Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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‘ Zur Dlatzfchaffung n Der Text unten links lautet: 
für die Anfetzung der e en NEIN Distrikte wurden. 
rüchgeführten Volks -  Kusponeelr® HE am 
deutfhen werden Polen 
und Juden aus den einge /Bundesarchiv Koblenz) 
gliederten Oftgebieten 
Qusgefiedelt und über die 
Ausfiedlungsliager des 
Chefs der Sichecheitspolizei 
und des SD in das General 
Qouvernement gefahren. 
In 
der Jeit vom Oktober 1939 
bis März 1941 wurden 
408 525 Dolen und Juden 
ausgefiedelt 
verständliche Interesse an der Etablierung von Aufgabenberei- R 113/10, fol. 14). Um den Bevölkerungsbestand von 1914, d.h. 
chen, die allein die Gartenarchitekten kompetent bearbeiten kön- einen Anteil der deutschen Bevölkerung von 50% wiederherzustel- 
nen sollten, um so die Gefahr lästiger Konkurrenz durch andere len, sollte „die Zahl der jetzt in diesem Gebiet lebenden 1,1 Mill. 
Berufsgruppen zu verringern, war für zahlreiche Mitglieder des Deutschen um 3,4 Mill. auf 4,5 Mill vermehrt und Zug um Zug 3,4 
Berufsstandes ein wesentlicher Beweggrund, sich an Planungen in Mill. Polen” (BAK, R 113/ 10, fol. 14) abgeschoben werden. Diese 
den „eingegliederten Ostgebieten” zu beteiligen. Es bleibt anzu- ‚Planungsgrundlagen’ teilte der Leiter des Planungsamtes, Meyer, 
merken, daß sicher auch die Möglichkeit, nicht als Soldat an die am 24. 1. 1940, also bereits 3 1/2 Monate nach Beendigung des 
Front zu müssen, sondern als Planer tätig sein zu können, für man- Polenkrieges, auf einer vom Reichskommissariat veranstalteten 
chen der entscheidende Beweggrund gewesen ist. Besprechung in Posen den für die „eingegliederten Ostgebiete” zu- 
Bei Mäding, dem Referenten des Planungsamtes für Land- ständigen Landesplanern und den örtlichen Beauftragten des 
schaftsgestaltung und Landschaftspflege beim RKF, wird die Ge- Reichskommissars mit (vgl. Staatsarchiv Hamburg, A148, Ab- 
staltung der Landschaft „zur lebensentscheidenden Kulturaufgabe schrift Reichsstelle für Raumordnung vom 30. 1. 1940). Den weite- 
der Gegenwart”: „Die gestaltende Tätigkeit reicht weit über die ren Angaben zufolge war geplant, zunächst einen durch deutsche 
physischen und organischen Lebensbedingungen hinaus. Die Bauern zu besiedelnden „Wall deutschen Volkstums” zwischen 
Deutschen werden als erstes abendländisches Volk in der Land- dem Reich und dem Generalgouvernement zu schaffen, um die im 
schaft auch ihre seelische Umwelt gestalten und damit in der Reich verbliebenen Polen von den im Generalgouvernement le- 
menschlichen Geschichte zum ersten Male eine Lebensform errei- benden abzutrennen. Durch 2 „Volkstumsbrücken” sollte der 
chen, in der ein Volk bewußt die standörtlichen Bedingungen sei- „Grenzwall” mit dem Altreich verbunden werden; durch den Wall 
nes leiblichen und seelischen Lebens umfassend selbst bestimmt” und die zwei Querverbindungen zum Reich sollten „polnische In- 
(Mäding 1943a: 24). seln” geschaffen werden, die später ebenfalls durch die aus dem 
Des besonderen, d.h. des diktatorischen Charakters der Pla- Siedlertum hervorgehenden biologischen und wirtschaftlichen 
nungsgrundlagen für diese „lebensentscheidende(n) Kulturaufga- Kräfte eingedeutscht werden sollten. Die ländlichen Besitzverhält- 
be der Gegenwart” (Mäding 1943a: 24) waren sich die Planer be- nisse sollten so entwickelt werden, daß neben einer großen Anzahl 
wußt. Daß die Landschaftsplanung in den „eingegliederten Ostge- von Bauernhöfen (155.000) und Landarbeiterstellen (72.000) 
bieten” keinerlei Rücksichtnahme auf die ansässige Bevölkerung 11.700 Wehrbauernhöfe entstehen, die als „größere Besitzform für 
erforderte, verdeutlicht eine entsprechende Definition „echter Pla- das wehrpolitische Führertum” vorgesehen waren. Es war eine aus 
nungsfreiheit”: „Es gehört zum Wesen echter Planungsfreiheit, daß SS-Mitgliedern bestehende Führungselite geplant, der 1/3 der ge- 
1. Menschen des eigenen Volkes in ausreichender Zahl und ent- samten landwirtschaftlichen Nutzfläche zugedacht war. Das Ostge- 
sprechender Eignung zur Besitznahme neuen Raumes zur Ver- biet in seiner Gesamtheit sollte als ein gemischt-agrarisch-indu- 
fügung stehen und strielles Gebiet mit einer z.B. der Nordwestprovinz Hannover ver- 
2. Grund und Boden, der sich nicht im Besitz von Angehörigen gleichbaren Sozial-und Wirtschaftsstruktur aufgebaut werden (d.h. 
des eigenen Volkstums befindet, in erforderlichem Umfang ver- 35% landwirtschaftliche Berufszugehörige und 35% Industrie und 
fügbar ist” (Meyer o.J.: 12). Handwerk) (vgl. Staatsarchiv Hamburg, A148, Abschrift RERO vom 
Wer auf einer solchen Grundlage Planung betreiben will, braucht 30. 1. 1940). Die von den im Osten tätigen Planern zu berücksichti- 
Bedürfnisse und Planungsvorstellungen der Bewohner nicht mehr genden „bevölkerungspolitischen’ Maßnahmen wurden u.a. ästhe- 
zu berücksichtigen bzw. zu erforschen.” tisch verarbeitet und in Ausstellungen auch einer breiteren Öffent- 
Wie u.a. aus den - „nur für den Dienstgebrauch” bestimmten - lichkeit zur Kenntnis gebracht.” 
vom RKF veröffentlichten „Planungsgrundlagen für den Aufbau Es wird für uns in seiner ganzen Konsequenz wohl nie nachvoll- 
der Ostgebiete” hervorgeht, war die Vertreibung der Bewohner ziehbar sein, was es für die Betroffenen bedeutete, abgeschoben, 
in den „eingegliederten Ostgebieten” als einzukalkulierende ‚Pla- evakuiert zu werden. Den Anspruch, Heimat zu schaffen für Deut- 
nungsgrundlage’ bekannt und wurde entsprechend berücksichtigt: sche, wollte man erreichen auf der Grundlage von Heimatlosigkeit 
„Es wird im folgenden vorausgesetzt, daß die gesamte jüdische für Millionen dort lebender Menschen, die unvorbereitet, ohne 
Bevölkerung dieses Gebietes von rund 560.000 bereits evakuiert ist ihren Besitz mitnehmen zu können, aus ihren Häusern und Woh- 
bzw. noch im Laufe dieses Winters das Gebiet verläßt. Es ist daher nungen vertrieben wurden und anfangs überwiegend im General- 
praktisch mit einer Bevölkerung von 9 Mill. zu rechnen” (BAK. gouvernement ‚abgeladen’ wurden (sicherlich nicht in Personenwa- 
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