Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

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Selbsthilfe und Nachbarschaft 
im Blockverbund 
Neue Trägerformen im Block 103 in der Kreuzberger 
Luisenstadt 
Endlich — im Berichtsjahr 1984 der Von der Idee her sollten qualifi- 
3Zauausstellung Berlin — kann ein BU LEGENDE zierte Mitarbeiter eines jeden Hau- 
iber Jahre gegen alle Widrigkeiten SCHEN A SELBST ORGANISIERTE ERNEUERUNG ses im Blockbüro gemeinsam die 
‚on den Bewohnern und der IBA — an ale Prioritäten, die Ablaufplanung und 
Stadterneuerung getragener Ent- LANGER SE die konkreten Maßnahmen hand- 
wicklungsprozeß einer bewohnero- RUSSEL werklicher Erneuerung vorbereiten, 
ientierten „behutsamen Stadter- : dem Blockrat zur Zustimmung vor- 
1euerung” im Modellblock 103 in die legen und nach dessen Votum orga- 
Phase öffentlicher Förderung und NO. n ENTLCHER nisieren und abwickeln. 
damit der notwendigen Instandset- FÄHRE LPLATZ In der Praxis ist noch nicht jedes 
zung eintreten, k Haus selbstständig im Blockbüro 
STATTBAU als zweiter „alterna- EHEN vertreten, so daß die Gefahr von 
tiver Sanierungsträger” in Berlin UND NACHBAR Stellvertreterpolitik durch „Funktio- 
4 J B P 
dekam im Herbst den Zuschlag des SCHAFT 2 näre”, die in Teilbereichen ohne 
Bausenators für 12 Grundstücke im Bewohnervotum entscheiden, gege- 
Block, auf denen sich eine Vielzahl ben ist, 
von durch öffentliche Untätigkeit EIGENTÜMSE Das Blockbüro hat — und das ist 
gefährdeten IBA-Vorhaben aber die erstaunlichste Leistung seit der 
auch Instandbesetzer-Selbsthilfepro- Fr nn STATTBAU-Trägerschaft -— die 
jeden befinden. STATTBAU soll BLOCK 103” KREUZBERG wuGE AL) FAEMET Fr „Winterfestmachung 1983” für die 
nach Bewohnerauffassung als weit- ER Zn Mehrzahl der Häuser geplant, orga- 
gehend förmliches Dach und Zwi- BEWOHNER PLANEN UND BAUEN SELBST KREe nisiert und abgerechnet. Dabei and 
scheneigentümer die Weiterentwick- INNERHALB UND AUSSERHALB IHRER HAUSE Bea bisher ca. 120 000,- DM in 8 Wochen 
lung der Bewohnerselbstverwaltung beauftragt und mit den ausführen- 
; ;  Sthilfa Die Skizze zeigt die wesentlichen auf den Block 103 verteilten Gemeinschaftseinrichtungen. alhe x } 
Tafan ‚an dwerklichen Selbsthilfe 1984 ist geplant. die Blockerneuerung zusammen mit Chr. Alexander in Angriff zu nehmen. NS Sn aan d werke EDDe Cohn 
worden. Per Vertrag STATTBAU 
n SVers| en, teils weil das Prinzip „alle — SUN e.V. wird diese Arbei Ss 
ilesal — um „kaputte Stadt zu Hausversammlungen men, teils we 1 pP, e.V. wird diese Arbeit des 
Peiten” „Kap Sta N machen alles” und die Frage der _Blockbüros in 1984 fortgesetzt und 
Bei T Von Sa SEE HT SEEN nicht um die nächste Phase der Blockent- 
Bis zum Oktober 1983 st _ men betroffenen Häusern im Bloc geklärt ıst bzw. einer Benennung wicklungsplanung erweitert werden, 
genommen die N ubstanzerhaltend: en findet vor Beginn von Baumaßnah- entgegenstehen. sofern ein Votum der Bewohner 
und gebrauchswertverbessernden men des Eigentümers eine ausführli- Jedes Hausplenum entsendet dafür vorliegt. Davor liegt allerdings 
