Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

und qualitative Maßstäbe „geschleckter Bausysteme” auf den keinesfalls aber - ganzheitlich gesehen - humanbiologisch, - eben 
Selbstbau übertragen. Klar sein muß bei Selbstbau in jedem Falle, wegen seines Mangels an möglichem Reizklima, eben weil durch 
daß Fehler und „Pfusch” vorkommen müssen, nur müssen sie eben thermische Trägheit beinahe immer die falsche Temperatur die 
mit angemessenem Aufwand nach dem Verursacherprinzip auch Bewohner ver-wöhnt und damit belastet. 
widerrufbar sein. (Man darf Krankheiten bekommen, aber man soll Was soll etwa eine „wirtschaftliche” Heizung mit hohem Wir- 
sie nicht behalten). kungsgrad des Brenners, wenn die hergestellte Wärme zu oft wieder 
Preiswerte Selbstbauten sind in der Regel auch wenig auf Pflege- abgelüftet werden muß, weil sie erst zur falschen Zeit „durch- 
freiheit angelegt (Motto: „Wir wollen auch später noch etwas zu tun kommt”? 
haben”). Menschen, die selbst preiswert bauen, werden also spätere Holzist also energetisch, ökologisch und humanbiologisch schon 
Pflegearbeit nicht scheuen dürfen, sondern eher begrüßen, beson- der ideale Baustoff, weil seine solare Herstellung keine „schmut- 
ders wenn damit eine Verlagerung der anfänglichen Baukosten ver- zige” Fremdenergie braucht. Aber den wirklich wichtigen Einsatz 
bunden ist. von Rundholzsehe ich heute und in Zukunft eigentlich beileichten, 
Außer Zweifel sollte auch sein, daß das herkömmliche Bauen offenen Fachwerken, über die eine vorwiegend bodenschlüssig 
hierzulande - „Stein auf Stein” - in jedem Falle noch einfacher ist gepflanzte Pflanzenhülle ein lebendes Blätterdach schindelt: Das 
als das Bauen mit Rundholz in Eigenarbeit. Aber ein Fachwerkbau „eßbare Haus”, das selbstwachsende Haus, bei dem Rundholzfach- 
— als offenes System - hat eben Qualitäten, die ein starrer Mauer- werke nur eine erste „Schalung” leisten und nach einiger Zeit durch 
werksbau nie haben kann. Deswegen rechtfertigt sich auch die Lebendbau ersetzt werden. (Unsere schnellwüchsigen Weiden 
schwierige Statik und auch die nie ganz ungefährliche Montage bei schaffen etwa 3 m pro Jahr!) 
Fachwerken. (Stabilitätsprobleme während der Montage). Wenn sich vollends erst einmal herumgesprochen hat, daß 
Lebensfreude und „Gesonntheit” eigentlich nur im Naturklima 
„Zuerst bauen wir ein Haus, dann baut das Haus uns.” möglich sind, werden sich - zuerst bei Wenigen - bald auch viele 
Ein offenes Fachwerksystem ist im Vergleich zu schwerem Mauer- tägliche Arbeiten und Tätigkeiten danach einrichten lassen. 
werksbau vielfältiger, wirtschaftlicher und anpassungsfähiger für Man/frau kann nämlich tatsächlich am Stehpult im Naturklima 
verschiedene Grundrisse und Änderungen, die im Laufe der eines Pflanzenhauses längere Zeit konferieren und lesen - vielleicht 
Lebenszeit eines Gebäudes immer notwendig werden. Ein Fach- auch auf einem solar beheizten Naturmöbel dinieren und musizie- 
werkbau, insbesondere aus Rundholz, hat deswegen sozusagen ein- ren, falls die Biomusik der Vögel aus dem Pflanzenpelz nicht 
gebaute Langzeit-Wirtschaftlichkeit und gleichzeitig optimale genügt. 
Start-Wirtschaftlichkeit - auch deswegen, weil er anfänglich nur Als letzte, sicher bestmögliche „Biovision” ist wünschbar, daß 
teilweise ausgebaut werden kann und auch jederzeit weiter ange- unsere Wälder als zukünftige Polykultur gar nicht mehr abgeerntet 
baut werden kann. werden müssen, um nicht-lebende, also unproduktive Bauten her- 
Fachwerkbauten haben weltweit, vom Schwarzwald bis Japan, zustellen, sondern daß wir gleich unter dem Blätterdach und 
soviel unbestrittene Sympathie, weil sie anpassungsfähige Lang- immergrünen Bäumen in kleinen „Naturmöbeln” leben, mit Was- 
zeit-Bauten sind. Wer in einem starren Haus wohnt, wird eben letzt- ser, Energie, Nahrung und Info versorgt aus „Naturbaukästen” ... 
lich auch ein starrer Mensch. entsorgt durch kleine Wurmfarmen, die, Humus produzierend, 
Wer in einem schweren Steinhaus oder Lehmhaus wohnt, wird Kreisläufe schließen ... dann ist Paradies wiedergewonnen. 
zwanghaft immer mehr „verwohnen”, weil die biologisch wichtigen „Träume haben höchste politische Realität” 
Klimareize und Klimaschwankungen seinen Kreislauf weit weniger C. G-Jung 
fordern als in einem Holzhaus, das ohne Zweifel schneller auskühlt Alles: Gute'kommt yon Bäumen 
und auch schneller aufheizt - thermische Reize sind eben human- = . 
biologisch not-wendig. In diesem Zusammenhang sollte weiter Bäume sind selbstwachsende, lebende Sonnenkollek toren. Sie pro; 
erwähnt werden, daß in der Skala der „Richtigkeiten” - humanbio- duzieren Sauerstoff, verdauen CO,, speichern und säubern Wasser, 
logisch gesehen, nicht nur vom Baumaterial her - ein Leben im dämpfen Schall und leisten vieles andere mehr. Mindestens 25 
Naturklima sicher das Richtigste ist. unentbehrliche, biologische Produktionen, ohne schädliche 
| eg Nebenwirkungen, leistet die Baugesellschaft des Waldes: Alles 
„Kein Haus ist das beste Haus” Gute kommt also von Bäumen, den Partnern der Sonne, nichts geht 
Arbeit, Schlaf, Muse im Naturklima ist unbestritten optimal, wenn ohne Bäume: 
extreme Belastungen dennoch regulierbar sind. Durch Gebäude „Keine Lunge, kein Auto, keine Heizung funktioniert ohne den 
gedämpfte Modulierung des Naturklimas ist also bereits ein erster Sauerstoff der Bäume.” Bäume sind deswegen die besten Freunde 
Kompromiß. Leben in einem klimaträgen, schweren Monoklima- der Tiere und Menschen. Während Tier und Mensch immer um 
haus ist die heute übliche, schlechteste aller Lösungen: ähnliches Futter konkurrieren, sind Bäume unsere Lieferanten für 
„Die Majorität hat immer unrecht” Rohstoffe, verdauen unsere Reststoffe, machen aus unseren Rest- 
Pao Li Dong stoffen wieder Rohstoffe und Nutzstoffe, „gepowert” (neuhoch- 
Die hohen Krankheitsraten, besonders im Kreislaufbereich, bewei- Sschwäbisch) von der Sonne. 
sen das immer mehr. Deswegen ist eben schwerer Lehmbau zwar Wer also eine konkurrenzfreie Gesellschaft des Lebendigen 
von der Herstellungsenergie her vielleicht dem Holzbau überlegen. sucht, findet sie am leichtesten als Partner von Bäumen. 
Blick auf die Südansicht mit Solargewächshaus Rundholzständer mit Kopfbändern (Nordansich 
4)
	        

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