Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Selbsthilfeleistung 
Trotz der kurzen Zeitspanne war unsere Selbsthilfeorganisation re- En 
lativ gut vorbereitet, sodaß wir in Absprache mit den sehr kooperati- Der 
ven Handwerksbetrieben unsere Eigenleistung selbst organisierten A 
bzw. auch zum Teil selbst ausführen konnten: Architekt 
® So wurden die Betonbodenplatten der nichtunterkellerten EEE 
Wohneinheiten komplett in Eigenorganisation/-leistung gegossen. 
Der beauftragte Maurerbetrieb stand uns mit Rat und Tat zur Seite 
und mauerte zeitlich parallel die für fünf Wohneinheiten vorgese- 
henen Kellerbereiche hoch. 
® Die reine Aufstellung des Ständerwerks wurde komplett von un- 
serer Zimmerei übernommen, da uns die Gefahren und notwendi- 
gen Kenntnisse für dieses so wichtige Gewerk als zu risikoreich er- 
schienen, um es in Eigenleistung durchführen zu können. 
® Die Dacheindeckung sowohl des Ziegeldaches als auch der vier 
Grasdächer wurde dagegen wieder weitgehend von der Gruppe 
durchgeführt, wobei von dem beauftragten Dachdeckerbetrieb nur 
die schwierigen Dachanschlüsse bzw. die Spenglerarbeiten auf 
Stundenlohnbasis abgeleistet wurden. 
® Das zuerst fertiggestellte Gemeinschaftshaus diente uns vor al- 
lem als großer Lagerraum für Baumaterialien, Werkzeuge und als 
Baustellenbüro. Eine andere, genauso wichtige Funktion des Ge- 
meinschaftshauses soll hier hervorgehoben werden, die des 
„Übungsbaus”, was für ein Selbsthilfeprojekt von sehr großer Be- 
deutung ist. Zum Beispiel wurden hier Details im Fensterbereich 
oder der Boden-Deckel-Schalung nach der von uns vorgenomme- 
nen Werkplanung ausgeführt und für die eigentlichen Wohneinhei- 
ten verbessert. 
Wir kauften im großen Stil und dadurch kostengünstig Dielenbö- 
den und Außenverschalungen bei den Sägewerken ein, die wir trok- 
ken in den Räumen des Gemeinschaftshauses lagern konnten. Das 
Gemeinschaftshaus ist demnach nicht nur ein zusätzlicher Kosten- 
faktor, sondern hilft auch Geld sparen, besonders auch dadurch, 
daß der bekannte Baustellenklau wenn nicht ganz verhindert so - I 
doch eingeschränkt werden kann, und die dadurch entstehenden Die kritische 
Zeitverluste in Grenzen gehalten werden können. , - 
® Da unsere Zimmerrei im Bausommer 84 an Auftragsüberlastung an sp ruchsvolle, engagıe rte ; 
litt, führten wir den kompletten Außenwand- und Innenwandaus- = = = 
bau in Eigenorganisation/-leistung durch. Dabei achteten wir zum wissenschaftlich fundierte y 
Beispiel neben einer einfachen und selbsthilfefreundlichen Ver- un = = 
kleidung der Leichtbauwände immer auch auf Qualität. prägnante Zeitsch rift 
® So sorgen die zum Teil von Innen sichtbar belassenen Tonhohl- Y Ua S 
körperplatten in der Dachuntersicht nicht nur für zusätzliche Däm- fü r Opi nionleader 
mung, sondern gerade auch bei der Leichtbauweise aus Holz für 1 
mehr Speichermasse und sie dienen damit der Klimaregulierung. der Architektenschaft. 
® Die Kombination von gutem Schallschutz zwischen den einzel- w . 
nen Häusern, die zum einen durch die Versetzung der Wohneinhei- Auf einen Blick: 
ten und damit der Funktionsbereiche und zum anderen durch ein . A En s 
doppelschaliges Mauerwerk (2x17,5 KS) erreicht wurde, hat sich in Juli-August— nr NEN SE Ten HE TS 
der bisherigen Wohnpraxis bestens bewährt. (Gerhard Ullmann) On 
® So auch der Schallschutz innerhalb der Wohneinheiten durch die Das verzerrte Gebilde Großstadt (Friedrich Spengelin) 
schwimmend gelagerten und mit Quarzsand gefüllten Geschoßdek- Porträt Bernhard Hermkes (Gert Kähler) 
ken mit Holzdielenböden. Diese Schallschutzmaßnahmen dienen a. . X 
zusammen mit den Tonplattenböden im Erdgeschoß zusätzlich auch September - marsel ED en sale DI (Max Bächer) 
als Speichermasse. Beim gesamten Innenausbau halfen uns viele ER KOR VOR ES NESC ERS (ON Gchlaas} 
Freunde, Verwandte und Architekturstudenten der TH-Aachen, La Seu d’Urgell — eine Stadt in den Pyrenäen 
die zum Teil aufgrund ihrer beruflichen Vorbildung, zum Beispiel Katalanische Art des Jugendstils 
als Schreiner, mit viel Elan ihre praktischen Fertigkeiten und Fähig- (Ignasi de Sola-Morales) 
keiten unter Beweis stellen konnten und folgerichtig deshalb ge- Elektronische Schließanlagen (Jürgen Lecour' 
meinsam mit dem Bauleiter und den Bauherren des Bauausschus- 
ses einfache Ausführungsdetails vor Ort mitentwickelten. Einzelheft DM 9,- (+ Porto, inkl. MwSt.) 
Noch Ende September 1984 konnten wir Richtfest feiern und Abonnement DM 84, (+ Porto, inkl. MwSt) 
gleichzeitig feierten wir das Einzugsfest für die erste Familie, die in nn 
ihrer alten Mietwohnung gekündigt, dazu gezwungen war, in ihrem Anforderung für ein Probeheft: 
bis dahin schon relativ fertigen Haus recht improvisiert auf der Bau- Name: 
stelle zu wohnen. a 
Mit viel Glück und gutem Herbstwetter konnten wir vor dem gro- Straße: 
ßen Frost und den Schneestürmen im Winter 84/85 alle Bauten, 
auch das Doppelhaus 7 + 8 mit seinen 110 m? großen Glasflächen Ort: 
komplett dichtbekommen. Ab diesem Zeitpunkt atmeten wir auf Forum-Verlag GmbH, Postfach 700262, 7000 Stuttgart 70 
und gingen etwas gelassener in den winterlichen Innenausbau ' ) | 
über.
	        

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