Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Lindenufer, Berlin-Spandau 1979 
In diesem Entwurf wird punkt der Familie, - als ”Herz 
die Idee einer klaren Innen- des Hauses” (Leon Battista 
raumgeometrie weiterverfolgt. Alberti) -, in der Mitte aufzu- 
Die Raumkomposition im weiten und ihn zur Fenster- 
Grundriß entwickelt sich vom front hin zu redurzieren. So 
Wohnraum aus, der die Form bekommt der Raum zugleich 
eines gequetschten Achtecks durch die perspektivische Be- 
annimmt. Hieran schmiegen tonung eine klare Orientierung 
sich die sechseckige Diele und zum Licht hin 
das siebeneckige Treppenhaus 
Es wird kein Geometrie- 
fetichismus betrieben. Von 
der Konzeption des Haupt- 
raumes ausgehend werden die 9 
anschließenden Räume logisch fr u 
entwickelt. Die Form des 
Wohnraumes erklärt sich aus 
dem Bedürfnis, diesen als Treff- % A 
Architekten, von dem ich glaube, daß es den Leuten was bringt, die Erzeugung höchstmöglicher Banalität. Mir fällt da noch ein De- 
durch die Individualisierung von einer Wohnung zur anderen, tail zur Zusammenfassung der Quadratmeter ein. Beim ersten Bau 
wenn dieser Bereich geometrisch anders ausgebildet ist. in der Ritterstraße konnte ich noch durch einen Zufall, unbeobach- 
Es ist in der Verzweiflungssituation, in der sich der Architekt im so- tet von der Genehmigungsbehörde, größere Geschoßhöhen reali- 
zialen Wohnbau befindet, eine Ressource die noch bezahlbar ist, Sieren, und zusätzlich noch zwei Maisonettwohnungen mit doppel- 
und einen ästhetischen Gewinn bringt. Im Grunde wars ja auch geschossigem Wohnraum. Dinge, die immer weniger möglich wer- 
schon bei Scharoun dieselbe Tendenz, den Wohnbereich zu zele- den im sozialen Wohnbau, so gut wie ausgeschlossen sind. Da ist 
brieren. Das merkst du, wenn du in die Scharounschen Häuser hin- dann diese Aufweitung im Wohnraum fast ein Zwang. Und der zen- 
einkommst, daß eine ähnlich romantische Atmosphäre, oder eine trale Raum, einfach geometrisch als durchgehender rechteckiger 
provozierend gemütliche Atmosphäre, anvisiert wird. Die Grund- Raum belassen, ist ja verdammt fade. Wenn sich die ganze Breite 
anstrengung in diesen Arbeiten am Wohnungsgrundriß, die ich in vorne in der Fassade genauso breit öffnet, und vollverglast ist, hat es 
den letzten zehn Jahren betreibe, ist ganz einfach die Suche nach ja nicht einmal die normale Einschnürung oder Filterung, die du 
Typen, die heute noch erstellbar, finanzierbar sind. Sobald dueinen durch ein Fenster bekommst, das in der Wand sitzt. Durch die Geo- 
Klienten mit viel Geld hast, kannst duja machen was du willst. Aber metrisierung, die Einschnürung oder Aufweitung, hast du immer 
in diesem Fall ist das ja nicht da. Und die Recherche, die Forschung eine Nuancierung zwischen der Mitte des Raumes und den anderen 
im Bereich der Grundrißtypologien ist heute so verarmt, wie sie Bereichen. Das geht beim einfachen Rechteck nicht. Und dieser 
sicherlich niemals zuvor war. Die zwanziger Jahre haben da noch große Raum soll letztlich auch ein wenig erinnern an die verflossene 
große Anstrengungen gemacht. Und heute hast du nur minderwer- Großzügigkeit, die wir nie mehr zurückgewinnen können. Die Räu- 
tige Folklore im Architektendesign was die Grundrisse angeht, und me, die so groß sind, daß sie multifunktional nutzbar sind. Wo man 
):
	        

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