Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

ZU DIESEM HEFT 
VOM LANDSCHAFISGEBUNDENEN 
ZUM ÖKOLOGISCHEN BAUEN 
Mit diesem Heft werden wir Widerspruch provozieren. Stellen wir Krise der Moderne geläufig geworden sind: ein strukturales 
doch das ökologische Bauen in eine Tradition, die von den kolo- Konzept vr Architektur, das im Begriff des 7ypus seinen Struktur- 
gen so nicht gesehen werden will und von den Protagonisten dieser und im Begrift der Landschaftsverbundenheit seinen Umfeldbe- 
Tradition so nicht wahr genommen worden wäre: in die Tradition gv"iff hat. Gleichwohl liegen Konzept und Begrifflichkeit nie in 
des landschaftsgebundenen Bauens, das sich um die Jahrhundert- reiner Form vor, sondern immer eingebettet in den politischen 
wende im Gleichklang mit der Moderne herausbildete, in den 20er . Kontext des deutschen Konservativismus. Das wäre an sich nichts 
Jahren in Opposition zur Modernen stand und in den 30er Jahren Ungewöhnliches, wenn sich nicht der Konservativismus nach dem 
Tan LS C0 ENT TTS ersten Weltkrieg grundlegend geändert hätte. Als Reaktion auf die 
Warum solche Verbindungen ziehen? - nicht, um auch noch  Kriegserfahrungen, die Niederlage, auf die folgende Inflation und 
unsererseits den Faschismusvorwurf gegen die Ökopaxbewegung Deflation drang in den Konservativismus ein Moment von dynami- 
zu erheben. Ganz im Gegenteil. In dieser Frage schließen wir un: s hem Modernismus ein, der seine Bildungselemente radikal und 
Rudolf Bahro an. In seinem Redebeitrag zum Hamburger Parteitag langfristig verhängnisvoll umwälzen sollte. Neben die Überliefe- 
der Grünen nimmt er zu dieser Frage Stellung und meint, dal NANNTEN STE 
heute, trotz aller unheimlichen Nähe zu präfaschistischen Richtun- nun in verschiedener Gestalt: in völkisch-nationaler, später völ- 
gen „bei den Grünen andere, nicht-autoritäre und auch noch im kisch-imperialer Gestalt bannen zu können glaubt. Ein Sprengsatz 
Ressentiment flexiblere Charakterstrukturen (vorherrschen). Die war damit in den Konservativismus versenkt, der nicht nur zur Ent- 
[TS LO DANN ENT TTS LTSIKSKIE zündung des Zweiten Weltkriegs führen sollte, sondern, bevor das 
schen Umbruch eingeleitet, der in den Nachkriegsgenerationen Ende nahte alles mitsichriß, was, sei es aus Interesse, Überzeugung 
von Weltkrieg II allmählich seine Früchte trägt. Der moralische oder nur aus Gutgläubigkeit und bloßer ästhetischer Opposition, 
Gewinn der Niederlage . . . ist (jetzt) suksessiv da... Es g'“* keine konservativ infiziert war. So schied sich, was anfangs noch, wenn 
faschistische Bewegung, sondern eine Ökona/newegurs, lıe sich auch unter verschiedenen Fahnen im Interesse der Reform der 
Nicht nur programmatisch, sondern auch praktisch in Rıchtung Wilhelminischen Gesellschaft vereint marschiert war. Unmittelba- 
Gewaltfreiheit entwickelt, in Richtung Versöhnung m der inter- rer Anlaß war hierbei für die Architekten die Werkbundsiedlung in 
nationalen Außenwelt und der Natur.“ Stuttgart, mittelbarer die auftkommende Weltwirtschaftskrise und 
Warum trotzdem an diesen Verbindungen festhalten? - um auf das sich abzeichnende Ende der Weimarer Republik. 
eine Traditionslinie deutscher Architektur aufmerk. m zu Um auf Schultze-Naumburg zurückzukommen, so ändert er 
machen, die an Jahren älter und weitreichender ist als der Faschis- nicht nur folgerichtig bei Neu-Herausgabe der Kulturarbeiten 1929 
mus. Aber wir verweisen auch nicht auf sie, um im Nachhinein ihren Tenor und Aufbau, sondern auch die Kapitelüberschriften: 
noch all denen einen Persilschein auszustellen, die sich lieherd statt Hausbau heißt nun der entsprechende Band: Das Gesicht des 
gern vom NS verführen ließen. Wir wollen stattdessen diese P. -h- Deutschen Hauses. Seine Schüler werden ihn später darin noch 
tung deutscher Architektur in ihrer ganzen Breite und Gefährdung übertrumpfen und so weit‘ gehen, das landschaftsgebundene 
vorstellen. Aus diesem Grund soll weder ihre Bedeutung noch ihr Bauen zur Germanisierung des annektierten Ostens einzusetzen. 
selbstverschuldeter Mißbrauch verschwiegen werden. Dieser geraffte Rückblick sei erlaubt, um zu belegen, warum das 
Der Beginn des landschaftsgebundenen Bauens fällt in die Z:.it _ in Frage stehende strukturale Architekturkonzept immer wieder in 
der Gründung des Deutschen Werkbundes, der Deutscher. © ır- seiner Entwicklung gebremst wurde: 
tenstadtgesellschaft: drei Versuche, eine Alterna. © 7m Irtu- @ ‚durch Ausrichtung »> schen Haus, die das mit dem 
strialismus zu finden. Im Unterschied zu seiner » > *r or ist es Typusbegriff eingeführte -»."- m Beziehungen, Patterns würde 
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der Tradition und der Natur eine Antwort auı ı rinstralismus preßte; 
suchte: in der Entwicklung eines Regelwerks zum 51"utzder Land- @ durch die Va - _lauslandschaften, die das 
schaft und zur LS Tradition. 8 De . mit dem Begrift der La AR AT TLANEITRO) CO) (0 
Diese KSNNEN SEN AN ON gische Denken, würde man hıuw sagen, an konstruierte Land- 
ten von Schultze-Naumburg, die er ab 1900 unter dem Titel „Kul- SEE 
N CS Sn AN an Beispiel und Gegenbeispiel So nimmt es nicht Wunder, daß sich erst heute und nicht mehr in 
eine Methode vor, die schulbildend werden sollte: die Methode der BA 
mit Bildern überzeugenden Überredung. Selbst die Baufibeln aus N Bericht aNC id roh m Om! ie A ea Ten « 
SE SET Bl TEENS DOT RT Ka wu Ze wn cn ze ne N EN N De AA sein, « rn er , A 
Verstanden als kleines ABC des Bauens, führen die Arbeiten von ENKCN ON Natura a Setzen! Va 
R ) Han richtig nimmt auch erst die OÖkopaxbewegung die Möglichkeit von 
Schultze-Naumburg, die programmatischen Beiträge des Bundes Baufibeln wahr. Die Baufibel für das Allnatal zeigt es 
Deutscher Heimatschutz, die Baufibeln anfänglich im Verein mit « 
der Moderne, später in Opposition zu ihr ein Konzept ven Archi- 
*aktıır und eine Begrifflichkeit vor, die uns heute, im Angesicht Ad +
	        

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