Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

Darlehen, verlorene Bauzuschüsse, Er- stungsangebote machte, auch staatliche 
laß von restriktiven Baunormen und Er- Förderung (direkt und indirekt) erhielt. Ka . 
schließungsgebühren. Wer viel bot, hatte, Die grundlegende Reform staatlicher Genossenschaftliche 
Anspruch auf öffentliche Gegenlei- Förderungspolitik, die so notwendig wie ze 
stungen. Jahrzehntelang - bis Ende der unwahrscheinlich ist, müßte zu diesen Gemeinschafts- 
20er Jahre - nutzten die Gemeinden die- finanz- und VErtEUNDESPOINSCHEN N . . 
sen Spielraum; in Verhandlungen mit ge- zurück. Diese förderungspolitische N end 
meinnützieen Trägern wurde jeweils ein Tauschformel erlangt aber immerhin einrichtungen 
„deal“ gemacht. Wechselten die Mehr- wieder vermehrtes öffentliches Gewicht 
heiten, so veränderte sich auch oft der In- (WOHNBUND; Wollmann 1984, S.31; 
halt dieses Tausches bzw. die Tauschbe- Krischausky/Mackscheidt 1984, S.112; 
reitschaft selbst. Mit dem Beginn direk-/ Novy 1982, S.123/ 124). 
ter staatlicher Förderung (zinsgünstige 
Hypotheken der Sozialversicherungsan- 
stalten (1889), Wohnungsfürsorgefonds‘ Eindeutiger Geschäftskreis für g WU; die 
(1901), Hauszinssteuer (1924 vgl. Per- sozial gebundene Wohnung 
gande 1973, S.18), begann dann die Prä- 
zisierung, die Verrechtlichung des Tau- Die Debatte um Erneuerung und Zu- 
sches. Als wohnreformkulturelle Selbst- kunft der Wohnungsgemeinnützigkeit 
verständlichkeit bildete sich heraus, daß muß an dieser „Tauschformel‘“ anknüp- vi 
nur der staatliche Förderung erhalte, der fen. Der Entzug und die Aufgabe „Eine gemeinnützige Bauvereinigung, die 
das dadurch entstehende Vermögen früherer Funktionen, die Zerstörung in- en Auf © Wa a ee 
dauerhaft vor Spekulation und privater terner und externer Funktionsvorausset- en Sur nn LO  Ondern 
Verwertung schütze. Zinsbeschränkung, zungen sowie die zunehmende Verwi- muß darüber hinaus N RAMIENUICH WENN OEsich 
Vermögensbindung, Rück-, Wieder- schung der Trennlinie zwischen freien um Anlagen neuer, großer Siedlungen han- 
kaufs- oder Erbbaurecht sollten die und gemeinnützigen Aufgaben haben die delt, auch geeignete Räumlichkeiten zur 
dauerhafte Zwecksicherung der staatli- aktuelle Legitimationskrise der gWU Befriedigung der allgemeinen Lebensbedürf- 
chen Subvention sichern. Jede Privati- herbeigeführt. Wollen sie mehr tun als nisse, zur Abhaltung geselliger und kultu- 
sierung in freiverwertbares Eigentum defensive Besitzstandssicherungspolitik, reller Veranstaltungen usw. Schaffen.“ (Aus: 
widerspräche diesem Grundsatz. Des- wenn sie das WGG nicht zu einem Selbst- 30 Jahre Spar- und Bauverein Solingen, 
halb gab es in der (erst 1940 Gesetz ge- finanzierungsgesetz entarten lassen wol- Ben 7 nn Dal TER 
wordenen) Wohnungsgemeinnützigkeit len (was ihnen unterstellt wird; vgl. Bun- a 
einen 88, der selbst bei Privatisierung desverband 1983), so werden sie ihre se von  Hirfschaftlich Schwachen, die alı Ind 
noch den Ausschluß der Realisierung Seite des „Tauschangebots“ stärken viduen auf dem Freien Markt ihre Bedürf- 
von Spekulationsgewinnen grundbuch- müssen: stärkere Bindungen und die nisse nach billigen und gesunden Wohnun- 
lich vorsah. Es blieb der CDU-Mittel- Übernahme neuer/alter Aufgaben im so- gen nicht befriedigt bekamen, waren bis zur 
standspolitik vorbehalten, im 2. Woh- zialen und kulturellen Bereich. Dazu wei- nationalsozialistischen Machtübernahme 
nungsbaugesetz (1956) diesen Pfeiler des ter unten. Weiterhin bedarf es wieder ei- 1933 stets mehr gewesen als reine Versor- 
Systems der gemeinnützigen Wohnungs- ner klaren Trennung zwischen dem Sek- gungsunternehmen für billigen Wohnraum, 
wirtschaft einzureißen, ($8 WGG wurde tor privater und gemeinnütziger Woh- A a der Mit- 
ersatzlos gestrichen), wie sie ja auch nungsversorgung. Seit dem „Sündenfall“ A a 
schon beim 1. WoBauG (1950) das sog. der modernen Wohnungspolitik, der Wohn- U LCD ANTON Vorheetn zu 
Gleichheitsprinzip bei der staatlichen Einführung des „Gleichheitsprinzips“ in können, brachte es mit sich, daß es Woh- 
