Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Hans-Jürgen Serwe 
L’ISLE D’ABEAU 
Die Idee einer experimentellen RT OC ie 
Lehmbausiedlung entstand 
1981 im Zusammenhang der 
Ausstellung von Jean Dethier 
im Centre Pompidou. Das Auf- 
greifen und Darstellen traditio- 
neller Lehmarchitekturen sollte 
nicht nur musealen Charakter 
haben, sondern Impulse für 
eine neue Lehmbaupraxis in 
Frankreich geben. Auf 15% 
schätzt man den Lehmbau- 
Anteil an der historischen Bau- 
substanz Frankreichs. Im De- 
partement Isere sind 90% aller 
traditionellen Bauernhäuser in 
Pise errichtet. . 
Auf der Suche nach einem 
Standort in der traditionellen 
Lehmbauregion Rhone-Alpes 
wurde man schließlich in der in 
Planung befindlichen neuen 
Stadt l’Isle d’Abeau - zwischen 
Lyon und Grenoble gelegen - 
fündig. In direkter Nachbar- 
schaft zu anderen Siedlungstei- 
len, die ganz unter dem Motto 
Sonnenenergie oder Holzbau EVOLUTION 
stehen, bekam der Lehmbau DES PROJETS 
sein Terrain. 
Zunächst waren 40 Wohnein- 
heiten auf 1,6 ha vorgesehen. den. Die restlichen 10% - das die das Material dann leider bewerb zustande kam. Die 
Später wurde dann auf 72 WE Projekt von Atelier 4 - wurden in verschwinden lassen. Daß man Grundstücke wurden per Los 
auf 2,2 ha aufgestockt. Insge- Leichtlehmbauweise, die in der nicht puristisch mit dem Bau- an die verschiedenen Architekt: 
samt 48 Architektengruppen uns bekannten Form in Frank- stoff Lehm umgeht, sondern ten vergeben, kein sehr glück- 
nahmen an einem im Frühjahr reich nahezu unbekannt ist, ihn an seinen Schwachpunkten liches Verfahren. Viele Pro- 
R 981 ST tn Wett- ausgeführt. durch resistentere Materialien jekte haben durch Wintergär- 
ewerb teil, avon kamen De 5 ergänzt, zeigen insbesondere ten einen Bezug zur Sonne, 
mit ihren Projekten zum Zuge. TE  Neine die Eckausbildungen der Pise- jedoch erschwert die Lage des 
Die meisten Projekte sehen bei den Stampflehmprojekten bauten. Betonbänder und aus Terrains an einem West/ Nord- 
Mehrfamilienwohnhäuser mit wurden 10 OEM HENE Scha- Betontetraedern zusammen- westhang eine vernünftige Aus- 
3-6 Zimmerwohnungen vor. Jungen auf ihre Tauglichkeit gesetzte Kantenstege - eben- richtung. Die Freiraumplanung 
Etwa 45% des Bauvolumens kin untersucht -, soll aber kein falls traditionell erprobte versucht in der Isometrie dann 
wird in Pise oder Erdbeton er- reines Lehmbaulabor werden Mittel - schützen die empfind- auch die disparaten Gebäude- 
richtet, weitere 45% in Lehm- Ausgewiesenes Ziel ist, den Be- lichen Ecken vor dem Ausbre- gruppen durch allerlei Außen- 
stein, wobei statische wie auch weis anzutreten,daß der Bau- chen und bilden gleichzeitig ein raummöblierung zu fassen. Ob 
dynamische Verfahren zu ihrer stoff Lehm auf dem Wohnungs- sinnfälliges , konstruktiv be- diese Integration gelingt, wird 
Verdichtung verwendet wur- markt konkurrenzfähig ist. Die dingtes Ornament. sich zeigen müssen. 
Erprobung und Weiterentwick- Die Siedlung, die 1983 be- , 
Lehmsteinblöcke vor dem Vermauern lung schon bekannter, wirt- gonnen wurde und voraussicht- eine Pisewand entsteht . 
schaftlicher Bauverfahren ste- lich im nächsten Jahr fertigge- 
hen im Vordergrund, weniger stellt sein wird, zeigt im gegen 
neue Versuche wie das Experi- wärtigen Zustand - einige Ge- 
mentieren mit Kunststoffen. bäude bezugsfertig, andere im 
So weisen alle Bauten einen Rohbau - ein auseinanderfal- 
konstruktiven Schutz der lendes Bild, was nicht nur an 
feuchtigkeitsempfindlichen der Baustelle als solcher liegen 
Lehmbauteile auf: hoher kann. Auch im Lageplan zeigt 
Sockelbereich, breit ausladene sich das Lehmdorf als ein eher 
Dächer als Schutz vor Schlag- zufälliges Produkt einzelner 
regen und aufsteigende Feuch- Häuser und Ensembles, was 
te, zum Teil auch Außenputz sicherlich daher rührt, daß die 
oder Holzpanelverkleidungen., Planung erst nach dem Wett- 
24 
zz
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.