Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Pflanze und Haus 
Das Haus kann das Gerüst sein, an dem die Pflanze sich hochrankt, 
anlehnt, von der gespeicherten Sonnenwärme profitiert - oder dem 
Haus seinen Schutz vor Regen, Wind, Wärmeverlust, Wandschä- 
den anbietet und Vögeln und Insekten einen Lebensraum schafft. 
Das Haus kann helligkeitmeidenden Pflanzen Schatten geben, es 
kann Vorratskammer sein für gesammelte und verarbeitete Gar- 
tenfrüchte 
Der Garten 
Der typisch dörfliche Gemüsegarten zeichnet sich durch einen 
Zierpflanzensaum am einfachen Holzzaun oder am Gartenweg aus 
und liegt vor, neben oder hinter dem Wohngebäude. Er verzahnt 
den Siedlungskörper mit der umgebenden offenen Landschaft. Lei- 
der wird er immer seltener 
Verkehrsflächen 
Die Verkehrsflächen in den Ortschaften sind gekennzeichnet durch 
= asphaltierte Straßen mit breiten (soweit die Baustruktur dies zu- 
läßt) gepflasterten Bürgersteigen und einer auffallenden Armut an 
belebendem Grün. Traditionell prägten Dorflinde, von Baumrei- 
BSSKAGIA hen gefaßte Wege und mit strapazierfähiger Trittvegetation be- 
wachsene Randstreifen den Straßenraum. Am Ortseingang empfin- 
gen großkronige Bäume (Kastanie, Ahorn, Linde) den Ankömm- 
ling. Durch das heute fehlende Grün erhält das Dorf städtischen, 
kahlen, (pflegeleichten?) Charakter. Dabei sind Bäume im Straßen- 
raum so wichtig: sie spenden Schatten, schützen im Sommer vor 
UÜberhitzung, binden Staub, schlucken Lärm, prägen das Ortsbild. 
Hecken trennen den öffentlichen vom privaten Bereich ab, rahmen 
die Bauerngärten zur Straße hin ein. 
Das Leben im Dorf als ökologischer Auftrag 
Dorf und Landschaft als reichen Lebensraum wieder aufzuwerten, 
bedeutet mehr als die museale Erhaltung der dörflichen Umwelt, es 
bedeutet die Besinnung auf das Wesen des Lebendigen, und das 
fällt heute sicherlich schwer. Ist es doch nur Wenigen einsichtig, daß 
unsere bestimmende Naturwissenschaft mit ihrem größten Erfolg, 
der Maschine, das Lebendige per Definition ausklammert, ist doch 
das Lebendige dem Wesen nach geschichtlich, das heißt: einmalig, 
unwiederholbar, mit örtlich und zeitlich begrenzter Biographie. 
S ; Maschinen sind dagegen, wie die Grundsätze der Naturwissen- 
ÜCHENDE schaft fordern, Garanten einer „Natur”gesetzlichkeit, die jederzeit, 
SE überall, für jeden nachprüfbar gilt, also nicht geschichtlich, nicht 
einmalig, nicht unwiederholbar ist, kurz: tot ist. 
. AG Aber was hat das mit dem Dorf als Lebensraum zu tun? Es 
; ES scheint wesentlich, daß die Gründe unserer gegebenen ökologi- 
RS a. schen und biologischen Misere bewußt werden müssen, will man 
; ES r k } dörfliches Leben als einen der Hebel benutzten, die unser ökologi- 
‘ h . ) sches Ungleichgewicht wieder zurecht rücken. Und einer der Grün- 
N ; JR \ m de unserer Probleme ist sicherlich die Grundlage unserer Kultur: 
it AL ; = das Streben nach Gesetzlichkeit, Definierbarkeit, Kontrolle, kurz: 
' % vl = Wissenschaftlichkeit. Die Maschine ist kontrollierte Wirklichkeit. 
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V Al ps = SE soll naturwissenschaftlich erklärt werden, festgelegt, vereinbart. 
© a@ Al) EAN Dieses Festhalten und Festschreiben widerspricht der Bewegung 
des Lebens, das in all seinen Erscheinungen Veränderung und Ent- 
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