Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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Wohnhaus in Koblach, Ansicht von Nordwester Foto: Gerhard Ullmanr 
Grundrisse und Schnitt 
Architekt: Cooperative Dornbirn (Dipl.-Ing. Dietmar Eberle 
Mag. Arch. Wolfgang Juen, Mag. Arch. Markus Koch. 
Norbert Mittersteiner) 
erkennt auch eine Anzahl von verwandten Elementen, die, je nach Genauigkeit sondergleichen und äußerste Disziplin beim Entwer- 
Temperament der Architekten, mehr oder weniger ausgeprägt fen der tragenden Konstruktion. Je logischer, je präziser sie durch- 
sind: offene, fließende Grundrisse mit genügend Nischen; lichte, dacht ist, desto einfacher, also billiger, mehr: desto besser ist sie - 
am liebsten bis hinauf ins Obergeschoß reichende Räume von gro- und schöner. Der Stolz darauf drückt sich schon in einer kleinen 
ßer Transparenz und Lebendigkeit. Die Treppen sind oft frei im Beobachtung aus: Alle diese Architekten lieben es, die Konstruk- 
Raum platziert, in der Mitte steht meist der Ofen (und am Haus das tion aus Stützen, Balken und Dachpfetten sichtbar zu lassen - will- 
Spalier der Buchenscheite). Man sieht große, rundherum in Glas kommene ästhetische Zugabe. 
gefaßte Erker und Loggien, Veranden, die ganz ums Haus laufen Die Methode, ein Skelett, ein Fachwerk, zu bauen, hat einen 
oder vier, fünf, sieben Häuser wie an einer Glaspassage miteinan- zweifachen Effekt. Sie legt nahe, eine geometrisch exakte, wenn 
der verbinden. Lauter strahlend gemütliche Räume, die dem Amü- nicht strenge, somit einfache Form mit rechteckigen oder quadrati- 
sement beim Wohnen dienen, aber zugleich mit ihren Luftpolstern schen Grundrissen zu finden. Da es keine tragenden Wände, son- 
einen technischen Übereifer vermeidenden Beitrag zum Energie- dern nur tragende Stützen gibt, kann man den Raum sehr frei auf- 
sparen, also Sonnenenergienutzen, leisten. Man findet Hausfor- teilen. Das ist die ideale Ausgangsposition für die Zusammenarbeit 
men, die in diesen Gebieten von jeher üblich sind und sich nicht zwischen dem Architekten und seinem Bauherrn. Es zeigt sich, daß 
zuletzt in den Sattel-, Pult- und (sogar das ohne ästhetische Kata- besonders die guten Architekten ihren Klienten zwar nicht besser- 
strophe) Krüppelwalmdächern zu erkennen geben. wisserisch ihren Willen aufzuzwingen versuchen, aber auch nicht 
Ganz deutlich sind die Reduzierungen auf das Einfache, die Klar- — willfährig sind bis zur Selbstaufgabe. „Ich baue bestimmt nicht nur 
heit der Konstruktion, die Bescheidenheit von Form und Ausstat- das, was die Bauherren wollen”, sagt Sampo Widmann. „Deswegen 
tung - sie dienen der Lust am Selber-, wenigstens am Mitbauen und kommen sie ja zu mir.” 
vermindern die Baukosten. Daß man unter den Bauherren verhält- Am eigenen Hause mitzubauen, bedeutet denn auch für viele 
nismäßig viele Musik- und andere Lehrer findet, läßt nebenbei, mehr als nur Baukosten zu sparen. Tatsächlich sind viele dieser 
auch Schlüsse auf die Vorstellungen und Hoffnungen dieser päda- Holzhäuser ungewöhnlich billig, sagen wir: preiswert. Woran liegt 
gogisch ambitionierten Generation der Dreißig- und Vierzigjähri- das? Walter Mühlbauer, der Architekt eines so kompakten wie trans- 
gen Zu. parenten Einfamilienhauses im Dorf Hebertshausen bei Dachau, 
nennt dafür Gründe: Man könne viel billiger bauen, wenn erstens 
Gemeinsam planen und bauen die großen, Initiativen gern erdrückenden Wohnungsbauunterneh- 
Da Holz ein sehr anspruchsvolles Material ist, kann das Bauen men ausgeschaltet bleiben (denn sie verlangen schon ein Fünftel 
damit auch sehr teuer werden. Maurer können Ungenauigkeiten der Baukosten allein für die Übernahme der Bauherrenrolle und 
ausgleichen, indem sie die Fugen breiter oder schmaler machen: nehmen den Architekten bis zu vierzig Prozent ihres Honorars, zu 
man erlaubt ihnen, auf eine normale Häuserlänge bezogen, Abwei- schweigen von den Verzögerungen, die diese schwerfälligen, gefräs- 
chungen bis zu vier Zentimetern. Zimmerleuten hingegen wird sigen Verwaltungsapparate verteuernd verursachen). Es gehe zwei- 
eine Toleranz von höchstens einem halben Zentimeter zugestan- tens, sagt Mühlbauer, billiger ab, wenn die Handwerker der Umge- 
den. Das verlangt von niemand anderem als dem Architekten eine bung bemüht werden, mehr noch: wenn zum Beispiel die Holzkon- 
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