Maßnahmen v.a. der instandbeset- 16 Diskussion der Bewohner unter- ebenflls mindestens 1 Mitbewohner noch die Diskussion um die „Profes- 
zenden Selbsthilfegruppen illegal. zinander über die Sanierungsmaß- In den „Blockrat” sionalisierung” Einzelner gegenüber 
Dazu zählten die Einrichtung von nahmen statt, um die eigenen Wün- der großen Zahl der Bewohner, 
zwei hausnahen Kindertagesstätten sche, die Mietzahlungsfähigkeit bzw. +4 „Blockrat” einem Problem, das durch den 
‘mit 20 Plätzen), die Umnutzung Miete nachher und etwaige Selbst- „Erwartungsdruck” bei STATT- 
Sner Fabrik für Kiezkultur. zwei hilfe zu klären. Über die Ergebnisse per Blockrat ist ein aus der Instand- BAU eher noch verschärft werden 
SE mehrere im Aufbau on KRONE EN  dC daß besetzerbewegung entstandenes Wird 
befindlich: ie. Cm ager als dıe ver- wÖöC i endes i S- . 
A A bindlichen Planungs- und Maßnah- Sa Tıh Tür alle Hügser des Block Perspektiven 
Jegrünung von Gemeinschaftsflä- mengrundlage übermittelt wird. Im verbunds. (Der Blockverbund 5. Baukooperative: „Freie 
“hen in den Höfen und im Block- Block 103 haben seit 1980 mehrere v56zjeht sich auch auf Häuser außer- * Kreuzberger Bauanstalt” 
kern. In die Erhaltung des Wohn- hundert Hausversammlungen statt- — yalb der räumlichen Grenzen von RE 
und Gewerberaums flossen bis dato gefunden, der Großteil der Bewoh- Block 103.) Trotz seiner Regelmä- Mit der Zunahme der Aufgaben 
ca. 60000 Arbeitsstunden und 26T IM Sanierungsbedürftigen Häu- ßigkeit ist der Blockrat immer noch werden Hausverwaltung und bauli- 
200 000.- DM Materialkosten. Prak- ch tagt wöchentlich oder monat in Spontanzusammenschluß der che Erneuerung zunehmend selb- 
tisch gegen weiteren Verfall gesi- !ch jeweils Anwesenden aus den Häu- ständige „Abteilungen” werden, Als 
chert, wo möglich EN . sern. Es gilt auch hier trotz teilweiser Modell für den letzteren Bereich und 
und die Qualitäten der Altbauten 7” FEigentümerunabhängige Entscheidungsfähigkeit das Konsen- Konzept für die Kooperation von 
nach eigenen Bedürfnissen neu Mieter-/Selbsthilfeberatung sprinzip. Inhaltlich werden hier Handwerkern, Architekten und 
genutzt — gegen latenten Entmie- ıausbezogen und übergreifend alle Selbsthelfern ist bereits Ende 1982 
tungsdruck bei‘ den verbliebenen Mit der anstehenden Erneuerung Fragen der Instandsetzung, z.T. für die Freie Kreuzberger Bauanstalt 
Mietern und Räumungsgefährdung wird in jedem Haus eine vom Eigen- 2emeinsame Beschaffungen (Win- vorgesehen worden. In der Ver- 
ıei den Instandbesetzerr tümer unabhängige Mieterberatung terkohlen-Aktion, Materialbeschaf knüpfung von Planung und Durch- 
durch „Mieterberater des Vertruens {ung etc.) erörtert. ns So ae I 
Bn ; _ der Bewohner” durchgeführt. Dies Mit der Bestellung von STATT- rbeit und Ausbildung CNISIENEN 
Des „Demokratie als Bau unabhängige Beratung Ist früher von BAU wurden — dazu gegensätzlich And ein Ort für die handwerkliche 
; EDEN Mieterberatern im GE AO SERD EN Beratung von Selbsthilfe-Gewerke- 
arallel SC substanz- Siez durchgeführt worden und ab Müng (Im AuUISIC tsrat) und die Ein- 8FuppCn. . . 
