Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

um die Ecke.ein Schmiedeband leg-  Eckrundung: dann ist der Anschluß 
te. Ausgeschmiedeter Stahl hat kei- der Ausfachung besser. Und: beim 
nerlei Kohlenstoff-Anteil mehr und Fachwerk müssen mindestens die 
verrostete deshalb auch nicht über Fenster außenbündig sitzen, - je- 
Betr.: 79, 80 ARCH", Baumarkt diese dreihundert Jahre! Heute denfalls ist es nicht geradezu sinn- 
stellt man in den meisten Fällen fest. voll, die Einzapfung des Brustriegels 
daß freilich die Eckstiele ein wenig und diesen selbst (bei „Innenan- 
kürzer gefault sind, aber meist ha- schlag” und dessen beliebter Ursa- 
ben die Schwellen mehr gelitten we- che: dem Rolladeneinbau) durch 
Sehr verehrte Frau Nacken - von den Eigenschaften der Stoffe ist. gen der „Naßfuge” über dem Funda: Alu-Fensterbänke zu schützen (na- 
Leider enthält die ausführliche Ich halte es in der Tat für wahr- ment. Auch: was stöhnt die Denk: türlich dann eingeschnitten in die 
Adressenangabe nicht die Ihre, so- Scheinlich sehr nützlich, wenn man malpflege, wenn man dies seinerzeil Seitstiele USW.) . 
daß ich diesen Briefüber ARCH”ge- darüber Klarheit behält und auch unlösbare Problem nun mit eineı Ich bin da nicht ganz sicher, aber 
hen lassen muß. Ich habe Ihre bei- ausspricht. Dann kommt nämlich Abfasung und Einbau von (leider?) mein Gefühl widerstrebt, wenn man 
den Aufsätze mit‘Interesse gelesen auch Klarheit in die Fragestellungen Alu-Fensterbankprofilen löst! Bitte: bei Fachwerkwänden mit Dampf- 
und mit Gewinn. Ich darf mir viel- und deren Beantwortung. Da ver- mit Dehnfugen „im Holzton” elo- sperren hantiert: die Ausfachung 
leicht ein paar Fragen und Anmer- danke ich Ihnen gerade einen Hin- xiert, nicht blank. ) . enthält immer genug Wasserdampf, 
kungen erlauben? weis, der mir etwas klar machte, wo- Der Dachüberstand ist ebenso ei- daß einem etwas Angst fürdie Rück- 
Eine Frage, die mich in steigen- rüber ich nicht genügend nachge- ne (regionale) Frage: Holzart und seiten der FW-Balken- bleibt. Ich 
dem Maß beschäftigt, ist die, wie dacht hatte bisher. Nämlich: man Niederschlagsmenge: Ganz Mittel- halte freilich ohnehin nicht viel von 
nützlich es eigentlich ist, wenn die kann das Holz dadurch schützen. deutschland hat historisch relativ ge- mehrschichtigen Wandkonstruktio- 
Bemühungen um, - wie ich sagen daß man es für Fauna und Flora, die ringe Dachüberstände (ein Fuß Ort, nen. Bei dem inzwischen so belieb- 
möchte: - vernünftiges Bauen und sich von ihm nähren will, vergiftet, höchstens 1 1/2 Fuß Traufe): das ten Vorsatz-Schalen-Fachwerk muß 
Wiederbelebung tatsächlich langbe- man kann es aber auch dadurch reichte wohl nach. Erfahrung. Jetzt die Hinterlüftung gefordert werden: 
währter Konstruktionen und Bau- schützen, daß man es in seinem rustikalisiert man hier mit bayri- und man sieht gleich, daß man das 
verfahren wie Baustoffe forciert von Nährwert herabsetzt. Vielleicht schen Flugsparren am Ort bis zu ein an der Schwelle gar nicht funktions- 
/NätürlichKeit”!! sprechen. Alles kann man das also auch so ausdrük- und mehr Meter und auch Traufen fähig konstruieren kann ... 
Bauen ist freilich dann natürlich, ken: im ersten Fall findet nur eine bis ein Meter ... Bitte: dies nicht Fragen: ist der Lignin-Verlust 
wenn das Menschenwerk als das ei- „Oberflächliche Beimischung” - noch argumentativ zu fördern ...! durch UV-Vergrauung wirklich so 
nes natürlichen Wesens, - also nur nämlich der Gifte - statt, im zweiten Wir haben hier 600 mm, der schlimm: mich haben die silber- 
ctwas weiterentwickelt als das der eine Art „Mineralisierung”, - eine Schwarzwald 1400 und Nadelholz, grauen Holzstadel immer so begei- 
Termiten angesehen wird: dann Verschiebung eines an sich idealen wir Eiche (historisch „natürlich” ge- stert! 
