die davor stehen. 
Pergola . : bb. 
7 1 1 Man kann sich diese luxuriösen Plätze, die 
zz nicht mehr gebaut werden und die wir uns 
{ A. la auch leider nicht mehr leisten können, immer 
Zn % noch sehr gut vorstellen. ; . 
SI WR Bez Die Sache ist recht ernst. Diese Fenster, die 
DA in ihrer Nähe einen „Ort“ entstehen lassen, 
UN sind keineswegs überflüssiger Luxus, diese 
Fenster sind notwendig. In einem Zimmer, in 
dem es keinen solchen Fensterplatz gibt, kann Ein Sitzplatz am Fenster 
man sich niemals richtig wohl und rundum . ENT SOWRAAHS FE 
zufrieden fühlen, sondern man befindet sich ‘ OS niedr ee ENSIET, Dal ist die Ne 
aufgrund irgendeines ungelösten Konfliktes St Form eines Fensterplatzes. Sie darf nicht 
N viel höher als 30-35 cm sein. Ein bequemer 
unter ständiger Anspannung. Sessel, am besten mit hoher Rück d 
Betrachte die Stützen, die die Pergola tragen, Wenn ein Zimmer keinen Fensterplatz hat, Ch itel AO) rn Gefü 6ACN- UN 
ebenfalls als Elemente, um Plätze zu schaffen - wird man sich immer zwischen zwei Kräften rmlehne, vermittelt ein Gefühl der Um- 
Bänke, Vogelhäuser - Säulenplatz (226). Pflastere hin- und hergezogen fühlen: zum einen schlossenheit 
den Pfad mit lose verlegten Steinen - Bodenbeläge öcht ich hinsetzen und es sich 
mit Fugen zwischen den Steinen (247). Kletter- MOL EIN SIE nn x 
pflanzen und eine fein detaillierte Pergola tragen bequem machen, zum anderen fühlt man sich 
dazu bei, auf dem Weg darunter besonders weiches vom Licht angezogen. s 
und gefiltertes Licht zu schaffen - gefiltertes Licht Wenn jetzt also die gemütlichen Plätze, an 
(238), Kletterpflanzen (246) .. | die wir uns am liebsten zurückziehen würden, 
vom Fenster entfernt liegen, dann kann dieser 
Konflikt nicht gelöst werden. Es ist also 
offensichtlich so, daß unsere Vorliebe für 
Fensterplätze eher auf eine Intuition zurück- 
zuführen sind, die dem natürlichen Wunsch 
entspringt, den auf uns wirkenden äußeren 
Kräften freien Lauf zu lassen. Deshalb wird 
ein Zimmer, in dem man sich richtig wohl 
fühlt, immer irgendeine Art von Fensterplatz 
enthalten. niedrige Sitzbank 
le:
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.