Förderung einführte. Damit wurden pri-_ der Förderung und der Abschaffung der nungsbaugenossenschaften nicht allein um 
vatwirtschaftliche und gemeinnützige _spekulationshemmenden Vorschriften die Verwirklichung individueller Wohnbe- 
Bauherrn förderungsrechtlich „gleichge- bei Privatisierungen ($8 WGG), tragen dürfnisse ihrer Mitglieder gelegen sein 
stellt“, obwohl sie Ungleiches boten, die staatliche Leistungen nun nicht mehr konnte. Gerade in wirtschaftlichen Notzeiten 
freien beispielsweise nur befristete, die zum Ausbau eines gebundenen Sektors hesann man sich des gemeinsamen, solidari- 
gWU dauernde Vermögensbeschrän-/ mit tendenziell zunehmender Selbstfi- schen Handelns. Um eine umfassende soziale, 
kungen. Mit diesen beiden Maßnahmen nanzierungsbasis bei, sondern fließen in kulturelle und wirtschaftliche Absicherung 
T : . . ; . ihrer Mitglieder zu gewährleisten, richteten 
wurden nicht nur zwei entscheidende ein Faß ohne Boden - als private „Re- Genossenschaften, besonders in ihrer Blüte- 
Funktions- und Legitimationen des ge- formrenten“. Vermögensbildung nennt zeit, den Zwanziger Jahren, zahlreiche Ge- 
meinnützigen Sektors in seinem Verhält- man diese Mittelstands- und Spekula- meinschaftseinrichtungen ein. Genossen- 
nis zu staatlicher Förderung zerstört; es tionsprämien. Wieso es sinnvoller sein "schaften wurden somit Wohn- und Lehens- 
wurden auch die Weichen gestellt für je--_ soll, Personen mit mindestens Netto ‘gemeinschaften. | 
nes undurcksichtige System staatlicher. 3.000,- DM Gehalt Geld für Eigentums- Sie richteten Sparkassen, Versicherungen 
Förderung, vor dem alle alten Woh- maßnahmen staatlicherseits zu be- und Solidarfonds ein, wie den Mieterleich- 
nungsreformer immer gewarnt hatten. schenken als jenen Einkommensschwä- terungsschatz des Spar- und Bauvereins in 
Staatliche Förderung, deren Zweck man cheren preiswerten, gebundenen Wohn- Dreh DE en MO de 
nicht sicherstelle, verkäme zu einer Ge- raum zur Verfügung zu stellen, bleibt ein a ee vo 
schenkepolitik, zu Mittelstandsprämien, Rätsel der politischen Kultur vor allem geratene Mitglieder erhielten. daraus Zu- 
ja schlimmer noch: zu Spekulationsprä- der Gewerkschaften und SPD derletzten schüsse für ihre Mietzahlungen. 1928 wurde 
mien. Man kann die Entstehung der Jahrzehnte. dieser auf freiwilligen Spenden aufgebaute 
Wohnungsgemeinnützigkeit geradezu So Historisch war die Abgrenzung zwi- Fonds in eine Stiftung umgewandelt, aus 
interpretieren, als Versuch nämlich, Trä- schen gemeinnützigen und freiem Woh- deren Zinserträgen Mietbeihilfen gezahlt 
gerformen auf der Empfängerseite staat-, nungsbau entlang den beiden Bestim- wurden. WA 
licher Maßnahmen zu finden, die des mungen „Kleinwohnungsbau“ und „Bin- «,. Gemeinschaftswäschereien entstanden zu! 
hohen öffentlichen Auswandes „würdig“ dungen“, wobei es bis zur Verrechtli- KU EICTUTE we der Ve 
sind. Hier kam das Angebot der „freien‘ chung 1930/40 erhebliche Spielräume lo- ne U Kun N AED NT 
EG : angelegt. Kultureller Mittelpunkt vieler Ge 
Träger“, vor allem der Genossenschaf- kalen Aushandelns gab. „Kleinwoh- nossenschaftssiedlungen wurden die Gemein- 
ten, die ihr Vermögen stiftungsähnlich nungsbau“ als Indikator für den betreu- schaftshäuser, in denen Restaurants, Räume 
neutralisierten und zahlreiche tenden- ten Personenkreis ist unhaltbar gewor- für Festlichkeiten und Veranstaltungen, 
ziell öffentliche Aufgaben übernahmen, den. Will man einen sozial und kulturell Bibliotheken, Kegelbahnen usw. den Genos- 
gerade richtig. Bis zum Ende der Haus- attrakiven gemeinnützigen Wohnungs- senschaftlern zur Verfügung standen, Ein- 
zinssteuerära war es wohnreformpoli- bau haben, so sollte der Einkommensbe- richtungen, die für die Arbeiterschaft bedeu- 
tisch selbstverständlich, daß im Sinne der zug als’ Zugangskriterium fallen (wohl in tende soziale und kulturelle Errungenschaf 
Subventionseffizienz nur „gemeinnützi- der Mietenhöhe seinen Niederschlag fin- ten darstellten. 
ge Träger“, nur wer Bindungs- und Lei- den). Als Abgrenzungskriterium bliebe 
20
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.