aber ist auch der Bau von Panzern ei: Nährstoffs wie Holzineinen Bereich sehen). Was würden Sie mir raten: ich 
ne natürliche Sache. Wenn Men- weniger idealer Nährstoffe wie Haben Sie je versucht, altes, frei- baue gerade eine Aussegnungshalle 
schenwerk aber eben als solches mit Stein. Daran wird deutlich, daß die gelegtes Eichenfachwerk zuhobeln? mit Faseschalungs-Dach = Decke. 
dem„Begriff.des Gemachtenz„also zweite Art a priori und evident wirk- Ich wollte meine Treppenstufen von Die Faseschalung ist von oben ja 
der dazu nötigen Kunst des Ma: samer, gründlicher, sinnvoller ist. 1892,Eiche, wiederverwenden: „bit- wohl gleich oder mehr gefährdet als 
chens, bezeichnet wird, dann ist es Versteht sich, daß dazu das Kon- te,-” sagte derSchreiner,-”aberdie vom Raum her. Was nützt dann der 
zur Gänze künstlich. struktive gehört: die Vermeidung verbrauchten Messer dürfen wir Ih- Anstrich von unten? Im eigenen 
Ich übersehe nicht, daß mit der idealer „Biotope”, - nämlich Feuch- nen extra in Rechnung stellen ...?”” Haus habe ich gar nichts gemacht. 
Entwicklung der Naturwissenschaf. tigkeit und Wärme. Ich würde Ihrem Ratschlag auch bei also das Holz unbehandelt gelassen. 
ten und ihrer industriellen Auswer: Auch hierzu einige Anmerkun- Fichte und Tanne nicht folgen wol- —_ wird allmählich über goldgelb 
tung seit zweihundert Jahren sichet. gen, leider auch kritische: Ich bin len. Bei der alten Eichenkonstruk- bräunlich, allerdings ein wenig un- 
was verändert hat, - der Grad der nicht ganz überzeugt davon, daß das tion haben wir ja (Gerner hat’s mit gleichmäßig. Meine ländliche (Bau- 
Künstlichkeit und v. a. die Eindring: Überkragen im Fachwerk primär Dendrochronologie bewiesen!) fol. herrn-) Kundschaft ist traditionsge- 
tieferdes menschlichen Machenshal dem Holzschutz diente (qua „Dach- gendes: im Februar/März gefällt, im mäß fürs Saubere und Gepflegte 
sich sprunghaft erhöht. Aber eben überstand”). Bei den statisch nöti. Mai/Juni gerichtet (in situ datiert!) und ggf. nicht mit solcher Patinie- 
auf diese Macht (Wirkungsweitedes gen Verbindungen Rähm-Balkenla- also frisch verarbeitet, gebeilt: d.h. rung so recht einverstanden. Aber 
Machens)”hin sind unsere ganzen ge-Schwelle sind Schwächungen der die Fasern weitgehend unverletzt. eigentlich ist doch das Anstreichen 
Denkstrukturen, ja inzwischen die ÖQuerschnitte unvermeidlich gerade Die Gattersäge reißt sie ja auf: und von unten sicher kein Holzschutz? 
Erfahrungs- und Diskussionsfähig- da, wo sie zu vermeiden wären. Das eben auch das Hobeln!!! Alte Eiche Schließlich: ein wichtiges Haupt- 
keit untereinander seit Jahrhunder- Überkragen vermeidet davon etwas, Kann man ja gar nicht mehr beilen problem bleibt: welche Behandlung 
ten mitentwickelt worden. Als der außerdem bringt es Momenten- da kommen nur noch PS durch ist geeignet (einschl. Konstruktions- 
Giordano Bruno verbrannt wurde. ausgleich bzw. Vorspannung aufdie Analog meine ich, daß man altes Na- weise natürlich), die Notwendigkeit 
wollte man diese Entwicklung ver. Balkenlage. Wie dem auch sei: der delholz-FW auch solassen soll, wie’s von Nachbehandlung zu minimie- 
hindern: es hat nichts genutzt, - größte Blödsinn ist die mir in der ist, hobeln bessert nichts. Freigelegt ren? Da haperts nämlich immer, - 
wenn es denn überhaupt je „nütz- Schule gebotene Erklärung, manha- trocknet der Wind m. E. genug, was gerade bei Holz. Alu- und das 
lich” heißen konnte, einen zu ver- be ausgekragt, weil unten die allenfalls eindringt. Kunststoff-Beschichtete braucht 
brennen ... In einer etwas traurigen Grundstücke zu klein gewesen wä- Risse: wenn man, - mit begründ- eben viel weniger Pflege und Ersatz 
Demutsage ich mir, daß Gott und ren, und man sich oben mehr Platz barem Recht - Beta nicht recht erst dann, wenn alle vom Bau inzwi- 
die Götter”dieseGeschichte wohl „aus dem Straßenraum” holen woll- trauen will, sollte man sie offen las- schen mindestens in Pension/Rente 
gewollt haben, oder doch zulassen te: gerade zur Zeit der weit ausge- sen. Alles, was man da ggf. herein- Oder der Grube sind. So gesehen 
mußten. kragten noch „gotischen” Häuser tut, bröckelt aus, - v.a.: es gibt keine müßte man nur noch druckimprä- 
Was nun in dieser Lage wirklich (vor Mitte 16. Jh) gab es ja noch viel wirkliche Feuchtigkeitssicherung gniertes (vergiftetes!) Holz verwen- 
wichtig ist (m. E.), ist sich verant- Platz in den Städten ... Schließlich zwischen der Rissfüllung und dem den. Über das Problem wäre also 
wortlich„möglichst genau Rechen- zweifle ich, daß der Schutz der Hirn- Holz. Läßt man ihn offen, hat man Wohl noch vertieft nachzudenken? 
