Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Die Herstellung eines Metallverbinders ist heute nicht mehr in zu den heute verwendeten Kombinationen dieser Grundelemente 
jedem Fall kostengünstiger als die Herstellung einer Holzverbin- innerhalb der einzelnen Verbindungen. 
dung Holz in Holz, Zudem belastet die äußerst energieaufwendige Aus der Kenntnis der Eigenschaften dieser Ausgangsformen 
Metallindustrie unsere Umwelt, Die handwerklichen Holzverbin- kann sich ein Verständnis für die Wirkungsweise der oft vielfältig 
dungen sind in jahrhundertelanger Erfahrung entstanden und ver- kombinierten Fügeformen aus Ost und West herausbilden. Nur aus 
bessert worden und entsprechen so den Holzeigenschaften in einem sich so aufbauenden Verständnis gegenüber den Holzver- 
bester Weise, Ihre Nachteile liegen zum Teil in der Schwächungder bindungen können diese dann in neuen Konstruktionsformen 
Holzquerschnitte, jedoch könnte hier viel durch ein angemessenes Unter sich wandelnden Bedingungen wieder richtig eingesetzt und 
statisches Nachweisverfahren, das den Besonderheiten des Werk- weiterentwickelt werden. Das Verständnis der einzelnen Formen 
stoffes Holz entspricht, ausgeglichen werden, Die heutigen Nach- wird wesentlich erleichtert, wenn man sie sich jeweils durch eine 
weisverfahren haben sich aus den Meßdaten des Stahl- und Stahl- Nachformung mit den Händen vor Augen führt. Dabei wird man 
betonbaus und ihrer homogenen Materialien entwickelt. Mit dem sich unversehens in der Gedankenwelt derer wiederfinden, die die- 
Aufkommen des Stahlbaus und der statischen Standsicherheits- se Verbindung ersonnen haben, in einer Zeit, aus der uns keine 
nachweise in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts verschwan- Zeugnisse mehr vorliegen. Im Anwendungsfall muß man sich in die 
den manche hervorragende Bauweisen, wie die gebogenen Holz- Lastverhältnisse eines Bauwerks oder eines Möbels hineinverset- 
träger, da sich damals wie heute derartige Konstruktionen nicht zen, um die jeweils richtige Verbindungsweise herauszufinden. 
zweifelsfrei berechnen lassen, In der Schweiz gibt es Holzbrücken Hierbei spielen auch die Eigenschaften des zur Verfügung stehen- 
aus dem 18, Jahrhundert, die mit dieser Technik gebaut wurden den Holzes eine mitbestimmende Rolle. Die Besonderheiten der 
und die noch heutigem $chwerlastverkehr standhalten. einzelnen Holzarten sind ebenso zu berücksichtigen wie das unter- 
Die Stabilität von Holzverbindungen läßt sich besser durchexpe- Sschiedliche Verhalten von Holz aus den verschiedenen Stammab- 
rimentelle als durch rechnerische Methoden erfassen. Dabei muß Schnitten eines Baumes. 
die gesamte Konstruktion Berücksichtigung finden, da Holzkon- So kann das Ausarbeiten einer Verbindung am falschen Ende 
struktionen in sich elastisch reagieren und auf diese Weise Überbe- eines Balkens leicht zum Abspalten des Holzes und zur Zerstörung 
lastungen an einzelnen Punkten verteilt werden. Verformungen der Verbindung führen. Den Blick für Unregelmäßigkeiten im In- 
dieser Art würden beim Mauerwerks- oder Betonbau zu irrepara- neren des Holzes erwirbt man erst durch längere Übung. 
blen Rissen führen, Je nach Lage der zu verbindenden Hölzer müssen Verbindungen 
Im bauphysikalischen Berich erweisen sich die reinen Holz- aus Längs- und Querholz ausgearbeitet werden. Der Natur des Hol- 
verbindungen Holz in Holz den Hilfsmitteln aus Metall als weit zes gemäß gelten hierfür unterschiedliche Bedingungen. Aus die- 
überlegen. sem Grund sollen im folgenden nacheinander dargestellt werden: 
1. Längsverbände für liegende und stehende Hölzer, 
Fügeformen 2. Schrägverbände und als Sonderform Querschnittsverbände, wo- 
Holzverbindungen dienen dem Zusammenfügen von Hölzern, wo- bei Kanthölzer parallel verbunden werden, 
bei ein Verbund durch entsprechende Gestaltung der Berührungs- 3. Winkelverbände für Hölzer, deren Oberflächen in einer oder zwei 
fNächen erzeugt wird, Die nachfolgenden Holzverbindungen wer- Ebenen liegen und die im rechten Winkel aufeinander treffen, 
den nicht nach ihren Anwendungsbereichen unterteilt, sondern 4. Breitverbände und winklige Verbände für Brettflächen. 
nach den Grundformen der Verbindungselemente wie beim Von einer weiteren Unterteilung soll abgesehen werden, um die 
Längsstoß der stumpfe Stoß, der Zapfen, das Blatt, der Schwalben- Entwicklungslinien verwandter Verbindungsformen besser verfol- 
schwanz und das Hakenblatt. Von dort aus führt die Darstellung hin gen zu können. 
Längsverbindungen 
Die Längsverbindung wird in folgenden Fällen angewandt: 
1. Sie dient als Pfropfung bei der Verlängerung stehender Holzpfo- 
sten, die in der japanischen Architektur häufig über mehrere Stock- 
werke durchlaufen, Aus der japanischen Tempelarchitektur mit ih- 
ren großen, runden Holzsäulen hat sich jene Methode entwickelt, 
bei der die von Fäulnis besonders bedrohten Fußenden von Pfosten 
und Säulen von vorneherein als ein eigenes Verbindungsglied her- 
gestellt werden, Die Pfosten und Säulen werden mit sogenannten 
Wurzelverbindungen untersetzt, die sich nachträglich öffnen lassen 
und so einen separaten Austausch dieser Fußenden ermöglichen. 
2. Große Holzlängen bei Riegeln lassen sich häufig nicht in einem 
Stück montieren. Daher müssen diese waagerechten Hölzer oft in 
einzelnen Abschnitten gefertigt und erst beim Aufrichten zu ihrer 
vollen Konstruktionslänge verbunden werden, Diese Anlängungen 
sind bei japanischen Bauten insbesondere von Bedeutung, da die 
traditionelle japanische Architektur keine Diagonalverbände zur 
Aussteifung einsetzt. Die Standfestigkeit wird statt dessen mit Hilfe 
vieler Riegel erreicht, die zug- und druckfest mit dem Pfosten ver- 
bunden sind. 
3. Bei waagerecht liegenden Konstruktionshölzern, wie Balken von 
Blockhäusern, Schwellen, Pfetten, Gurten und Deckenbalken (in 
Schräglage auch bei Sparren), sind Längsverbindungen dann nötig, 
wenn größere Längen gebraucht werden als aus einem Stamm er- 
zeugt werden können. 
4. Auskragende Balkenlagen für Balkone werden aufgrund der er- 
höhten Fäulnisgefahr gerne austauschbar hergestellt. Zu diesem 
Zwecke werden sie an der Stelle des Durchgangs durch die Außen- 
wand des Gebäudes ihrer Länge nach gestoßen. 
5, Für den Schreiner stehen nicht immer Hölzer der erforderlichen 
Länge zur Verfügung, Zudem gibt es Situationen, in denen Repa- 
raturen Längsanschlüsse notwendig machen. 
Neben den genannten konstruktiven Gründen haben auch ge-
	        

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