Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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rung durch Integration die Erwei- tisch, „Programmatik und Praxis so- Städte unterschiedlicher histori- 
terung für eine Versicherung und zialdemokratischer Kommunalpoli- scher und kultureller Epochen: 
auf der „grünen Wiese” bei Inns- tik in der Weimarer Republik”. Für ägyptisch, mesopotamisch, grie- 
bruck eine Wohnanlage unter dem den Bereich der jüngeren Planungs- chisch-hellenistisch, römisch, mit- 
Thema Kommunikativer Ge- geschichte ist dies eine wichtige tel-europäisch (Mittelalter und Neu- 
schoßwohnbau. In wieweit das Hintergrundinformation, hat doch zeit), indisch, chinesisch und 
Wohnprojekt die Erwartungen er- der sozialdemokratische kommuna- alt(süd)amerikanisch. Die darge- 
füllt, kann erst die Nutzung in der le Wohnungsbau jener Jahre - der stellten Städte (alle auch im Grund- 
Zeit erweisen. Die Fassade des f meisten zumindest von Frankfurt, rniß abgebildet) - aus den letzten ca, 
Versicherungserweiterungsbaus Ks M. bekannt - in sozialem Anspruch 4000 Jahren - sind mehrheitlich 
schneidet in das bestehende Ge- « 4 e Produktion und nicht zuletzt Stil ei Rechteck- und Quadratraster-Anla- 
bäude, fügt ihm eine Wunde zu. In- dr mm -— 3 nen nachhaltigen Eindruck bezüg gen, alle gep/antund aus dem jeweils 
tegration durch Verletzung? Je- A lich Wohnungsbau und Stadtent- herrschenden Weltbild abgeleitet. 
denfalls besser als Verstoß, sprich ; sacgcben von Oro Bons | wicklung hinterlassen. Der Autor Zu wünschen bleibt eine Explizie- 
Abriß! FO ann schildert das ambivalente Verhalten rung der Kriterien der „Erweiterbar- 
Wohnen mit Kindern, so das Dielen Keleattech, Frackfam“ der SPD zwischen „programmati- keit” sowie eine materielle Herlei- 
Thema eines gemeinschaftsorien- NENNE scher Abstinenz” und Pragmatis- tung der zugrunde liegenden Welt- 
tierten Planungsprozesses, den Die Lenung von Hänserkarıeien mus auf kommunalpolitischer Ebe: bilder. Verblüffend ist die relative 
Umraumgestalter und Nutzer sich Alan nr Fa END Falk ne. Gerade auch die „Kommunal Ähnlichkeit der Stadtanlagen trotz 
auferlegten und zu einem konkre- wirtschaft” und einige ihrer privat: historischer und kultureller Unter- 
ten Ergebnis führten. Ottokar Uhl jahr MVESS_ Kosbanme wirtschaftlichen Rechtsformen schiedlichkeit, ihre p/anmäßige An- 
lieferte mit den Bedingungen einer brachte N DE lage und Erweiterung. 
Kultur aus dem Handeln den theo- ta SfE ; er ideologisch in Schwierigkeiten. Be Daß nun Stadtplanung und ihre 
retischen Rahmen und Grundan- Die sehen HERE aller kritischen Distanz scheint der Amter die Maßstäbe für die Stadt- 
satz. teilt in 4 bis 5 Artikel, thematisch Aufsatz einen SPD-Bias zu behal veränderung setzen und nicht Re- 
Gustav Peichels Erdefunkstelle gegliedert nach den Deskriptoren ten. flex von Nutzungskonkurrenz und 
1980 in der Steiermark fertigge- (| des Untertitels der Zeitschrift. Es er- Rolf Swoboda schildert „Altstadt- damit vom Bodenmarkt sind, wollen 
stellt kann als gelungenes Beispiel scheinen sowohl theoretische wie Sanierung: zum Beispiel Kalkar”. Im Csanddi/Ladänayiam Beispiel eines 
der Ein- und Unterordnung einer Ktuyelle praxisbezogene Artikel - positiven Sinne bemerkenswert er- Wettbewerbs zum ersten „Budape- 
