Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

at ‚I 
ie Natur ist jetzt hoch im Kurs, waldphilosoph Heidegger, die Philosophie phie geweidet und darauf jahrzehntelang 
® sagte Reger gestern, das ist auc| verkitscht, Heidegger und Stifter haben je ihre koketten Fladen fallen gelassen hat i 
J ein Grund, warum Stifter jetzt hoc‘ der für sich, auf seine Weise, die Philosophie Schwarzwald. Heidegger war sozusagen ei 
m Kurs ist. Alles, das mit Natur zusammen-, nd die Literatur heillos verkitscht. Heideg philosophischer Heiratsschwindler, sagte 
hängt, ist jetzt höchste Mode, sagte Regen} ger, dem die Kriegs- und Nachkriegsgenera: Reger, dem es gelungen ist, eine ganze Ge-, 
gestern, also ist Stifter jetzt höchste, ja aller-/ tionen nachgelaufen sind und den sie mit _neration von deutschen Geisteswissen 
höchste Mode. Der Wald ist jetzt höchste/ _\widerwärtigen und stupiden Doktorarbei chaftlern auf den Kopf zu stellen. Heideg, 
Mode, die Gebirgsbäche sind jetzt höchste/ ten überhäuft haben schon zu Lebzeiten, ger ist eine abstoßende Episode der deut- 
Mode, also ist Stifter jetzt höchste Mode. }sehe ich immer auf seiner Schwarzwald. schen Philosophiegeschichte, sagte Rege 
Stifter langweilt alle tödlich und ist auf fatale! hausbank sitzen neben seiner Frau, die ih gestern, an der alle Wissenschaftsdeutsche 
Weise jetzt höchste Mode, sagte Reger. Die/ lin ihrem perversen Strickenthusiasmus beteiligt waren und noch beteiligt sind. 
Sentimentalität überhaupt ist jetzt, das ist! ‚ununterbrochen Winterstrümpfe strickt mit eute ist Heidegger noch immer nicht ganz 
das Fürchterliche, höchste Mode, wie jal der von ihr selbst von den eigenen Heideg durchschaut, die Heideggerkuh ist zwar ab- 
auch alles, das Kitsch ist, jetzt höchste Mode gerschafen heruntergeschorenen Wolle gemagert, die Heideggermilch wird abe 
st; ab der Mitte der Siebzigerjahre und bis (Heidegger kann ich nicht anders sehen, al och immer gemolken. Heidegger in seine 
heute in die Mitte der Achtzigerjahre sind, auf der Hausbank seines Schwarzwaldhau- _ verfilzten Pumphose vor dem verlogene 
Sentimentalität und Kitsch höchste Mode, ses, neben sich seine Frau, die ihn zeitle Blockhaus in Todtnauberg ist mir ja nur- 
höchste Mode in der Literatur, in der Male-__bens total beherrscht und die ihm alle mehr noch als Entlarvungsfoto übriggeblie 
ei, auch in der Musik. Noch nie ist so vie trümpfe gestrickt und alle Hauben gehä: ben, der Denkspießer mit der schwarze 
entimentaler Kitsch geschrieben worden, kelt hat und die ihm das Brot gebacken und chwarzwaldhaube auf dem Kopf, in wel- 
wie in den Achtzigerjahren heute, noch nie” das Bettzeug gewebt und die ihm selbst sei chem ja doch nur immer wieder der deut- 
ist so kitschig und sentimental gemalt wor 
den und die Komponisten übertreffen sic 
gegenseitig in Kitsch und Sentimentalität, 
gehen Sie nur in die Theater, dort wird heu: 
e nichts als gemeingefährlicher Kitsch ge- 
boten, nichts als Sentimentalität und selbs 
enn es brutal und wild zugeht auf dem 
eater, ist es doch nur die gemeine kitschi- 
ge Sentimentalität. Gehen Sie in die Aus- 
tellungen, es wird Ihnen nur äußerster 
Kitsch und allerwiderwärtigste Sentimenta- 
lität gezeigt. (Anmerkung der Redaktion: 
B. Bauen in der Bundesrepublik, Deut: 
sches Architekturmuseum Frankfurt 1985 
Die Bücher sind heute vollgestopft mit 
Kitsch und Sentimentalität, das ist es, was 
Stifter in den letzten Jahren so in Mode ge 
bracht hat. Stifter ist ein Kitschmeister, 
sagte Reger. Auf einer x-beliebigen Seite 
Stifter ist so viel Kitsch, daß mehrere Gene 
rationen von poesiedurstigen Nonnen und 
ankenschwestern damit befriedigt wer- 
den können, sagte er. Es ist gar nicht so un 
erständlich, daß jetzt, wo das Wort Wald 
und das Wort Waldsterben so in Mode ge- 
kommen sind und überhaupt der Begriff. 