schaft zu gebeh über die Wirkungs- hölzer der Balken so große Auf- die optimale Hoffnung aufs abtrock- Noch dies: es muß m. E. betont 
ketten, die wir mit unserem Tun aus merksamkeit fand: er ist imgrunde nen, die erreichbar ist. Niemals!!! werden, daß in allen Außenwänden 
‘ösen. Da spricht eben dann die rei bei Eiche auch gar nicht so wichtig, dauerlastische Kitte: was dahinter bei Holzkonstruktionen Stahlver- 
ne Vernunft dafür, sich möglichst al: wie die alten Bauten klar zeigen. geschieht, geht jeden wasan: Feuch- bindungen sehr problematisch sind 
ter Verfahren zu bedienen, über die Wieweit Hirnholz „dem Regen” tigkeit gibts immer genug, damit die Sie sind*ja praktisch Kondensflä- 
lange Erfahrungen vorliegen. Über ausgesetzt sein darf, ist m. E. nach Dauerelaste dahinter sie so rechte chen für jeden Dampfdruck, —- also 
etwas Neues kann es ja eben keine der Holzart zu entscheiden: ganz si-  Faul-Warmfeuchte entstehen las wird das Holz aufgrund der Kon- 
alten.Erfahrungen.geben“ cher ist es z. B. bei Eiche gar nicht sen. densfeuchtigkeit um sie allmählich 
Zur langen Erfahrung gehört für sehr wichtig, bei Kiefer weniger als Rißfreies Holz verwenden: prak- faulen ... 
mich auch die Künstlichkeit des bei Fichte: das entscheidende Krite- tisch können wir uns dann auf Leim- Peter Weissenfelds 600-Jahre-Be- 
Bauens. Es geht dabei doch stets in rium ist doch die kapillare Saugkraft schichtholz beschränken. Das Mini- handlung ist ja sehr einleuchtend: 
der Regel darum, dem Gebauten nach der Struktur der Holzart. Da mum an Rissen ist historisch: es aber wer wird das alle 2-3 Jahre an- 
Haltbarkeit, möglichst langes „Le- gibt es eine interessante Beobach- setzte den Zimmermann voraus,der wenden? Meiner Erfahrung nach ist 
bensalter” zu sichern, - kurz gesagt tung: im mitteldeutschen Fachwerk- den Baum für den Bau im Wald der engagierteste Selbstbauer, - sei 
es dem organischen Kreislauf zu ent- bau („fränkisch” „thüringisch” „ale- selbst bezeichnete und wohl auct er durchaus „Ökofreak” - schon so 
ziehen (auch dem anorganischen manisch”) hat man bis ins 16.Jh. die schlug. Ich glaube, daß wir uns wohi „baufrustriert” - daß nicht einmal er 
Kreislauf der Verwitterung)«Sie Se| Schwellen verkämmt und die Eck- damit abfinden müssen, daß wir alle 2-3 Jahre mit Wurzelbürste ... 
hen: ich vermeide das Wort Ökolo- stiele daraufgezapft. Vermutlich Kantholz eben in Bezug auf Holz Das paßte zu einer bäuerlichen 
gie, das ja eigentlich der Begriff des stellte man fest, daß durch die Zap- nicht gewachsen, sondern aus Holz Struktur, in der Arbeitskraft schon 
LogoSxder Wissenschaft vom Haus- fen die Eckverkämmung von innen als Material nach Güteklassen be- deshalb billig war, weil sie außer- 
wesen bedeutet. heraus verfaulte. Im 18. Jh. hat sich kommen (Baum = Baum, - die halb der Ernte- und der Bestellzei- 
Anwendung aüfIhr Thema: jede: durchgesetzt, daß man die Schwel- drehwüchsigen vom Waldrand da- ten gar nicht auszulasten gewesen 
Holzschutz ist ja doch Wohl.ein che‘ len nur noch gegen die mit dem bei). wäre. Nichts gegen Ihren Hinweis, - 
mischer Holzschutz, insofern».die Hirnholz (!) auf das Fundament ge- Sie müssen auch bei Fachwerk ehrlich”, - aber da berühren wir 
Chemie die Lehre/Wissenschäft setzten Eckpfosten stumpf stieß und spezielle Regeln sagen: hier keine Wandlungen der Gegebenheiten. 
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