technischen Gebäudeanlage indie uch aus der Stadtplanung, Außer- Scheinen als Zielsetzung der Sanie- ster Generalbebauungsplan von 
Landschaft bezeichnet werden. IM qem gibt es einen Nachrichten- und rung einer teils aus Mittelalter une 1871” nachweisen. Dazu konstatie- 
Jahre 1985 erhielter dafür den Stei- einen Rezensionsteil mit der Be- Renaissance erhaltenen Altstadt ren sie, daß ausschließlich Arbeiten, 
rischen Kulturpreis. Hans Hollein sprechung von Literatur, die sich im ‚Lücken nicht durch historische die die Empfehlungen des Wettbe- 
wurde für seine vielen gelungenen weitesten Sinne auf Stadt bezieht Kopien’, sondern durch „zeitgerech- werbsprogrammes präzise übernah- 
Bauten und Umbauten heuer, also Das vorliegende Heft bildet im te Architektur” zu schließen (!) men, berücksichtigt wurden. Die 
ebenfalls 1985, mit dem Pritzker Rezensionsteil eine Ausnahme. Der ebenso die freimütigen Aussagen restlichen Grundlagen für die Verei- 
Architekturpreis (USA) ausge- Herausgeber selbst, Otr0 Borst, gibt über die Ergebnisse einer weiten nigung der drei Donaustädte Buda, 
zeichnet. einen umfangreichen und fundier- Einbeziehung der Bewohner in die Obuda und Pest werden gar nicht 
Wie sich ein Projekt zum gebau- | (ıen historismuskritischen. mit wirt- Planung: ‚daraus resultierte eine erst behandelt und die sozialökono- 
ten Objekt verändert, ist aufdem 2. schaft- und sozialgeschichtlichen Einsparung von Zeit und Geld mischen Interessen leider nur ne- 
Titelblatt des Heftes 5/6-85 zu er- Fragestellungen angereicherten durch „freiwillige Umlegung” und benher, obwohl sie (oder gerade 
kennen. Zwischen beiden Zeich- 1 iteraturbericht von wichtigen Er- „die Ideen der Bürger waren nicht weil?) genau das Gegenteil der The- 
nungen liegen allerdings mehr als scheinungen zur „Reichsstadtge- selten besser als die der Planer, sie se der Autoren belegen. Auch die zi- 
15 Jahre. B. v. Satory + G. Kohl- schichte” (Ein Forschungsbericht) haben in wesentlichen Teilen zu er- tierten Entschließungen des Stadt- 
maier bauten in Berlin, unter dem dqerljetzten 4 Jahre. Vom Ansatz der heblich wirtschaftlicheren Konzep- rates erscheinen sehr grundeigentü- 
Thema Bürohaus und Ökologie, Kritischen Theorie’ her - so meint tionen geführt”. Kein Datum gibt es merfreundlich, die Autoren haben 
den Neubau der Mathematik für an zunächst - geht Hans-Peter Zur Sozialstruktur, außer der Aussa- jedoch nicht einmal die Ratsmitglie- 
die TU. Der Wettbewerbsentwurf Oswald seine Diskussion über Die ge, sie habe sich verbessert (?'!). der auf ihre Zugehörigkeit zu sozia- 
stammt aus dem Jahre 1968; lange Anwendung des Klassenbegriffs aut Es verbleibt ein kleiner Aufsatz len Interessengruppen untersucht, 
schon ist’s her, dieses legendäre das spätmittelalterliche Stadtbür- (vom Rezensenten selbst) „Über obwohl über die Zeit allgemein be- 
Jahr. gertum” (Kritische und ergänzende Hans Blumenfeld” (Vgl. 74 ARCH*, kannt ist, daß Grundeigentümer im 
Neben diesen konkreten Bei- Darstellung zur Auffassung von S. 4-5). Blumenfeld, dem ein Beleg Rat und der Stadtentwicklungspoli- 
spielen für moderne Öösterreichi- Wolfgang Küttler) an dabei scheint dieses Heftes übersandt wurde, ant- tik dominant waren. 
