Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

"ie Urganısationsphase von 1982 - Herbst 1983 Schweiz. Die desolate Situation der Wohnungsbauwirtschaft auch 
vor Ort trug mit dazu bei, daß unsere Vorstellungen von den Politi- 
kern und dem Planungsamt sehr positiv aufgenommen wurden. 
Vor allem wurde der Aspekt des kostengünstigen Bauens als allge- 
meiner Beitrag einer Kostendämpfung auf dem lokalen Wohnungs- 
markt bewertet. Kurzum, man unterstützte unsere Initiative, indem 
eine konkrete Zusammenarbeit sowohl bei der Grundstückssuche 
als auch bei den Bauauflagen von den verantwortlichen Politikern 
und von Seiten des städtischen Bauamtes zugesagt wurde. 
Die Gruppenkonsolidierung 
Diese konkreten politischen Angebote führten zu einer Konsolidie- 
rung und zu einem kontinuierlichen Arbeitsprozeß innerhalb der 
ersten Stammgruppe. Der von uns daraufhin initiierte Prozeß der 
Gruppenerweiterung im Bekanntenkreis bekam unerwartet viel 
Zuspruch, so daß sich spontan 10-15 weitere Familien für einen sol- 
chen Gedanken interessierten. Da wir jedoch unsere Gruppe nicht 
Die Politiker und Planungsamtsleiter der Kommune Herzogenrath unterstützen die zu groß haben wollten, damit die Überschaubarkeit und das Kon- 
Idee. (Sommer 1982) sensprinzip bei grundlegenden Entscheidungen noch erhalten blei- 
ben konnte, führte dieser Gruppenerweiterungsprozeß zur Bildung 
einer Parallelgruppe. Zusammen mit dem Architekten H. Hecht 
versuchte diese Parallelgruppe, ihre Vorstellungen nicht in Herzo- 
genrath-Kohlscheid, sondern im Süden Aachens zu realisieren. 
Während dieses ganzen Prozesses sprangen von unserer Stamm- 
gruppe bis Herbst 1983 zwei Familien ab und drei neue Familien 
kamen hinzu, so daß erst zu diesem Zeitpunkt die „Haus-Heyden- 
Hof” Gruppe endgültig feststand, die ihren Namen von der Straße 
des inzwischen gefundenen Grundstücks und der Hof-Bebauung 
ableitet. Die Gruppe bestand nun aus 8 Familien mit 15 Kindern im 
Vorschul- und Grundschulalter. 
Der kooperative Architekt 
Die Anlaufphase des Projektes, die ungefähr ein Jahr dauerte, muß 
als Orientierungs- und Lernphase angesehen werden. Sie ist ge- 
kennzeichnet durch ein gegenseitiges Kennenlernen, Konkretisie- 
Besuch ähnlicher Gruppenprojekte wie z.B. hier in Dornbirn (Österreich ren und Diskutieren der Vorstellungen eines „kooperativen 
Bauens” zwischen den künftigen Bewohnern, den Architekten und 
Handwerkern; sie ist gekennzeichnet durch Feten, Arbeitswochen- 
enden, Besuch von ähnlichen Projekten im In- und Ausland, Stu- 
dium von Literatur und vielem mehr. Dabei konkretisierte sich im- 
mer stärker die Rolle des Architekten in solchen Projekten als eine 
Rolle mit einer neuen Funktion, die auf eine Aufhebung der tradi- 
tionellen Rollenverteilung des Architekten als Produzenten und 
des Bauherren als Konsumenten hinausläuft und eher mit dem 
„Partizipationsarchitekten” der 70er Jahre verglichen werden kann. 
Dem heute allgemein akzeptierten Bild vom autoritären selbstherr- 
= lichen Architekten als Künstler und Star-Entwerfer, der die Bedürf- 
T nisse der künftigen Benutzer nur zu sammeln braucht, am besten 
A zu interpretieren weiß und dann in „Architektur” umsetzt, setzten 
wir das Leitbild des „kooperativen Architekten” gegenüber. Diese 
. Art von Architekt soll mit der Gruppe arbeiten und dazu beitragen, 
Die Bebauwngsplan- D daß eine Gruppe befähigt wird, Verantwortung zu übernehmen, 
änderung nach unseren So— sachkompetente Entscheidungen zu treffen und den gesamten Pla- 
Wünschen en VO ; nungs- und Bauprozeß mitzugestalten und zu koordinieren. Seine 
langjährige Ausbildungszeit und ggf. lange Erfahrungen sollen 
einen positiven Anregungs- und Reflexionsprozeß für die Gruppe 
initiieren und nicht als „Herrschaftswissen” mit dem Mittel des 
Sachzwang-Arguments nur die eigenen konstruktiven oder „künst- 
lerischen” Vorstellungen legitimieren. Mit diesem neuen Rollen- 
verständnis ergaben sich für uns auch Parallelen zum früheren 
„Baumeister”, der selbst in jeder Phase des Bauens zusammen mit 
allen Beteiligten gestaltete und handwerklich tätig war. 
Dieses neue Verständnis führte da, wo es in unserem Projekt von 
den Betroffenen realisiert wurde, zu einer intensiven und offenen 
Zusammenarbeit in allen Phasen zwischen den Beteiligten. Das in 
der Bauherrengruppe eingeführte Konsensprinzip bei allen wichti- 
gen Entscheidungen setzte den kooperativen Architekten und 
sachverständigen Bauherrn voraus und das wiederum erhöhte die 
Motivation und Identifikation mit dem Projekt und stärkte das Ver- 
trauen in die gemachten Entscheidungen. Insgesamt hat diese 
Organisationsstruktur - als Quelle zahlreicher guter Ideen - nicht 
nur eine kostengünstige Lösung, sondern auch eine abwechslungs- 
Die Gruppe legt sich untereinander vertraglich fest reiche Architektur entstehen lassen. 
Li:
	        

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