Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

lie nicht widerlegbar ist - die Vorahnung der 
Gefangenenschaft, in der man sich beiden Manfred A. Kovatsch 
würde — das ängstliche Schielen bei jedem 
Architekturerlebnis, ob das Urteil richtig ist, ° ; 
das im Grunde nur von einer Person bestätigt M d 
werden könnte ... Ist es das, wohin die Ent- 33999 von ustern, 1e einen 
wurfskontrolle durch das Herz führt? Kann °o ° 99 
ich wirklich Farben danach prüfen, ob sie gewöhnlichen Ort lebenswert machen 
mein inneres Licht berühren? Kann ich mit 
mir selbst in Frieden sein? Kann ich alle Ent- 
urfsergebnisse mit geschlossenen Augen . x 
hen: Kann ich schaffen wie die N Natur? Is Notizen zu Christopher Alexanders „Pattern Language””* 
des Menschen „zweite” Natur nicht, zu 
reflektieren und sich möglicherweise unna- 
türlich zu verhalten? Und gibt es nicht auch „Alexander should go on to build and by so Problems (pattern of a problem) und dem 
sine Architektur für schlechte Menschen, ja doing, accept responsibility for his analysis. Prozeß des Entwerfens sah, bilden zusammen 
von schlechten Menschen? Kann ich meiner Team 10 are all builders by nature and tend to mit dem um ein Jahr früher erschienenen 
Individualität, ja meiner Eitelkeit entsagen — be nervous — if not suspicious — of those who ‘Community and Privacy’ das erste Manifest 
und dafür in Anspruch nehmen, das Naturge- proceed from one research to another ”“) einer Bewegung, dem Entwerfen eine ratio- 
setz zu vertreten? nale Basis zu geben. Beide Arbeiten sind in 
Zweifellos kann man Teile beispielsweise D iese Art der Kritik, von denjenigen der Harvard entstanden, erregten erhebliches 
des „Linz Cafes” so lesen. Ich weiß nicht, ob Profession, die bauen, gegenüber Aufsehen und verursachten heftige Kontro- 
es eine Alexander-Gemeinde in diesem Sinne denen, die „nur” schreiben bzw. forschen, ist versen. 
gibt; aber man könnte sich eine vorstellen. nicht untypisch. Der Grund für die oben Ein wesentlicher Teil von Community and 
gemachten Bemerkungen waren Alexanders Privacy’ beschäftigt sich mit dem Problem des 
Erläuterungen zur Reorganisation eines städtischen Wohnens. Es wird nach einem 
Der zeitlose Weg des Bauens in Alexanders landwirtschaftlichen Dorfes für ca. 600 _Ordnungsprinzip gesucht, „mit dessen Hilfe 
Verständis ist jedem zugänglich, dem Laien Bewohner in Indien („The Determination of eine physische Umwelt geschaffen werden 
sogar eher als dem Professionellen. Er setzt Components for an Indian Village”). Diese kann, in der der Stadtmensch sein Meichpe” 
die Überwindung des Sündenfalls voraus; Ausführungen wurden 1964 in das Buch wicht wiederfindet””. Mit funktionalen 
also die Überwindung aller Verbildung. Aber Notes on the Synthesis of Form’ aufgenom- Schlüsselbegriffen wie „Raum und Landnut- 
schon die zur Erkenntnis und Anwendung men. zung”, „Probleme des Schutzes”, „Kommu- 
der Patterns notwendige, aufs Architektoni- . 8 nikation”... wird der Versuch unternommen, 
sche ausgerichtete Lebenserfahrunghg, umso Erste entwurfsmethodische Ansätze für das Problem der Verknüpfung von öffent- 
mehr jene gedankliche Freiheit von falscher | lichen und privaten Bereichen von Häusern 
Theorie, die wieder nur durch Denken zu Diese ’Notes’, deren Hauptaufgabe Alexan- und Hausgruppen zu einem rationalen 
erreichen ist, bedürfen eines langes Weges, der im Aufzeigen der tiefen, strukturellen Lösungsansatz zu kommen. Diese Katego- 
eines aüßeren, aufs architektonische Metier Korrespondenz zwischen dem Muster eines rien werden auf einer nächsten Stufe durch 
ausgerichteten, und eines inneren, der künst- 
jerische Muße erfordert. 
Muß hingegen ein Partizipationskonzept 
nicht‘ auch jene einschließen, deren Herzen 
Mördergruben sind? Muß ein Architektur- 
konzept nicht imstande sein, alles hereinzu- 
nehmen, was uns umgibt, alles Klischeehafte, 
Verlogene, Vorgefertigte, muß es nicht 
imstande sein, ausschnittweise auf das ästhe- 
tische Urteil, das ein moralisches ist, zu ver- 
zichten? Muß es nicht einen Sinn für das 
Unerwartete, Absurde, den Regeln Wieder- 
sprechende haben? 
„Wer heute Lebendiges schaffen will, der muß 
all das aufnehmen, was heute lebt. Den gan- 
zen Geist der Zeit, samt ihrer Sentimentalität 
und ihren Übertreibungen, samt ihren 
Geschmacklosigkeiten, die aber doch eg 
stens lebendig sind; ... — Deshalb wird die 
neue Baukunst aus dem ganzen Ungeschmack 
unserer Zeit, ihrer Verworrenheit, ihrer Bunt- 
heit und Sentimentalität geboren werden, aus 
allem, was lebendig und empfunden ist: End- 
Ver die Kunst des Volkes. nicht die Kunst fürs 
Volk.” 
/ « 1907 wurde durch das aktive Eingreifen von Mit- Bernard Maybeck , ca. ; 
(Frank: Architektur als Symbol, 1930) gliedern des Hillside Clubs das Fällen Den kalifor- Maybecks N Sud 02 pm ES ae DU 
Es scheint mir, daß man, um Alexander nischen Eiche verhindert. Der Baum steht heute Don übliche N A RR TEE 
wirklich nachzufolgen, etwas von beiden noch mitten in.der Straße spannten Drähten, auf die in ZemERIMICK olauch: 
Wurzeln aufgeben müßte, die heute eine . . te Säcke gehängt wurden, die nach dem Trocknen 
Architektur begründen können. Die eine ist Grundriß von Maybecks Studio eine feuersichere Außenhaut ergaben (”Bubble 
die gedankliche Basis, die Stütze der Ratio, Stone” 
das begriffliche Aufarbeiten und Bergen oder 
auch Entlarven alles dessen, was irrational 
bleiben will (wofür Alexander so viele 
methodische und faktische Anhaltspunkte 
liefert). Die andere ist die Offenheit für das 
Noch-nicht-Gedachte, das Fremde, das Pein- . 
liche. Beides, die Bewußtheit und der Sinn -VING 
für das Irreguläre, liegt einer Haltung 
zugrunde, die ich den wahren Manierismus 
nennen möchte. Der Ansatz des Manierismus . 
ist zu wichtig, um ihn den Manieristen zu 
überlassen. ENTRY 
Ich gestehe, daß ich diesem Widerspruch SF ' of Cox 
nicht auflösen kann. A ZZ 
Literaturangaben siehe Seite 69
	        

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