sche Architektur enthalten die ihm dann hauptsächlich um eine wortete aus Toronto: „Vielen Dank Der „Amsterdamer Generalplan 
Hefte des 1. Halbjahres ’85 weitere ideologiekritische Auseinanderset- für die Lobpreisung ... Die Zeit- von 1934” (Hennicken/Roscher) läßt 
Beiträge und Informationen. zung mit der ’DDR-Geschichts- schrift scheint sonst interessant zu gleich mehrere Bezüge der Planung 
Buch- und Ausstellungs-Rezesio- schreibung‘ zu gehen, Die Ange- sein.” deutlich werden: die Abhängigkeit 
nen, Seminarberichte, Bauen für messenheit des Begriffs Klasse” Volker Roscher der Stadtentwicklung von der 
Behinderte, Arbeitsdokumenta- klärt er nicht, mißt ihm jedoch ohne Raumentwicklung, die Entwicklung 
tionen (HfG-Linz). Zusätzlich sind Herleitung heuristischen Wert” zu . und Zusammenfassung wissen- 
in den Heften des neuen Jahrgangs [m Schlußabsatz bleibt ihm nur ie Alte Stadt 2-85 N schaftlich rationaler Planungsme- 
von TRANSPARENT gelbe Seiten „och Polemik überden -oderwaser Kurz gesagt: Städte sind Sozialräu- thoden im Schnittpunkt sozial- 
EN DON genannt, dafür hält - „Marxismus-Leninis- me, d.h. jeweils gesellschaftlich hi. manzipatorischer und privatwirt- 
Sic Or ale zufällig bezieht sich mus”. Eine wirkliche Auseinander- storische Arten der Flächennut- SO DE EN Ic S et 
der erste Rückeriff (in Heft 1/2-85) setzung mit „Parteitagsbeschlüssen zung. Das bedingt ein Vorhanden- On erie Sn en u. po en x 
uf das Jahr 1968: BR Hollein: Alles und DDR-Forschungsrahmen” lie- sein sozialer Strukturen, die be- en ie üb: © S rechtlichen 
 Bt Architektur. Begrenzte Be alaıol %7 leider auch nicht. stimmte Interessen am Zusammen-  andi te hr ne Penn bin 
fisbestimmunzen nd traditio. Von anderer Qualität ist der Aufsatz wirken sozialer Gruppen bezüglich and!ungsrahmen Cer Hanung 
Selle D nit 5 © u A Et in von Hans Eugen Specker „Zur Lei- räumlicher Strukturen haben. Ein Us WEISEN 
- ihrer Mittel haben eu EEE stung und Problematik von Häuser- Sozialer Konsens ist dabei nicht not- Neue Lebensperspektiven erga- 
ehendan Gültiekeit verloren. D karteien”. Er schildert (für den Re- wendige Bedingung, d.h., daß Inter- ben sich auch für die Menschen in 
N inwelt sC 8 N heit eilt un CT z7ensenten interessant) Merkmals- essen auch sozial dominiert sein China als sie sich 1949 von allen im- 
Anstre Deune nd alle N Medien listen von „Häuserbüchern” und können bzw. sind. Durch das Ein- perialen Unterdrückern befreiten. 
die sie bestimmen. Dem Fernse: „-karteien”, zeigt die Ansprüche von wirken der Gesellschaft auf den Auch „Peking baut um” (Koch! 
hen. wie dem künstlichen Klima verschiedenen Berufsgruppen da- städtischen Raum (wie auchanderer Scheerer). Neue Nutzungen und 
den Tran sportationen wie der Klein an auf (offensichtlich haben die Ar- auf andere Räume) verändern sich Nutzungsansprüche entstehen, je- 
dung, dem Telefon wie der Behau- chitekten die geringsten (?!)), entfal- die Ansprüche auf den Sozialraum doch ist es schwer Form, Dimension 
sung.” So die Eingangsthese, die tet die „Karteien als bau-, stadt-, so- und dieser wird auf unterschiedliche und Verhältnis zu alten Nutzungs- 
immer noch gilt ? zial- und wirtschaftsgeschichtliche Weise verändert. Das kann sowohl formen zu bestimmen. Alte Wohn- 
BULL Quellen, wie er ebenso auf Quellen durch viele individuelle Handlun- und Sozialstrukturen beinhalten 
W. V. Hofmann zur Erstellung der Karteien umfäng- gen, wie auch eine mehr oder weni- evtl. Potentiale für neue Nutzungen, 
lich eingeht. Die Anlage von Häu- ger umfassende - z.B. Planung -ge- die nicht sogleich erkannt werden. 
Die Alte Stadt 1-1985 serkarteien ist eine notwendige schehen. Bei diesem Vorganggibtes Der diesbezüglich erhobene Finger 
. Grundlagenforschung, die viel über sozial, historisch und interkulturell von außen, der durch den Aufsatz 
Die Zeitschrift erscheint mittlerwei- die Geschichte unseres Alltags be- Unterschiede. Heft 2/85 (von deı schimmert, erscheint dem Rezen- 
le im 12. Jahrgang. Ihr Untertitel - richten kann, was die trockene Seitenzahl umfangreicher als durch- senten unangebracht. Sich wandeln- 
Vierteljahreszeitschrift für Stadtge- Überschrift des Artikels nicht ver- schnittlich) versucht dem Rechnung de Gesellschaften sehen offensicht- 
schichte, Stadtsoziologie und Denk: muten läßt. Zu tragen. lich ihr historisches Erbgut nicht ge- 
malpflege - bestimmt die Perspek: Einen Ausschnitt aus der politi- Grassnick (Das Problem einer rade als Baudenkmale an, sind doch 
tive aus der der Gegenstand des Er-. schen Geschichte zwischen 1919 möglichen Erweiterung historischer viele auch Symbole von sozial-histo- 
kenntnisinteresses betrachtet wird und 1933 behandelt Dieter Reben- Stadtsysteme) betrachtet nun zehn risch endlich Überwundenem.
	        

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