ald der am meisten gebrauchte und miß 
braüchte ist, der Hochwald von Stifter so 
iel gekauft wird, wie noch nie. Die Sehn- 
ucht der Menschen ist heute, wie nie zuvor, ne Sandalen geschustert hat. Heidegger wa sche Schwachsinn aufgekocht worden ist, so 
die Natur und da alle glauben, Stifter habe ein Kitschkopf, sagte Reger, genauso wie Reger. Wenn wir alt sind, haben wir ja scho 
die Natur beschrieben, laufen sie alle zu tifter, aber doch noch viel lächerlicher als! |sehr viele mörderische Moden mitgemacht. 
Stifter. Stifter hat aber die Natur gar nicht‘ Stifter, der ja tatsächlich eine tragische Er; alle diese mörderischen Kunstmoden und 
beschrieben, er hat sie nur verkitscht. Die scheinung gewesen ist zum Unterschied Philosophiemoden und Gebrauchsartikel 
ganze Dummheit der Menschen zeigt sich von Heidegger, der immer nur komisch ge oden. Heidegger ist ein gutes Beispiel da: 
in der Tatsache, daß sie jetzt alle zu Stifte esen ist, ebenso kleinbürgerlich wie Stif- ür, wie von einer Philosophiemode, die ein- 
pilgern zu Hunderttausenden und sich nie-_ ter, ebenso verheerend größenwahnsinnig. al ganz Deutschland erfaßt gehabt hat, 
derknien vor jedem einzelnen seiner Bü-_ ein Voralpenschwachdenker, gerade rech: ichts übrigbleibt, als eine Anzahl lächer- 
cher, als wäre jedes einzelne ein Altar. Ge-_ für den deutschen Philosophieeintopf. De licher Fotos und eine Anzahl noch viel 1ä 
rade in solchem Pseudoenthusiasmus ist Heidegger haben sie alle mit Heißhunge cherlicherer Schriften. Heidegger war ei 
mir die Menschheit widerlich, sagte Reger,  lausgelöffelt jahrzehntelang, wie keinen an: philosophischer Marktschreier, der nur Ge- 
ist sie mir absolut abstoßend. Schließlich! deren und sich den deutschen Germani- _stohlenes auf den Markt getragen hat, alle 
fällt am Ende alles der Lächerlichkeit an- sten- und Philosophenmagen damit vollge: on Heidegger ist aus zweiter Hand, er wa 
eim, es mag so groß und bedeutend sein, schlagen. Heidegger hatte ein gewöhnli- und ist der Prototyp des Nachdenkers, dem 
wie es will, sagte er. Tatsächlich erinnert ches, kein Geistesgesicht, sagte Reger, war m Selbstdenken alles, aber auch wirklich 
ich Stifter immer wieder an Heidegger, an! durch und durch ein ungeistiger Mensc alles gefehlt hat. Heideggers Methode be- 
diesen lächerlichen nationalsozialistischen| bar jeder Phantasie, bar jeder Sensibilität,  |stand darin, fremde große Gedanken mit 
Pumphosenspießer. Hat Stifter die hohe Li-_ ein urdeutscher Philosophiewiederkäuer. der größten Skrupellosigkeit zu eigenen 
teratur auf die unverschämteste Weise total! eine unablässig trächtige Philosophiekuh/ kleinen Gedanken zu machen, so ist es 
erkitscht, so_hat Heidegger, der Schwarz. sagte Reger, die auf der deutschen Philoso doch. Heidegger hat alles Große so verklei: 
az
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.