Faralle Zu der praktischen Substanz“ 10987 dann als eine der Grundforde- zelbehandlung von Häusern in der Planung, _Arbeitsvorbereitung, 
erhaltenden Arbeit an den Gebäu-  Sani ; : 
Ten bildeten sich aus gemeinsamer ||| Ungen der Mietervertretungen insti- SED nE U Da die Ver- a und u Eee Board 
1 1 ; ” _ utionalisiert und d.h. auch öffent- abe von Mitteln beim Sanierungs- ung SoVen von Cieser SIEHE KaOTON 
En ich finanziert worden. Für Hausge- !räger liegt und unmittelbar an die-  Mert werden. Weiterhin soll die 
Dasisdemokratische Instanzen und _Meinschaften mit Selbsthilfeschwer- cs Vorgehen geknüpft wird, ist der Kreuzberger Bauanstalt ein Mate- 
hi er punkt wird im Block 103 z.Z. analog Blockrat als gewachsenes Konsens- riallager für die preisgünstige Wei- 
Jurch diese Perspektivvorstellun- E ; 
sen. die als Formen der Selbstorea- 16m obengenannten eine Selbsthil- Gremium der Bewohner stark durch tergabe von Baustoffen und von 
Alsation auch unter dem Dach des 'eberatung vorallem für die bau- vie neue Tendenz gefährdet. Das Recycling-Materialien beherbergen. 
neuen. Sanierungsträgers STATT- Graktischen (rasen als Instanz OBEN N OELE N STATIN U ehr oder Tat sich des Bert sbild er ar 
K Sn . egt wird mit STATTBAU mehr oder hat sıch das Berufsbild eines gewer-” 
BAU weiterentwickelt werden soll- weniger bewußt wirksam keübergreifenden „Anstandsetzers” 
Faktisch sind die im folgenden 3. Hausbeauftragte / Haus- EEE SS EI KA 
aufgeführten Instanzen und Per- warte / Handwerker >. „Blockbüro” im SUN e.V. zeitig demonstrative  ‚Gegenplanung 
spektiven nicht in die Satzung und aegen einen spekulativen Woh: 
Arbeit der STATTBAU GmbH ein- Da die laufende Instandhaltung und Das Blockbüro ist formell Teil des  ungsneubau eines anderen privaten 
ES ist eher eine negativ zu Bewirtschaftung eines Hauses Ööko- Trägervereins der Bewohner und Sanierungsträgers, Für die Kreuz- 
sehende Konkurrenzsituation ent- „omisch nur von im Hause wohnen- wurde noch vor der Übernahme der berger Bauanstalt ist eine Gesell- 
standen. Da die Elemente der den Personen zu leisten ist, werden 13 Häuser durch STATTBAU schaft mit beschränkter Haftung in 
Bewohnerselbstverwaltung . aber von der Hausversammlung ein oder gegründet, um entsprechend dem Gründung, die von Fachleuten des 
Jeichzeitig auch Bestandteil des mehrere Bewohner benannt, die Anspruch der Bewohner die Haus- Vertrauens initiie d betrieben 
MC C } % ertrauens initiiert und betrie 
BA-Verfahrens und Modell für ‚Jiese Selbstverwaltungsaufgaben selbstverwaltung und handwerkliche werden soll, als dessen alleiniger 
Bewohnereinrichtungen an anderer übernehmen. . Selbsthilfe gemeinschaftlich in Gesellschafter aber vorläufig der 
Stelle in Kreuzberg und darüberhin- Z.Zit. sind Beauftragungen in den einem Büro vor Ort zu bearbeiten Irä ind @ C E 
EC Cr Zt  DEGWTTA c MC ägerverein der Bewohner vorgese 
zus sind. werden sie hier vorgestellt: Häusern erst teilweise vorgenom- und zu organisieren Jen ic
	        

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